Beißende Ironie
Nicht jeder ist zufrieden mit den Pressestimmen zu einem Buch. Normalerweise beschweren sich die Autoren, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Dass sich der Kritiker grämt, weil seine Kritik nicht so verstanden wurde, wie er sie sich gedacht hatte, kommt eher selten vor. Die eminente Redakteurin der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” Julia Encke, oder genauer “Dr. Julia Encke”, fühlt sich missverstanden. Deshalb hat sie jetzt einen Brief an Amazon geschrieben, in dem sie darüber Klage führt, dass einige Zeilen ihrer Rezension von “Unter Linken” in der Rubrik “Pressestimmen” zu selbigem Buche auf der Webseite des Onlinehändlers auftauchen. Sie lässt Amazon wissen, dass ihre Rezension als “Komplettveriss” gemeint war, weshalb sie nun eine, auch auszugsweise, Wiedergabe ihrer Kritik nicht hinnehmen könne:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin Journalistin im Feuilleton der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” und habe in der F.A.S. das Buch “Unter Linken” von Jan Fleischhauer besprochen, das sich inzwischen in den Bestseller-Listen befindet. Meine Rezension war ein Komplettverriss, voller beißender Ironie. Mit Erstaunen stelle ich nun fest, dass Sie ein Zitat aus meiner Kritik, es waren selbstverständlich ironische Zeilen, nun als Werbung für das Buch verwenden: “Jan Fleischhauer nimmt kein Blatt vor den Mund. Er nimmt sogar in Kauf, ein paar Freunde zu verlieren. Sein Mut ist unerhört.” Julia Encke, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Ich bitte Sie, dieses Zitat umgehend von Ihrer Seite zu löschen. Es ist, aus dem Kontext gerissen, entstellend und falsch, und wirft im übrigen kein gutes Licht auf Amazon. Gerne wüsste ich, wie solche Zitatverwertungen zustande kommen.
Mit freundlichen Grüßen, Julia Encke
Dr. Julia Encke
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Feuilleton
Mittelstraße 2-4
10117 Berlin
Tel. 0049-30-20618-263
Fax 0049-30-20618-201
Hmm, ist das nicht die selbe Kollegin, die von sich selber sagte, sie habe bei der Lektüre nicht ein einziges Mal lachen können? Bei der FAS scheint man ein sehr spezielles Humorverständnis zu pflegen. Man könnte auch meinen, wer die armen Menschen bei Amazon ausdrücklich darauf hinweisen muss, dass eine Rezension ein “Komplettveriss” war, “voll beißender Ironie”, hat vielleicht kein ganz zwangloses Verhältnis zur ironischen Darstellung. Nur so ein Gedanke, aber auch der wird umgehend gelöscht. Wie die Zeilen aus ihrer Kritik. Versprochen.
Tags: FAS, Humor, Julia Encke, Linke


LOL! Wie war das noch? “Beim Humor hört für uns der Spaß auf!” - oder so ähnlich…
Kommentar von Jens Reichert — 29. Mai 2009 @ 10:29
Hehehe. Danke für diesen Lacher am frühen Morgen. *kringelvorlachen* -
Kommentar von Dagny — 1. Juni 2009 @ 08:33
Bruahahaha! Da sieht man wieder mal, wie humorlos die Linken sind. Selten beschreibt ein Mann derart zutreffend diese Borniertheit, und den typischen Hass auf die Wohlstandsgesellschaft, und den Extremismus der Linken.
Das linke Projekt ist am Ende. Wer links ist, ist oft nichts als eine deviante Witzfigur. Herr Fleischauer hat es schlüssig bewiesen.
Kommentar von Karl Peters — 1. Juni 2009 @ 11:35
Müsst euch alle verdammt geil vorkommen, so als Checker und unheimlich smart. Und dann noch diese spitze Feder…oder nein, wie müsste es heute zeitgemäß heißen…Tatzen statt digits…
Kommentar von AQUA DI PARMA — 2. Juni 2009 @ 23:47
Humor? Hier geht es um bewusst irreführendes Zitieren. Warum soll das lustig sein? (Ich bin auch darauf reingefallen, siehe Link.
Überhaupt: Ein komischer Ansatz zu behaupten, nur Rechte können humorvoll sein.
Das, was Sie Humor nennen, ist wohl eher Schadenfreude, Lachen auf Kosten anderer.
Ich habe das Gefühl, Fleischhauer gibt in dem Buch mehr von sich Preis als ihm klar ist, Stichwort Mutterkomplex. Alleine das Video von der Buchvorstellung in Charlottenburg: Kaum geht es um seine Mutter, verhaspelt er sich außerordentlich.
Oder er ist als Kind zu oft abgewiesen worden, weil er nicht cool genug war. In den 70er waren die Coolen nun mal links, die Junge Union nahm niemand Ernst. Insofern muss sich “die Linke” in der Tat an die eigene Nase fassen, weil sie Leute wie Fleischhauer nicht eingebunden hat.
Aber letztlich ist das Buch ok: Öffentliche Vergangenheitsbewältigung. Wenn´s hilft.
Gute Besserung.
Kommentar von genova — 3. Juni 2009 @ 16:31
Wer Komparatistik studiert hat, geht mit Sicherheit auch zum Lachen in den Keller.
Dass Frau Dr. aber keinen Doppelnamen trägt, wundert mich - na ja, vielleicht wollte ja auch …..
Kommentar von Jean Fairtique — 3. Juni 2009 @ 18:02
Wen interessiert eigentlich das humorlose Geschwätz der “linken” Frau Encke. Die Dame hört sich sehr evangelisch an.
Kommentar von Flieger51 — 5. Juni 2009 @ 11:39
Wen interessiert eigentlich das humorlose Geschwätz der “linken” Frau Encke? Die Dame hört sich sehr evangelisch an.
Jetzt mit Fragezeichen am Ende des ersten Satzes.
Schon seit meiner Kindheit vergesse ich häufig das Fragezeichen. Das ist sicher durch frühkindliche “linke” Erziehungs-Malträtierung verursacht.
Kommentar von Flieger51 — 5. Juni 2009 @ 11:46
Getroffene Hunde bellen, auch wenn sie im Rudel ganz unten stehen.
Kommentar von Stephan — 5. Juni 2009 @ 14:10
Es ist beinahe bedauerlich wie vorhersehbar die taz auf dieses (meiner Meinung) großartig geschriebene Buch reagiert.
So sauertöpfisch und ideologisch vernagelt wie Frau Enke sich mit dem Buch auseinandersetzt kommt einem der Großteil der heutigen Linken auch vor.
Das sich niemand aus dem linken Lager gefunden hat der eine souveräne Antwort auf dieses Buch liefern konnte und es nur beleidigte und beleidigende Antworten regnet, spricht für sich.
Kommentar von morten — 19. Juni 2009 @ 22:56
ein fantastisches Buch das längst geschrieben werden musste. Peinlich die Reaktionen der sich links fühlenden Gefolgschaft, die in ihren Elfenbeintürmen das tatsächliche Leben nur aus der Arbeiter- und Emanzipationsliteratur zu kennen meint.
Kommentar von toni — 21. Oktober 2009 @ 20:32