Echos

Rechts und links

Der hochgeschätzte Kollege Wolfgang Röhl, letzter Freigeist im “Stern”, berichtet über den Kuba-Besuch eines Freundespaares, das eine wunderbare Illustration der an dieser Stelle mehrfach aufbereiteten These von der linken Doppelmoral abgibt. Die “Welt” druckt auf ihrer Forum-Seite ein längeres Gespräch zur Frage, was heute eigentlich noch rechts und links ist, beziehungsweise warum es Konservative in Deutschland so schwer haben.  Im “Freitag”, dem mit viel Elan betriebenen deutschen “Guardian” unter Regie von Jakob Augstein, findet sich ein längere Leseprobe aus dem Opferkapitel, dazu, mit Zeitverzug, eine eher missgestimmte Kritik, die allerdings nicht ohne Widerspruch aus der Leserschaft bleibt.

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4 Kommentare »

  1. Nachdem ich das Buch gelesen habe und auch viele Kritiken, ist mir einiges aufgefallen. Hier nun einige Anmerkungen, besonders in Bezug auf die Kritik von Herrn Blum, weil er sich die Mühe gemacht hat auch auf einige Textpassagen des Buches einzugehen.

    1.
    Ich hatte beim lesen nicht den Eindruck, das der Autor sich als armes Opfer der Linken Gesellschaft darstellt. Er will uns halt mitteilen daß er unter Linken groß geworden ist und sich deshalb mit dem Thema auskennt. Mir scheint er aber durchaus zufrieden mit seiner Kindheit und seinem Leben zu sein und er gibt auch nichts anderes vor. Ob er sich nun wirklich mit „den“ Linken auskennt bzw. ob es „die“ linken überhaupt gibt kann ich als Kleinbürger nicht beurteilen, es führt mich aber zum nächsten Punkt.

    2.
    Es wird nun Kritisiert, dass „die“ Linke gar nicht gäbe und man mehr differenzieren müsste. Heer Blum etwa schreibt in seinen Artikel bei der Freitag Wenn man das bei den rechten machen würde, „hätte das sonst zur Folge, dass gestandene Neonazis sich plötzlich Seit’ an Seit’ mit sozialliberalen Christdemokraten fänden“. Hier hat der Kritiker natürlich Recht, aber gerade die Rechten beklagen sich auch immer, dass ab rechter Flügel CDU alles mit den Nazis über einen Kamm geschert wird. Nun können wir also zwischen Kommunisten, Linksextremen, Sozialisten, Linken, gemäßigten linken, Sozialdemokraten, christlichen Sozialdemokraten, Konservativen, Erzkonservativen, Rechten, Rechtsextremisten und Neonazis differenzieren, oder wir sagen Links und wissen um die Unterschiede die es gibt. Zumal der Autor auch nicht vorgibt hier ein politisches Manifest verfasst zu haben. Ich finde also, dass die Kritik stimmt, man kann ihr hier aber nur schwer genügen. Das Buch ist eben Unterhaltung, da muß man das nicht so verbissen sehen.

    3.
    Für kompletten Nonsens halte ich die Kritik, dass alles in dem Buch schon tausendmal von anderer Stelle gesagt und/oder geschrieben wurde und die Linken es leid sind sich immer die gleiche Leila anzuhören. Aus dieser Logik kann man ja nur folgern, das in den letzten tausend Jahren sowieso schon alles über jede politische Ideologie gesagt wurden was nur möglich ist, und man sich nun alle weiteren verbalen Auseinandersetzungen gleich sparen kann.
    So ist es aber nicht, es gibt immer wieder neue Menschen auf der Welt, die noch nicht alles gehört haben, und jeder neue Tag unserer Geschichte bringt uns neue Belege die gegen oder für eine Politische Ideologie sprechen, und das darf immer wieder neu diskutiert werden.
    In dem Buch wird die altbekannte Frage nach der linken und der konservativen Ideologie an mehreren Stellen angesprochen. Es ist die Frage nach dem Menschen. Ist er an sich gut oder böse? Die Linke weiß, dass Gemeinschaftssinn, Verständnis und Nächstenliebe dominiert und die üblen Eigenschaften wie Gier, Egoismus und Neid sich deshalb ausprägen, weil das System den Menschen dazu erzieht und er sonst nicht überleben kann. Können wir das System aber ändern, dann wird das Gute im Menschen siegen und er wird sehr schnell verstehen, dass Gier, Egoismus und Neid überflüssig sind. Die Konservativen wissen dass der Mensch gemeinschaftlich, verständnisvoll, hilfsbreit, Gierig, Egoistisch und Neidisch ist, es immer war und immer sein wird. Draus folgt, dass eine sozialistische Gemeinschaft nicht dem Menschen entspricht. Man kann Ihn höchsten darin einsperren. Also nutzen wir die bösen Eigenschaften und lassen den Menschen zur Befriedigung seiner Gier und seines Neides möglichst viel arbeiten, um den Gewinn dieser Produktivität zur Befriedigung der Nächstenliebe und des Gemeinschaftssinn hinterher wieder umzuverteilen. Wieweit Gier und Egoismus durch Lohnarbeit ausgenutzt werden muß, und wie viel wieder umverteilt werden muß, darüber streiten wir in einer demokratischen sozialen Marktwirtschaft täglich und stimmen alle vier Jahre darüber ab. Da der Kleinbürger das genauso sieht wie der Konservative, hat er einen gewissen Galgenhumor über die Unzulänglichkeiten des menschlichen Wesens entwickelt, den der Linke so evtl. nicht nachvollziehen kann. Dieser hat daher vielleicht nur einen anderen Humor, der sich dann dem Konservativen wiederum nicht richtig erschließt.

    4.
    Letzter Punkt. Das Buch und die Kritiken haben eines deutlich gemacht. Sowohl die Konservativen als auch diel Linken glauben jeweils, das die gegnerische Seite schon länger den größeren Einfluss auf das öffentliche Meinungsbild und die Politik hat. Somit sind auch die Missstände, die im Buch angesprochen werden und auch die, die nicht genannt wurden immer die folge der anderen politischen Ideologie. Hier sind wir uns jedenfalls einig, dass wir alle Opfer sind.

    Kommentar von Normalo — 7. Juni 2009 @ 22:40

  2. nice! i’m gonna make my own journal

    Kommentar von vacation forced incest — 17. Juni 2009 @ 18:15

  3. mm.. attractive.

    Kommentar von Femme Fatale Clip — 2. Juli 2009 @ 08:32

  4. Es ist doch fast eine Paranoia, wenn die Konservativen, die zu 2/3 der Regierungszeiten der Bundesrepublik die Nr.1 waren, mindere Bedeutung beklagen.

    M.E. ist es gut, dass es beide Gruppen gibt. (Heute zeigt sich ja auch, dass es für die Soziale Marktwirtschaft gut war, dass es ein konkurrierendes Gesellschaftssystem gab) Gottseidank sind die Grenzen inzwischen weit durchlässiger, als Sie es offensichtlich wahrzunehmen imstande sein möchten und man kann mal konservative Standpunkte einnehmen (also auch mal lächelnd den Tag begrüßen) und dennoch Fair Trade einkaufen oder zum Vegetarier werden.

    Kommentar von Langnese — 28. Juli 2009 @ 14:32

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