Parteipräferenz

Rechts und links 2

Wie links sind die deutschen Journalisten? Nach meiner Erfahrung fühlen sich die meisten der in der Meinungswirtschaft Tätigen eindeutig den Linken verbunden, schon weil es die anderen auch sind, nach Auffassung vieler Linker hingegen sind die Linken dort klar in der Minderheit, weshalb sie ja ihre Ideen auch stets in einem heroischen Kampf gegen die feindliche Übermacht in den Landesfunkhäusern und Redaktionsetagen durchsetzen müssen. Eine Leserin hat mich jetzt auf eine Untersuchung des Medienwissenschaftlers Siegfried Weischenberg hingewiesen, Direktor des Instituts für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg. Danach verteilt sich die politische Sympathie der in Deutschland tätigen Medienschaffenden wie folgt: Grüne: 35,5 Prozent, SPD: 26 Prozent, CDU: 8,7 Prozent, FDP: 6,8 Prozent, keine Präferenz: 19,6 Prozent. Das heißt, noch nicht einmal ein Sechstel der Journalisten fühlt sich den bürgerlichen Parteien nahe oder würde am Wahltag für diese stimmen. Die Zahlen sind relativ aktuell, der Erhebungszeitraum war 2004/2005; die Linkspartei schnitt mit 0,8 Prozent noch vergleichsweise schlecht ab, das dürfte sich, mit den Erfolgen im Westen, geändert haben.

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10 Kommentare »

  1. Wenn Sie mal vorübergehend von Ihrem persönlichen Unglück absehen können, unter Linken arbeiten/ leben(?) zu müssen - welche Auswirkungen hat die behauptete Tatsache, dass “sich die meisten der in der Meinungswirtschaft Tätigen eindeutig den Linken verbunden” fühlen, auf die von Ihnen so genannte Meinungswirtschaft? Beeinträchtigt sie ökonomische Funktionalität der “Meinungswirtschaft”? Oder wirkt sie beflügelnd? Oder einfach nur neutral?

    Kommentar von EJ — 4. Juni 2009 @ 06:19

  2. [...] bestimmen, was die Menschen an Weltsicht vermittelt bekommen. Und so sollten wir schon wissen, wo die stehen, die diese Vermittlung vornehmen. Und uns nicht über die Folgen [...]

    Pingback von Stoff für’s Hirn! « abseits vom mainstream – heplev — 6. Juni 2009 @ 23:02

  3. Klar doch: Mohr, Matussek, Broder, Joffe, Dieckmann, Hähne et al.: alles Linke. Ja, all diese schlimmen linken Meinungsmacher in den Medien, die uns jeden Tag ihren Staatssozialismus beim kritischen Umgang mit der Wirtschaftskrise um die Ohren hauen und die uns in jedem Artikel mit neuen Enthüllungen über die neoliberalen Erneuerer März, Köhler, Sinn & Co. KG füttern. Und dann erst die Sozialisten auf RTL und sat1, und der „Spiegel“, das Sturmgeschütz der Akklamation, sowieso. Massiv haben diese schlimmen linken Finger mit ihrer Meinungsmache in den Redaktionsstuben das Wahlergebnis zur Europawahl beeinflußt, so daß „Die Linke“ nun stärkste Kraft geworden ist.

    Es werden mit solchen Untersuchungen und mit solchen Beiträgen ganz bewußt Nebelkerzen und Blendgranaten geworfen. In ihren Artikeln, Features und Kommentaren zumindest verbergen diese zahlreichen linken Journalisten ihre politische Haltung sehr geschickt. Chapeau, das muß erst mal einer nachmachen. Links blinken und ohne erkennbar linke Linie schreiben. Na ja, „Der Knecht singt gern ein Freiheitslied des Abends in der Schänke …“, um ansonsten im Redaktionsalltag weiterhin gut zu funktionieren. Da ist bei diesen linken Medienschaffenden wahrscheinlich ein wenig das Herr-Punitla-Syndrom am wirken.

    Und nebenbei bemerkt zu diesem Buch „Unter Linken“, von dem ich allerdings nur den Vorabdruck auf SpOn gelesen habe, der mir dann auch gereicht hat: diese vorgebliche Dominanz der Linken ist doch eigentlich ein sekundäre Aspekte und ein Dummy, denn ich vermute vielmehr, daß dieses Buch in einem ganz anderen politischen Kontext steht, ein völlig anderes Projekt verfolgt und etwas ganz anderes will, als sich über die Dominanz einer bestimmten „Linken“ zu mokieren. Aber das weiß der Autor dieses Buches selber am besten.

    Zudem, was den Aspekt des Humors betrifft: die undogmatische Linke hat sich immer mit sich selber auseinander gesetzt. Es gab nicht nur Kohl-Witzchen, sondern auch die über Körnerfresser und Lilalatzhosenträger und -trägerinnen. Man lese bitte die teils beißend-ätzenden Beiträge der Titanic aus den 80er Jahren, man lese Eckard Henscheid.

    Dieses Buch, respektive der Artikel auf SpOn bestärkt weiterhin und immer wieder meine These, daß kein Ressentiment schlimmer ist als das des ehemals enthusiastisch Dabeigewesenen. Götz Aly ist hier ein weiteres gutes Beispiel. Vormals rauchende Nichtraucher gehören auch zu dieser (humorfreien) Gruppe. Aber wie gesagt: Die schärfsten Kritiker der Elche, waren früher bekanntlich selber welche. Natürlich bedauere ich Fleischhauers entbehrungsreiche Kindheit, aber am Ende ist das eher psychoanalytisch interessant und zudem ein privates Problem. Aber das Private ist ja, wie man weiß, politisch.

    PS: Ja, die Linke hat überall gesiegt, genau. Das mag im Ansatz für den Kulturbetrieb an Theatern oder an Kunsthochschulen zutreffen, wo die wohlmeinende Empörung, die ostentativ als Status zur Schau gestellt wird, nichts kostet. Und das es auch in der Linken eine gewisse Muffigkeit und ausgeprägtes Denken in Klischees gibt: geschenkt. Die gibt es nämlich überall.

    Diese von Ihnen vorgetragenen Dinge sind doch alles Nullsätze und banale Erkenntnisse, um von den Dingen abzulenken, die tatsächlich wichtig sind. In den eigentlich entscheidenden Bereichen sind wir ja wohl meilenweit von einer linken, gar sozialistischen Politik entfernt, und wir hatten in der Bundesrepublik seit 60 Jahren keine einzige linke Regierung. Sie wissen dies so gut wie ich. Und nebenbei gesagt, die SPD ist und war in ihrem Grundton niemals links. Helmut Schmidt, G. Schröder und Frank „Walter“ Steinmeier: drei Linke, großartig. Das Projekt rot/grün war also links. Doch, doch, irgendwie sind die Konservativen schon humorbegabt.

    Kommentar von Bersarin — 7. Juni 2009 @ 23:15

  4. Als Ex-Linker, Baujahr 1958 hab ich das Buch am Wochenende geradezu verschlungen.

    Grossartig geschrieben und genau den Punkt getroffen. Ich kann, da vieles selbst erlebt, jeden Satz dieses Buches unterschreiben.

    Das Beste für mich war, das ich mit meiner heutigen Meinung nicht allein bin.

    Danke und Grüße Herr Fleischhauer.

    Kommentar von Alex — 8. Juni 2009 @ 19:30

  5. @ Bersarin

    Die Beurteilung der Standpunktfrage hängt ausschließlich von dem eigenen Standpunkt ab. Ihre Bemerkungen geben einen eindeutigen Hinweis auf Ihren persönlichen Standpunkt ab. Fleischhauers Verdienst ist es, Menschen in die Freiheit eigenständigen Denkens zu verhelfen, die die Verlogenheit links-liberaler oder polit-correcter Terminologie leid sind auf der Suche nach ehrlicheren und besseren Werten.

    Kommentar von Karl — 11. Juni 2009 @ 18:49

  6. „Fleischhauers Verdienst ist es, Menschen in die Freiheit eigenständigen Denkens zu verhelfen, die die Verlogenheit links-liberaler oder polit-correcter Terminologie leid sind auf der Suche nach ehrlicheren und besseren Werten.“

    Welch große Worte von Freiheit und Werten. Wenn‘s so tönt, ist sehr viel Vorsicht geboten, weil meist ausgehöhlte sprachliche Klischees und ausgeleerte Begriffe ohne Inhalt verwendet werden. So etwas nennt man Jargon. Fleischhauer scheint mir zudem nicht gerade der geeignete Kandidat für das Unterfangen eines freien Denkens zu sein, da sein Text (zumindest der auf SpOn) sich zwanghaft verhält. Ich empfehle Ihnen, was die Freiheit des Denkens betrifft, eher andere Bücher.

    Ich weiß nicht, ob Sie das satirisch meinen mit den Werten oder ob das Ernst ist, aber im letzten Fall würde mich von Ihnen schon sehr interessieren, was diese „ehrlichen und besseren Werte“ denn sind.

    Weiterhin: Es geht hier nicht um Standpunkte; das haben Sie völlig falsch verstanden, denn diese sind ein unverbundenes Meinen: der eine meint dies, der andere, wie‘s halt so ist, eben jenes. Ich vertrete hier keine Standpunkte, denn schließlich lautet die Parole ja nicht „Sag mir, wo du stehst“. Es geht um die Objektivität der Sache, die ich oben in Ansätzen ausführte. Die Dominanz der Linken ist phantasmagorischer Natur. Hierzu gibt es keine Standpunkte, sondern nur „richtige These“ oder „falsche These“. Beides geht nicht.

    Ich weiß nicht, woher Sie es nehmen, daß mein „Standpunkt“ eindeutig (sie meinen damit wahrscheinlich links) sei. Aber um ein wenig im Bildungskanon zu wühlen und hervorzukramen: Ich bin nicht da, wo Sie mich suchen, sondern dort, von wo aus ich Sie lachend ansehe. Linke würden mich (als Carl Schmitt-, Luhmann- und Nietzsche-Rezipient) kaum als ihresgleichen, oder irgendwie von ihrem Fleische kommend, wahrnehmen.

    Ich will Ihnen Ihr Buch ja nicht madig machen, aber um gegen ein bestimmtes linkes Denken anzulesen, gibt es wahrlich sehr viel bessere Lektüren.

    Kommentar von Bersarin — 12. Juni 2009 @ 16:57

  7. Ein wunderbares Buch, ich ärgere mich ständig über die linke Dominanz in den Medien, besonders bei den öffentlich rechtlichen, die ja eigentlich neutral sein sollten. Aber anscheinend sind die Wähler inzwischen doch schlauer als es der SPD und der Die Linke lieb ist, wie man an der letzten Wahl sieht. Die SPD kann sich freuen, dass sie vorne noch eine zwei stehen haben und nicht ein FDP-Ergebnis (18+). Vielleicht bringt sie das Wahlergebnis mal zum Überdenken ihrer offensichtlich vom “untreuen” Wahlvolk nicht gewünschten Politik.

    Die breite Unterstützung von von Guttenberg spricht ja wohl auch Bände. In den Medien wird immer wieder das Versagen des Kapitalismuses und die Neiddebatte über Manager-Boni breitgetreten, Dabei handelt es sich ja wohl eher um ein Politikversagen, wenn nicht gar ein Demokratieversagen. Wieso wurden die Finanzmärkte denn nicht ausreichend Reguliert und beaufsichtigt? Wieso haben die Landesbanken so große Probleme, die Geschäfte in Irland oder Luxemburg gemacht haben, die sie in Deutschland nicht hätten machen durften? Wer war zuständig die HypoRealEstate zu beaufsichtigen? Wo sind denn die ganzen deutschen Manager, die die dicken Boni kassiert haben, vielleicht unter den Geschäftsführern der 600.000+ kleinen und mittelständischen Unternehmen, die aufgrund des hohen Lohnkosten in Deuschland mit dem Rücken zur Wand stehen, während die linken Mindestlöhne fordern? Sind Schiesser, Rosenthal und Maerklin denn insolvent wegen hoher Boni?

    Ich habe mich gefreut als letztens mal bei Phoenix zusammen mit Steinmeier auch jemand eingeladen wurde, der klar gesagt hat, dass die jetzige Regierung den Unternehmen Liquidität entzogen hat durch die Vorverlegung der Zahlung der Lohnnebenkosten. Aber das ist ja heutzutage die Ausnahme, dass mal Fakten und die wahren Probleme angesprochen werden.

    Keiner Traut sich zu sagen, dass die Arbeitlosen mit ihren Skills für circa 15 Euro die Stunde - denn soviel kostet es den Arbeitgeber mit Arbeitgeberanteil um jemandem 10 Euro Brutto zu zahlen - niemals eine Arbeit kriegen werden. Der Staat müsste Krankenkassen- und Lohnnebenkosten im unteren Segment übernehmen, damit wieder Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Krankenkasse zahlt der Staat ja auch schon jetzt an die HarzIV-Empfänger. Es ist allemal besser jemanden teil als voll zu finanzieren und in dabei noch in den Wirtschaftskreislauf wieder zu integrieren.

    Nach der Krise wird es nicht so sein wie vorher, es werden nicht magisch wieder Million von Arbeitsplätzen plötzlich geschaffen werden, jedenfalls nicht mehr in Deutschland, wenn man nicht an der Bildung und den Lohnkosten etwas dreht.

    Die Linken können ja versuchen weiterzumachen, wie bisher, als wenn nichts wäre, als wenn es keine Globalisierung gäbe, als wenn ihre Politik richtig war, ich glaube bloß, die Wähler werden sie nun langsam nicht mehr lassen.

    Kommentar von ab0032 — 13. Juni 2009 @ 19:10

  8. @ Bersarin

    Ihr Text macht mich ein wenig schwindelig, wie in einem Spiegelkabinett, in dem man den Menschen bemerkt, ihn aber nicht „fassen“ kann. So lässt sich auch leicht mit Namen spielen wie mit Schmitt, Nietzsche u.v.a. Sucht man dort nach Ihrer Objektivität, ist man wieder beim Standpunkt des Subjektes, nicht bei der Objektivität. Können Sie die Begriffe Liebe und Freiheit objektivieren?

    Ich freue mich, in Fleischhauer einen Geistesverwandten gefunden zu haben und das ist schon viel in einer Meinungswüste unserer linksliberalen grünschattierten Meinungsführer, die bereits „Bürgerliche“ für „Rechte“ halten.

    Kommentar von Karl — 13. Juni 2009 @ 22:11

  9. Dass die deutschen Journalisten linken Parteien eher zuneigen, ist ein Fakt, den ich von meiner eigenen Arbeit bestätigen kann. Wie sich die Zahlen zwischen den Parteien heute genau gestalten, sei dahingestellt - sicher aber sind Grüne und Linke nicht unterrepräsentiert sondern extremüberrepräsentiert. Die ihnen angehörenden und nahestehenden Journalisten versuchen in den Medien ihre Themen durchzusetzen und zu bestimmen, was modern ist. Dabei werkeln sie mit ideologischem Eifer an einem neuen Menschenbild.

    Es kann sich ja mal jemand in einer Redaktion öffentlich hinstellen, und - vielleicht noch im Programm - gegen die Homo-Ehe Position beziehen oder gegen die Lebenslügen in der Ausländer- - Verzeihung - Migrantenpolitik, oder zur Ignoranz bei linker Gewalt, während man sich bei rechtsextremen Vorkommnissen mit großem Eifer auf jede Banalität stürzt.

    Die Positionen, die zu diesen Themen in der Bevölkerung weitverbreitet und völlig legitim sind, sind in den Redaktionen weitgehend tabu. Da hat man gleich die schreibende Homo-, Ausländer-, oder 68er-Lobby am Hals - die Verbannung in die Schmuddelecke des Rechtsextremismus lässt für Abweichler nicht lange auf sich warten. Ich finde es reichlich naiv und dumm zu glauben, die politische Präferenz habe keinen Einfluß auf die Berichterstattung. Insbesondere in den öffentlich-rechtlichen Medien gehört linksgrüne Propaganda, als “gesunder Menschenverstand” verkauft, zum Alltag. Da ist es erfreulich, daß offensichtlich die Bevölkerung gegen diesen Unsinn immuner ist, als es angesichts der Übermacht der linksgrünen Schreiberlinge zu erwarten wäre.

    Kommentar von Insider — 3. Juli 2009 @ 18:59

  10. Wie stellt sich der politisierte deutsche 0815-Journalist kritische Berichterstattung vor? Wenn die Schwarzen und Gelben regieren, gibt’s Sperrfeuer. Wenn die Roten und Grünen regieren, gibt’s Geleitschutz.

    Kommentar von Datex J. — 7. Juli 2009 @ 00:51

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