Dienstagmorgen, 7:41 Uhr im Frühstücksfernsehen
– die Moderatorin weiß übrigens genau, wovon die Rede ist: ebenfalls in Hamburg aufgewachsen (Lehrerhaushalt – keine Cola, kein Fernsehen, keine Comics, außer Asterix, da aus Frankreich und damit kulturhaltig), also bürgerliche Erziehung unter linken Vorzeichen:
Tags: Fischer, Hafenstrasse, Lebenstil, Sat1


Einen SPIESSER (oder auch “Duckmäuser”) nennen wir einen Menschen, der einen engen und begrenzten geistigen Horizont hat, der der Kleinheit seiner Lebensverhältnisse entspricht. Spießer wenden sich bewußt ab von allen Fragen, die ihren Horizont überschreiten. Sie haben nie Zivilcourage und plappern dafür immer die Klischeemeinungen nach, die jeweils “in” sind, und verhalten sich auch sonst im Rahmen der üblichen Klischees, selbst wenn dies im Einzelfall äußerst unvorteilhaft für sie ist. Wenn sie einen anderen Menschen verurteilen, tun sie das mit der Selbstsicherheit der Menschen, die sich stets absolut sicher sind, dass sie selbst nie in die Lage dessen kommen, den sie verurteilen. So kommen sie auch nie auf die Idee, in der Fehlerhaftigkeit des von ihnen Verurteilten ein oft kaum zu entwirrendes Durcheinander von tragischer Verstrickung und von Nachlässigkeiten und Böswilligkeiten anderer zu entdecken. Spießer wollen auch nicht wahrhaben, daß in ihnen selbst möglicherweise genau dieselben Boshaftigkeiten stecken wie in denjenigen Menschen, die sie verurteilen, nur, daß ihnen selbst (für die Mitmenschen vorläufig glücklicherweise) der Mut oder die Gelegenheit fehlt, auch diese Boshaftigkeiten in die Tat umzusetzen, sie sind also voller negativer Projektionen. Wenn dann aber einmal ein starker Mann kommt, der diese Umsetzung in die Hand nimmt, lassen sie diesen begeistert gewähren und helfen auch noch dabei.
Ist die ganze Sache in Italien nicht auch Humor von rechts?
Comment by Markus Graf zu Rosenfeld — 8. Juni 2009 @ 19:23
“Die bösartigen Varianten von Spießern tauchen bei Honoré de Balzac in seinem Roman “Die Kleinbürger” auf: Gehässigkeit, Klatschsucht, Verleumdung und Verrat, Dünkel, Besserwisserei und Aufgeblasenheit herrschen. Der Untertan in Heinrich Manns gleichnamigen Roman von 1914 ist ein autoritätshöriger Opportunist, Mitläufer und Konformist. Vieles daran erinnert an Adornos „Autoritäre Persönlichkeit“.”
Aus: Wikipedia
Ist es nicht Verrat, wenn die die gute Laune aus Versehen auf Seite 12 die eigene Mutter bloßstellt, die mit dem Begriff Bananenrepublik, dessen Herkunft sie augenscheinlich noch kannte, obwohl sie selbst ihrem missratenen Sohn loyal die Stange hält(S.14)?
Ist Berlusconi nicht auch der lustige Konservative?
Comment by Markus Graf zu Rosenfeld — 9. Juni 2009 @ 14:57
Wer Linken-Bashing betreiben will, der muss sich zumindest mal mit Kant, Marx und Adorno auseinandersetzen, die alle verschiedene Paradigmen verkörpern. Der Autor klebt stattdessen lebensweltliche Versatzstücke zusammen und wirkt damit bestenfalls lustig.
Ein weiteres Beispiel für das erschreckende Niveau des Print-Journalismus in Deutschland
Comment by Ralf Schäfer — 12. Juni 2009 @ 03:00
Ein recht braves Interview. Hing wohl mit dem Sendetermin zusammen. Die Stimme der Moderatorin klirrt mir unangenehm im Ohr. Hoffentlich sieht man Herrn Fleischhauer noch an anderer Stelle im TV …
Comment by Ludwig Kamberlein — 22. Juni 2009 @ 12:02
Hier ein weiterer Kommentar zum Buch:
http://www.daniel-renz.de/treffend
Danke für die anregende Lektüre!
Comment by Daniel Renz — 27. Juni 2009 @ 10:37
Herr Fleischhauer, zu ihrer Aussage “So hab ich mir die revolutionäre Welt nicht vorgestellt!” fällt mir was ein.
Und zwar ein Zitat von Fußballer Anthony Yeboah (auf die Feststellung des kicker, er wohne “wie ein deutscher Musterbürger”): Soll ich etwa ein Lagerfeuer im Wohnzimmer machen?
Nein, und er ist sogar trotzdem Afrikaner. Und unglaublich aber wahr: Links sein und “anders” leben wollen (z.B. wie an der Hafenstraße) geht auch mit aufgeräumter Wohnung und Kaffeemaschine.
Abgesehen davon, dass es ein ziemlich alter Hut ist, Linken vorzuwerfen, sie seien eigentlich auch konservativ, weil sie etwas Gutes essen oder ihrer Mutter Blumen zum Muttertag schenken, wird die Zukunft schon noch lehren, dass einige “alte”, linke Forderungen gar nicht mal so dumm waren. Einfach mal wieder über den Tellerrand blicken…
Schöne Grüße
J.A.
Comment by Julius Alexiou — 30. Juni 2009 @ 01:27