Nationalismus

Halbmond am Hintern

Aus Istanbul berichtet meine Freundin Mely Kiyak von ein paar jungen deutsch-türkischen Theatermachern, die anlässlich eines Kulturtreffens ein Stück über schwule Türken in Deutschland zur Aufführung brachten. Das Problem war dabei nicht so sehr die zur Schau gestellte Homosexualität, darüber hätte man in Istanbul noch hinweggesehen, das Stück stammte schließlich aus Berlin  – zum Staatsakt wurde eine Szene, in der auf ein Stück rotes Tuch mit Rasierschaum Halbmond und Stern gesprüht werden sollten. Es gab ernste Bitten, auf diese Demonstration zu verzichten, auch Ermahnungen; “das war es für euch, Freunde. Ehrlich, Gott schütze euch”, riet ein türkischer Intellektueller. Eine der bekanntesten Moderatorinnen des Landes hat gerade ein Strafverfahren am Hals, weil sie während einer Fernsehsendung mit der Fußspitze leicht einen Luftballon zur Seite stupste, der unglückseligerweise mit der türkischen Flagge verziert war. Nun heißt es, sie habe die Fahne mit Füßen getreten. Mehreren Models drohen Strafen, da sie bei einer Bademoden-Show mit den Nationalsymbolen bedruckte Bikinihöschen vorführten: Der Modeschöpfer hatte besonders patriotisch sein wollen, leider lagen Halbmond und Stern nach Ansicht einiger Nationalwächter zu nah am Gesäß. Da sage noch jemand, die Deutschen hätten ein Problem mit übersteigertem Nationalismus. Wir machen uns keine Vorstellung, welche Emotionen andernorts mit den Nationalsymbolen verbunden sind. Genau besehen sind wir inzwischen, man muss es wirklich so sagen, ein vergleichsweise entspanntes Volk.

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6 Kommentare

  1. Der Nachteil an den Beiträgen des Herr Fleischhauer besteht darin, dass mit einzelnen Beispielen eine vorgefertigte Meinung nicht nur illustriert sondern auch noch begründet werden soll. Es handelt sich um den Abstraktionsgrad, den wir gemeinhin auf Märkten und an Stammtischen finden. Da begibt sich ein orientierungslos Gewordener aus mangelndem Denkvermögen willig auf die Strasse des Hasses.
    Will uns dieser Konservative später auch noch die deutsche Kultur erklären, die viel weiter ist als er selbst?:
    “Ach! der Menge gefällt, was auf den Marktplatz
    taugt, und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen;
    An das Göttliche glauben die allein,
    die es selber sind.” (Hölderlin, “Menschenbeifall”)

    Comment by Markus Graf zu Rosenfeld — 22. Juni 2009 @ 18:58

  2. Haben wir nicht von „Mainstream-Linken“ so eindrucksvolle Wörter wie „dumpf“, „Stammtischniveau“ usw., die Signal genug sein sollten, sich nicht in die Nähe des Begriffs der „Nation“ zu wagen? Graf zu Rosenfeld liefert dazu ein anschauliches Beispiel.

    Der Vorteil der Beiträge von Herrn Fleischhauer besteht darin, von Abendroth und Habermas eingefahrene Spuren des Meinens entspannt zu verlassen und den Weg in ein eigenständiges Denken verbreitern zu helfen.

    Comment by Karl — 23. Juni 2009 @ 13:13

  3. Die Kultur wird uns natürlich nur von der Linken erklärt. Wie konnte es Herr Fleischhauer nur übersehen. Wenn ich mich recht entsinne, hat er es in seinem Buch auch erwähnt. Zum Glück war Graf zu Rosenfeld zur Stelle, um darauf hinzuweisen. Ich danke Ihnen.

    Als ein ehemaliger Landeschef der Jusos die Deutschlandfahne in einer Toilette fotografierte, hat er uns eine neue Form der Kunst vorgestellt. Der konservative Horizont ist natürlich zu begrenzt, um so etwas zu verstehen. Deshalb finde ich das Ganze eher beschämend und geschmacklos.
    Das Foto könnte sich aber auch als zukunftsweisend entpuppen. Deshalb möchte die Linke gerne an den „Drücker“, um das Werk zu vollenden. Ich hoffe, dass die Wähler das vereiteln mögen.

    Comment by Robert Kopper — 23. Juni 2009 @ 21:55

  4. @Karl, @Robert:
    Aber meine Herren, es liegt doch offen auf der Hand, worum es hier geht: in einem Diskussionblog “Unter Linken” werden jetzt die Vorzüge des Heiratens und der Ehe gepostet…!? Spricht hier eine zu kurz gekommene Männerseele, der die gesellschaftlichen Veränderungen der Moderne nie geheuer waren und der die Zumutungen der Selbstveränderung bedrohlich scheinen? Die nun die verloren gegangene Wärme im Konservieren des längst Entschwundenen zu finden glaubt. – gymnaze paidon, ho andros ou gar gymnazeis – erziehe den Knaben, denn der Mann erzieht sich selbst!

    Comment by Markus Graf zu Rosenfeld — 25. Juni 2009 @ 13:01

  5. Über Gründe für Buch und Blog vermag ich nicht zu urteilen. Bis auf ein paar Ausnahmen hat das Buch meine Sicht wiedergegeben. Ob obskure Gründe hinter allem stecken, ist mir eigentlich egal. Die Inhalte interessieren mich viel mehr. Vielleicht sollte ich, und Herr Feischhauer ebenfalls, Hilfe bei einem „Seelendoktor“ suchen. Möglicherweise bin ich so voller Komplexe und Traumata, dass ich es wirklich bräuchte. Ich sehe mich aber mit meiner Sicht im Recht. Viele fühlen sich aber ebenfalls im Recht, wenn sie sich als Napoleon wahrnehmen.
    Die Schussfolgerung, einen Arzt zu besuchen, scheint also nicht ganz so abwegig. Einsicht ist ja bekanntlich der Weg zur Besserung. Die Gruppe, die im Buch beschrieben wird, nennen wir sie vereinfacht „die Linken“, haben ja die Wahrheit gepachtet und das Recht ebenso.
    Mein Gefühl sagt mir, dass diese Personen mich bei meiner Gruppentherapie begleiten könnten. Hoffentlich lässt sich dann endgültig feststellen, wer der echte „Napoleon“ ist.

    Comment by Robert Kopper — 25. Juni 2009 @ 14:44

  6. Errata Corrige

    Es ist mir gerade aufgefallen, besser später als nie, dass ich in meiner Antwort Herrn Fleischhauer ein “l” im Namen geklaut habe. Ich bitte um Entschuldigung.

    Comment by Robert Kopper — 26. Juni 2009 @ 10:17

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