Pfostendummer Vollknall
Das Positive zuerst: Georg Gafron holt im “Focus” zum Generallob aus (was eingestandenermaßen in bestimmten Milieus eine Art Todeskuss gleichkommt); vor allem der Ton der Unternehmung hat dem erklärten Freiheitskämpfer gefallen: “Da schreibt kein Konservativer mit zur Faust geballtem Gesicht zu Wagner-Klängen apokalyptische und larmoyante Anklagen gegen die Zersetzung der demokratischen Gesellschaft von links. Vielmehr kommt uns Fleischhauer als ein irgendwie fröhliches Bürschlein entgegen.” Genau damit haben andere Konservative, die sich als die Gralshüter der Idee sehen, erkennbar Probleme. Einerseits können sie die vorgetragenen Thesen nicht einfach abtun, schließlich wissen sie ja genau, wovon die Rede ist, auch wenn sie es so nicht ausdrücken können. Anderseits vermissen Sie das vorbehaltlose Bekenntnis zu ihrem Lager, die in bestimmten Zugehörigkeitsgesten sich manifestierende Gesinnung. Das lässt sie merkwürdig säuerlich reagieren, etwas altjüngferlich, nach dem Motto: Was erdreistet sich dieser Neuzugang, soll er doch erst mal durchmachen, was wir durchgemacht haben.
Auf der Linken das bekannte Bild, also vereinte Ablehnung: Der Kollege der “taz” versucht sich in Satire, allerdings auf einem Humorniveau, das selbst die “taz”-Leser stöhnen lässt (lustig nur der letzte Eintrag: “Heute erstmals dieses Internet gesehen. Auch dort: überall nur Links, Links, Links. Ich denke, ich muss da mal ein Buch drüber schreiben.”) Alexander Kasbohm legt in der aktuellen Ausgabe von “Konkret” einen Schwerveriss hin, aufgehängt an der nicht ganz neuen Ödipus-Idee, aber immerhin um einige kraftvolle Injurien angereichert: dem Autor attestiert er einen “amtlichen Vollknall”, das Buch findet er “pfostendumm”, überhaupt: “Wenn der Mond aus grünem Käse ist, können Schweine fliegen resp. ist Jan Fleischhauer ein geistreicher Schreiber.” Das “Neue Deutschland”, ebenfalls ganz originell, sieht hinter allem den Beweis für die große Verschwörung von “Bild” und “Spiegel”, was ja angesichts der Bedeutung, die das ND Buch und Autor beimisst, schon wieder schmeichelhaft ist. Überraschend die Kritikerin der linksradikalen “Jungle World”, der das Buch noch zu zahm ist, igendwie nicht “ätzend” genug gegenüber dieser “Welt aus RAF-Versteherei, Orangensaft, frisch gepresst, und Antikapitalismus”– huch, wie hart hätte sie es denn gern? Das, muss ich zugeben, hat mir zu denken gegeben.
Tags: Antikapitalismus, Links, Wagner


Haltet den Dieb….
Habe heute Mrrgen den Artikel in der Faz im gelesen.
Überraschung.Herr Staeck ist gar kein Linker.
“Arbeiter, die SPD will Euch Eure Villen im Tessin wegnehmen” textete er weiland für die SPD Wahlplakate.
Das ist nicht links…..das ist nur so das Pilzeliebhaber-Niveau.
Er will uns vielleicht nur ein schönes Beispiel für linken Humor geben, der Schlawiner.Oder er ist in seinem Kukturbetrieb von soviel Linken umgeben, dass er glaubt, links sei normale Grundhaltung….wenn wir alle so sind, gibts sowas wie “links” eben nicht mehr.
Dreist:Jemand ruft: “haltet den Dieb” und er macht ein uauffälliges Gesicht.
Comment by Martin Pahnke — 29. Juni 2009 @ 12:12
Ich hab’ ihr Buch verschlungen. Der Blog hier ist aber auch nicht von schlechten Eltern. Was Focus, taz und konkret und ND so von sich geben, ist schon erschreckend vorhersehbar. Man könnte glatt meinen die betreiben Realsatire.
Die Jungle World ist aber wirklich eine Überraschung. Ich wusste ja, dass diese “linke Wochenzeitung” nicht antiamerikanisch und nicht anisemitisch ist. Das sie jetzt auch noch nicht antikapitalistisch sein wollen, ist schon bemerkenswert. Was daran dann noch links sein soll, weiß zwar kein Mensch, aber der erste Schritt Richtung Vernunft und Realität scheint gemacht.
Comment by Kati — 30. Juni 2009 @ 04:28
Eine Anregung an den Webdesigner: Wenn man die Uhrzeit über die Beiträge schreibt, wäre das Datum auch nicht verkehrt. Vielleicht könnte man bei der geringen Beitragsfrequenz sogar die genauer Uhrzeit weglassen.
Comment by Torsten — 30. Juni 2009 @ 09:32
Sie haben Recht, gebe die Anregung weiter. Hzl. JF
Comment by JF — 30. Juni 2009 @ 13:58
Liebe Kati,
Antisemitismus und Antiamerikanismus sind nun keinesfalls undbedingt Dinge, die eine Linke Zeitung als links definieren. Eher im Gegenteil. Wenn Sie die Links zu Konkret und JW mal angeklickt hätten, dann wüsstest Du das. Antiamerikanismus war unter den Linken der frühen 80er sehr weit verbreitet, wie auch der Antisemitismus. Heute sind diese beiden Widerwärtigkeiten wieder da wo sie herkommen und hingehören: bei den Nazis und angrenzenden rechten Gruppierungen. Und bei Oscar Lafontaine und ähnlichen Wirrköpfen. Von denen sich manche sicher für Links halten. Sich aber fragen sollten, ob sie es wirklich sind, wenn sie so in etlichen Kernpunkten mit den ganz rechten und halbrechten deckungsgleich sind.
“Die Linken”, so es sie denn überhaupt noch gibt, arbeiten da seit Jahren gegenan. Aber Linke, und da muss ich Herrn Fleischhauer widersprechen, sind ja eine aussterbende Spezies.
Comment by Edmund Dorff — 30. Juni 2009 @ 23:19
Herr Dorff, da muss ich ihnen widersprechen. Antiamerikanismus und Antisemitismus sind weiterhin sehr verbreitet unter Linken und denen, die gerne links tun (die Mehrheit meiner akademischen Umgebung). Es vergeht keine Diskussion über ein Thema, in dem es auch nur ein bisschen über die USA geht, dass ich mir die üblichen antiamerikanischen Kommentare anhören muss. Und es ist immer wieder schockierend wie viel Hass da scheinbar hinter steckt.
Herrn Fleischhauer muss ich an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen. Ihr Buch ist fantastisch! Bis auf das Humor-Kapitel (das ich persönlich für unnötig halte) ist jedes Kapitel eine große Fundgrube mit Argumenten für die Diskussionen im Bekannten- und Kollegenkreis. Auch wenn ich mich damit nicht beliebter mache, fühle ich mich viel besser.
Comment by Niels — 6. Juli 2009 @ 10:54
Mei oh mei,
kaum ist das Bürscherls Mamas spießbürgelicher norddeutsch saurer Fuchtel entwachsen,
(nach Gorleben hat´s ihn auch nicht fahren lassen, so schwer links war sie nun mal,so daß Bubi dort nicht protestieren konnte, kein Big Mac, nur Haferflocken.. alles heute im BR zu hören..) ja kruzitürken da muß man doch konservativ werden !
Heute, im gestärkten Hemde und edlem Zwirn : nie wieder links, Mutti.
Arm im Geist und wohlig konservativ geborgen ohne Mutti, ätsch !
Comment by ROSA — 8. Juli 2009 @ 20:29
Hallo, äh, Herr Niels. Sie schreiben: “Antiamerikanismus und Antisemitismus sind weiterhin sehr verbreitet unter Linken und denen, die gerne links tun (die Mehrheit meiner akademischen Umgebung).” Und: Da stimme ich ihnen vollkommen zu. Das hab ich ja mehr oder weniger selbst so geschrieben. Sehr weit verbreitet unter denen die links tun. Weniger verbreitet unter denen, die links sind.
Weiter schreiben Sie: “Herrn Fleischhauer muss ich an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen. Ihr Buch ist fantastisch!” Da muss ich ihnen jetzt aber widersprechen.
Herr Fleischhauer sitzt nämlich fortwährend dem gleichen Irrtum auf wie sie. Er unterscheidet nicht zwischen denen, die links tun und denen, die links sind. Für ihn ist ja sogar die SPD und vermutlich auch “New Labour” noch links. Das man sich dann glaubt man befände sich überall “unter linken” ist ja kein wunder. Das diese Linken aber die “Konservative Revolution” von Thatcher und Reagen mit begeisterung weitertragen und nur dem Namen nach noch links sind, ist dabei egal. Die Welt ist nicht voller Linker, sondern voller linker Hüllen ohne linken Inhalt. Zombie-Linke sozusagen.
Comment by Edmund Dorff — 8. Juli 2009 @ 21:18
Wichtiges Buch. Widme Ihnen diesen Song: http://www.randalaise.de/02_Lehmann_jung_Die_jungen_Woelfe_kommen.mp3
Comment by K — 13. Juli 2009 @ 20:51
das ultrakonservative Feindbild der Linken (bösartig, verbissen, papsttreu, sauber, diszipliniert, leistungsbereit, zuverlässig und anständig), das von linken bekämpft bzw. ins gegenteil verkehrt werden soll … existiert seit den 60er jahren doch so gut wie garnicht mehr. Die mehrheit ist meistens intolerant und bösartig, die Minderheit lacht und versucht freundlich zu überzeugen… und wenn ich so durch unsere deutschen städte wandere und unser Privatfernsehen sehe und mir die krummen Gestalten so ansehe, dann ist mir völlig klar, dass die sogenannten “Nicht Linken” (prädikate: Bürgerlich, Mitte, Normal o.Ä.) in der Minderheit sind… ich war SPD Mitglied, bin ausgetreten und lebe jetzt glücklich in einer Ehe, habe einen schönen Beruf als Akademiker und bin katholischer Christ. Ich bin glücklich, freundlich und wünsche mir mehr soziale gerechtigkeit.
Schlachtet mich dafür!
Comment by Gagern — 14. Juli 2009 @ 09:32
Was sagen Sie eigentlich zur Kritik in TITANIC, daß Sie über Robert Gernhardt ziemlichen Mist geschrieben haben?
Comment by Jochen Selig — 12. September 2009 @ 08:18