SPD 1

Filed under: Schmähung — Schlagwörter: , , , — JF @ 23:50

Postmoderner Löwenthal

Die SPD-Flak ist in Stellung gebracht, endlich, möchte man ausrufen, am Abzug niemand Geringeres als Thomas Meyer, Professor für Politikwissenschaft an der TU Dortmund, Chefredakteur der “Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte” und einer der verbliebenen Vorzeigeintellektuellen der Partei. “Jan Fleischhauer: Eine Danksagung” ist seine Befassung mit “Unter Linken” überschrieben: Er sei dem Autoren zu Dank verpflichtet, schreibt Meyer, weil die Lektüre des Buches nicht nur eine wertvolle Lesehilfe für alle biete, die wissen wollten, was im ‘Spiegel’ “dräut und drängt” – mehr noch: sie erlaube einen tiefen Blick “ins Herz eines postmodernen Einflussjournalisten”. Davon abgesehen, dass ich Meyer an dieser Stelle wohl zurückdanken muss, weil dies ja nun wirklich keine schlechte Werbung ist, stellt sich natürlich wieder einmal die Frage nach der Bedeutung des als Schmähung gemeinten Epithetons. Hält Meyer es für verwerflich, wenn Journalisten Einfluss nehmen wollen? Aber wie steht er dann zu seinen Freunden in der Meinungswirtschaft, die den ganzen Tag nichts Anderes tun, als den Leuten zu sagen, wie sie die Dinge zu sehen und beurteilen haben? Und was bedeutet in diesem Zusammenhang “postmodern”? Ist das ein neues Wort für “nicht links”? Wünschte er sich, man wäre ein Einflussjournalist alten Schlags wie Gunther Hoffmann oder Jürgen Leinemann, die ihre Politiker noch geduzt haben?

Halten wir Professor Meyer einfach zugute, dass er auf dem Felde des Polemischen noch nicht so bewandert ist. Da ist die Bezeichnung meiner Person als “der neue Gerhard Löwenthal des ‘Spiegel’” schon sehr viel klarer, damit kann jeder auf Anhieb etwas anfangen. Ich würde empfehlen: Weiter so!

Gender Mainstreaming

Filed under: Lebenswelten — Schlagwörter: , , , — JF @ 16:34

Geschlechtsneutrale Päderastinnen

Zu den Publikationen der Bundeszentrale für politische Bildung gehört die “Zeitschrift aus Politik und Zeitgeschehen”, die im Wochenrhythmus erscheint und “wissenschaftlich fundierte, allgemein verständliche Beiträge” bietet, ein “Forum kontroverser Diskussion”, wie es in der Selbstbeschreibung heißt (kennen die Verfasser solcher Ankündigungen eigentlich auch etwas anderes als Diskussionen, die nicht kontrovers verlaufen; wie wäre es zur Abwechslung mal mit einer “einvernehmlichen Debatte”, einem “harmonischen Disput”, was der Realität solcher Zeitschriften ja sogar sehr viel näher käme?)

Nach “Krise der Weltwirtschaft” und “Lebenswelten von Migrantinnen und Migranten” ist jetzt eine Ausgabe über Frauen und Politik geplant. Allen Autoren ging dieser Tage einen Autorenvertrag zu: “Die Bundeszentrale für Politische Bildung gehört zu den Behörden, die Gender Mainstreaming als Modellprojekt einführen”, heißt es am Ende des Schreibens, “wir möchten Sie daher bitten, Ihren Beitrag in einer geschlechtsneutralen Sprache abzufassen.” Man darf gespannt sein, wie das Experiment ausgeht. Es scheint so, als ob wir dem Tag nicht mehr fern sind, wo zumindest in den Schriften der Bundesbildungszentrale neben den Päderasten und den Totschläger getreu dem linguistischen Modellprojekt endlich die Päderastin und die Totschlägerin treten. Auch von “Holcaustleugnern und Holocaustleugnerinnen”, bzw. “den Rechtsradikalen und  Rechtsradikalinnen” war  bis dato in der Mainstream-Presse kaum die Rede, ein Misstand, dem jetzt sicher mit Bundesmitteln abgeholfen wird.

Fackelkopf

Filed under: Linke — Schlagwörter: , , , , — JF @ 23:22

Gesunder Klassenstandpunkt

Mit der Post erhielt ich dieser Tage ein Schreiben des ebenfalls in Berlin ansässigen Journalisten und Schriftstellers Bruno Preisendörfer, in dem er mich über einen “offenen Brief” in Kenntnis setzte, den er auf seiner kürzlich eröffneten Webseite “Fackelkopf” veröffentlicht hat. Ich muss zugeben, dass mich bereits ein Beitrag von Jens Bisky in der “Süddeutschen” auf den Text aufmerksam gemacht hatte, insofern war ich vorgewarnt. Preisendörfer ist ein bekennender Linker, er macht auch keine Anstalten, das irgendwie modisch einzukleiden – er versteht sich als Mann der Arbeiterschaft, jedenfalls stammt er daher, seine Kritik erwächst aus einem klaren Klassenstandpunkt, was mir schon einmal sympathisch ist. Ich hatte immer etwas übrig für Leute, die die Dinge sehen, wie sie sind, wozu auch die Existenz von Interessen und sozialen Milieuverhaftungen gehört. Natürlich hat Preisendörfer an dem Buch einiges auszusetzen; so vermisst er eine Würdigung der Gewerkschaftsbewegung (die ist bis auf eine Vignette über den schlechtgelaunten Funktionär in der Tat ausgefallen, ich muss bei Gewerkschaft immer an Ver.di denken, da bin ich befangen). Das Interessante ist, dass Preisendörfer eine ganze Reihe, wenn nicht sogar die überwiegende Zahl, meiner Einschätzungen teilt. Als Arbeiterkind kennt er nur zu genau das “Kopftätschelnde” des linken Juste Milieu, das “Sentimentale und Naive” dieser Schicht von Leuten, die sich für die Elenden und Ausgebeuteten immer nur so lange interessieren, als sie ihnen nicht zu nahe rücken. “Wie kann ein Mensch, der eine Putzfrau und noch alle Tassen im Schrank hat, links sein?” fragt er: “Die Putzfrau selbst müsste links sein, wenn es mit rechten Dingen zuginge und die Menschen nicht so verwirrte Wesen wären.” Recht hat der Mann.

Wahlkampf

Filed under: Wahl — Schlagwörter: , , , , — JF @ 22:32

Störfall Redux

Jetzt soll also die Atomkraft die Wende für die Sozialdemokratie bringen. Umweltminister Siegmar Gabriel sieht die Wahl im September bereits als “Richtungsentscheidung”. Mal sehen. Ein wenig Öl unter einem defekten Transformator und ein paar lädierte Brennelemente nach einer Kraftwerksabschaltung sind vielleicht noch nicht ganz der Stoff, der die Deutschen in Scharen der SPD zutreiben wird, da haben sie im Laufe ihrer Geschichte doch zu viel durchgemacht. Für Gabriel geht es auch darum, den eigenen Punktestand zu verbessern, ihn verbindet mit Krümmel eine längere Geschichte. Das ganze wirkt wie die Wiederaufführung eines Stückes, das man schon kennt.

Natürlich ließe sich auch fragen, wie weit ein Bundespolitiker in der Hysterisierung der Öffentlichkeit  zu Wahlkampfzwecken gehen darf, zumal bei einem Thema, bei dem die meisten Menschen auf getreuliche Informationen von offizieller Seite angewiesen sind, weil sie die Gefahrenlage nicht selber beurteilen können, aber das muss man sich wohl für später aufsparen. Wahlkampf ist, wie Gabriel selber sagt, nichts “für Feingeiger”. Seinen eigenen Kandidaten hat er immerhin schon mal auf Trab gebracht – der ist jetzt eilig in den Ring nachgestiegen, indem Gabriel die Fäuste schwingt, und hat die einseitige, unbedingte und sofortige Stilllegung des Kraftwerks im fernen Schleswig-Holstein verlangt. Das nennt man dann wohl ein Machtwort.

Download: SPIEGEL 43/2007, “Der Störfall”

Noch mehr Kritik

Filed under: Unter Linken — Schlagwörter: , , , — JF @ 22:32

Auf Erkundungsfahrt mit der “FAZ

Der “FAZ”-Redakteur Tobias Rüther ist losgezogen, um Linke nach ihrer Meinung zu “Unter Linken” zu befragen – eine ganz eigenwillige Erkundungsfahrt. Der vorherrschende, doch einigermaßen kuriose Befund seiner kleinen Reise: So richtig links will keiner mehr sein, jedenfalls nicht auf Vorhalt. Heribert Prantl, Innenpolitikchef der “Süddeutschen Zeitung”, bezeichnet sich als “liberaler Sozialkatholik”; die Schriftstellerin Eva Menasse war ausweislich ihrer eigenen Selbstverortung überhaupt nie links, sondern mindestens zu gleichen Teilen auch konservativ (wie sich ihr Wahlaufruf für Rot-Grün damit verträgt, wird wohl immer ihr Geheimnis bleiben). Der einzige, der treu zur Fahne steht, ist Klaus Staeck, in den Siebzigern mit  eigenwilligen SPD-Wahlplakaten  zu einigem Ruhm gelangter Grafikdesigner und nun, trotz oder dank dieser doch eher zeitgebundenen Aktivität, auf die alten Tage noch Präsident  der Akademie der Künste in Berlin. Rüthers verwundertes Fazit: “Die SPD nicht links, Prantl nicht links, Grass nicht links” – ja, da kann man in schon ins Grübeln kommen.

Zweites erfreuliches Ergebnis: Alle sind ganz gelassen, niemand regt sich groß auf, man ist schließlich liberal. Nur SZ-Prantl fällt ein wenig aus der Rolle, wenn er  dem Bekenntnis, er fühle sich in keiner Weise provoziert, sondern eher amüsiert,  dann doch noch hinterherschicken muss, er halte den Autoren Fleischhauer für “weniger politisch, oder postpolitisch, sondern eher postpubertär”. Das  ist eine Schmähung, die nur einem Linken einfallen kann, denn eben nur dort gilt es als vorwerfbar, wenn man irgendwann der Daueradoleszenz Ade sagt, um sich zum Erwachsensein durchzuringen. Ich finde, es gibt gute Gründe dafür, dass es mit 47 Jahren irgendwann an der Zeit ist, die Pubertät hinter sich zu lassen, aber auch das ist wahrscheinlich furchtbar postpubertär gedacht.