SPD 1

Postmoderner Löwenthal

Die SPD-Flak ist in Stellung gebracht, endlich, möchte man ausrufen, am Abzug niemand Geringeres als Thomas Meyer, Professor für Politikwissenschaft an der TU Dortmund, Chefredakteur der “Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte” und einer der verbliebenen Vorzeigeintellektuellen der Partei. “Jan Fleischhauer: Eine Danksagung” ist seine Befassung mit “Unter Linken” überschrieben: Er sei dem Autoren zu Dank verpflichtet, schreibt Meyer, weil die Lektüre des Buches nicht nur eine wertvolle Lesehilfe für alle biete, die wissen wollten, was im ‘Spiegel’ “dräut und drängt” – mehr noch: sie erlaube einen tiefen Blick “ins Herz eines postmodernen Einflussjournalisten”. Davon abgesehen, dass ich Meyer an dieser Stelle wohl zurückdanken muss, weil dies ja nun wirklich keine schlechte Werbung ist, stellt sich natürlich wieder einmal die Frage nach der Bedeutung des als Schmähung gemeinten Epithetons. Hält Meyer es für verwerflich, wenn Journalisten Einfluss nehmen wollen? Aber wie steht er dann zu seinen Freunden in der Meinungswirtschaft, die den ganzen Tag nichts Anderes tun, als den Leuten zu sagen, wie sie die Dinge zu sehen und beurteilen haben? Und was bedeutet in diesem Zusammenhang “postmodern”? Ist das ein neues Wort für “nicht links”? Wünschte er sich, man wäre ein Einflussjournalist alten Schlags wie Gunther Hoffmann oder Jürgen Leinemann, die ihre Politiker noch geduzt haben?

Halten wir Professor Meyer einfach zugute, dass er auf dem Felde des Polemischen noch nicht so bewandert ist. Da ist die Bezeichnung meiner Person als “der neue Gerhard Löwenthal des ‘Spiegel’” schon sehr viel klarer, damit kann jeder auf Anhieb etwas anfangen. Ich würde empfehlen: Weiter so!

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15 Kommentare

  1. Ich möchte sie bitten, herzliche Grüße an Ihre Mutter auszurichten. Sie scheint, wenn man ihrem Buch glauben kann, eine von Grund auf sympathische Frau zu sein. Nur das mit ihrem Sohn tut mir leid. Leider kann man sich seine Kinder nicht aussuchen.

    Comment by Fabian — 18. Juli 2009 @ 13:19

  2. Es ist schon bedauerlich, dass es Leute gibt, die den ganzen Tag nichts besseres zu tun haben, als linke Politiker zu kritisieren. Die Welt wäre ja sooooo viel besser, wenn es die Linken nicht geben würde.
    Fleischhauer, sie sind noch in vielen Dingen nicht bewandert. Aber eben, was kann man schon anderes tun ausser kritisieren, wenn man selber sonst nichts auf die Reihe kriegt? Nehmen sie sich nicht zu wichtig. Halten wir ihnen einfach zu Gute, dass sie Geltungssüchtig und Mediengeil sind.

    Comment by Karlheinz — 20. Juli 2009 @ 20:11

  3. Super Buch, respect man!!

    Comment by Dave — 21. Juli 2009 @ 17:49

  4. Hallo, Herr Fleischhauer!

    Da ich nichts finden konnte, würde ich mich über eine Mailadresse freuen, an die ich (bei Interesse) ein paar Worte zu Ihrem Buch schicken möchte.

    Wenn das nicht möglich ist, möchte ich Ihnen zumindest hier einen herzlichen Dank für dieses Buch aussprechen!!!!

    MfG,
    Christoph

    P.S.
    Das ertappte Rauschen bzw. dessen Art und Weise im www. ist eine nahezu skurrile Bestätigung jedes einzelnen Kapitels Ihres Buches.

    Comment by Christoph — 4. August 2009 @ 11:02

  5. Hi!

    Warum wurde denn mein Kommentar gelöscht?

    Naja, gut, dann halt nur verkürzt auf diesem Wege:

    Das Buch ist mehr als genial! Jedes einzelne Kapitel ist mir runtergegangen wie Öl, denn es ist genauso wie sie es beschrieben haben!
    Ich danke Ihnen, dass Sie sich getraut haben, dieses Buch zu veröffentlichen!
    Es tut einfach gut zu lesen, wie Sie die Bigotterie der selbsternannten moralischen Instanz des kleinen Mannes systematisch zerlegen.

    Mich haben Sie mit diesem Buch auf jeden Fall bestärkt.

    Vielen Dank und einen weiterhin pragmatische Sichtweise wünsche ich Ihnen!

    MfG,
    Christoph

    Comment by Christoph — 6. August 2009 @ 14:24

  6. Um Himmels Willen, sind hier wieder aggressive Menschen in Ihrem Forum unterwegs. Da quillt die Wut ja aus jeder Pore.

    Ich mag ihr Buch sehr gerne, bin zwar eher links von der Union aber trotzdem sehr genervt von Leuten, die meinen jedem anderen sagen zu dürfen, was er denken muss.
    Eigentlich ist ihr Buch doch auch gar nicht so gehässig, oder bin ich zu naiv es richtig zu verstehen? So richtig toll kommen die Konservativen eigentlich auch nicht rüber in Ihrem Buch…eher sogar ziemlich bemitleidenswert.
    Sie schreiben sachlich und argumentativ, aber was folgt auf Ihre Argumente? Beleidigungen, ständiges Wiederholen der schwächeren Passagen bei “die Linke und der Humor” aber KEINERLEI sinnige Gegenargumente.

    Wie auch immer, ich habe es im Regal nun zwischen “das Kapital” und dem Mankiw stehen. Was kann man objektiv netteres schreiben?

    Comment by madura — 7. August 2009 @ 21:22

  7. @Karlheinz:

    und bei Ihnen hat wohl der Haushund die Erziehung übernommen???
    Mensch, reissen Sie sich mal am Riemen.
    Wenn Sie in so vielen Sachen bewandert wären, hätten Sie wohl auch gemerkt , dass die TAZ seit Jahrzehnten nix besseres zu tun hat als konservative Politiker zu kritisieren.

    viele Grüsse
    Dr. med. Arno Schöneberger

    Comment by Schöneberger — 7. August 2009 @ 21:29

  8. “Was treibt Schriftsteller immer wieder zur SPD? Altersstarrsinn, Naivität oder die Aussicht auf Subvention?” So allmählich entlarven Sie sich! Von Nadolny und Spengler jedenfalls wird man noch reden wenn Ihr Büchlein schon längst den Weg alles Zeitlichen gegangen ist. Einstweilen empfehle ich Ihnen, einen Gang zurückzuschalten. Langsam wird’s peinlich!

    Comment by Fleischbeschauer — 8. August 2009 @ 23:45

  9. Ein, aus Autorensicht, gut geschriebenes Stück Wortwerk, welches eindrucksvoll den Niedergang des Journalismus dokumentiert – MANN, bin ich froh, dass Sie wissen was Selbstreferenz ist.

    “Unter Linken” – eine neue Qualität der (Konter)Propaganda. Weiter so! Wer braucht schon Demokratie…..

    Comment by Steuerfahndung — 10. August 2009 @ 09:02

  10. Och jo, der arme Jan, musste mit so vielen Linken aufwachsen.

    Dass ein so erfahrener Mann parteipolitisch Stellung beziehen muss, um seinem angestauten Druck einen Fluchtweg zu ebnen – traurig.

    Man ist ja geneigt, zumindest den Humor des Buches zu schätzen – wenn man nich wüßte, dass es hier einzig und allein um Subjektivität geht, die durch die Brillen der Konservativen zur sachlichen Berichterstattung wird.

    Comment by von Mama — 10. August 2009 @ 09:21

  11. manch eintrag hier, hat erstaunliche ähnlichkeit, mit reaktionen von “sich auf den schlips getretenen” religionsanhängern (welcher konfession auch immer),in anderen internet blogs. glaubenskrieger ? scheint so.

    ich fand das buch von jan fleischhauer lustig und habe so einige parallelen entdeckt – einige ? ziemlich viele.:)

    Comment by Kernspalter — 15. August 2009 @ 14:20

  12. Einen heftigen Würgreiz unterdrückend, welcher besonders im Wahlkampf, unweigerlich mit moralglasierter Sozialpropaganda und linken Räuberpistolen aus dem Hause Lafontaine und Nahles einhergeht, fragt sich, wann der Scharlatan Gysi wohl fertig ist, sein populistisches Gewäsch, jenes er augenblicklich auf Phönix versucht an den politisch unaufgeklärten Mann zu bringen abstellt, und wie lange es mir noch vergönnt sein mag, von diesem erstaunlichen Buch zu zehren.
    Das Buch hat mich in jeder Hinsicht begeistert. Die notwendig riesige Dimension an Informationen und Fakten wird mit Hilfe einer beinahe traumhaften Schreibe gleichermaßen umfassend, wie unterhaltsam untergebracht. Dabei vermag es Fleischhauer allgegenwärtig mit gefeiltem Witz und köstlichster Ironie aufzuwarten, wobei ich selbst, nicht selten in lautstarkes Lachen verfiel.

    Ich bedanke mich, für eine höchst lehrreiche Reise durch die Geschichte, das Milieu und die Gedankenssphäre dieser weltverbessernden Engel!

    Comment by Rusty — 18. September 2009 @ 21:33

  13. Hallo,
    Glückwunsch an Herrn Fleischhauer zu diesem Buch. Als nächstes Buch wünsche ich mir einen europäischen Vergleich der beklagten Verhältnisse in Deutschland. Manchmal scheint es, als seien nur die Deutschen so verblendet, häufig allerdings sieht es so aus, als würde sich das übrige Europa auf ähnlichem Wege befinden (Glühlampenverbot, Anti-Raucher Kampagnen, …).
    Oder gibt es vielleicht einen Literaturtipp hierzu?

    Gruss Peter Stelzer

    Comment by Peter Stelzer — 16. Oktober 2009 @ 17:02

  14. Lieber Herr Fleischhauer
    mein Dank kommt spät im Jahr, aber immer noch rechtzeitig, denn Ihr Thema blüht doch gerade erst auf.
    Ihr Buch habe ich mit grossem Vergnügen zweimal gelesen und einmal verschenkt. Als jemand der 1945 geboren ist, Konrad Adenauer noch wirken sah und Minister Gerhard Schröder den I. als Wahlkreissieger kennenlernen durfte (jetzt turnt P. Steinbrück dort herum), habe ich seit 1967 im “roten” Köln gelebt und mitgestritten, um die Ausrichtung unserer Gesellschaft. Auch bei mir hat sich der alte Spruch bewahrheitet: Wer mit 20 kein Sozialist ist, hat kein Herz und wer mit 40 noch Sozialist ist, hat keinen Verstand. So gesehen kann ich Ihre Erfahrungen und Einschätzungen nur unterschreiben und wünsche Ihnen weiterhin ein breites Kreuz gegen die seltsamen Heiligen bei den Grünen und anderswo.

    Comment by Dietmar Jendreyzik — 25. November 2009 @ 17:33

  15. Sehr gutes Buch. Klasse Konversationen.

    Comment by Paula — 2. Dezember 2009 @ 19:47

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