Hip Hop

Alles Spießer

Der Musiker Jan Delay gibt im “Tagesspiegel am Sonntag” Auskunft über das neue, von der Kritik sehr gelobte Album “Wir Kinder vom Bahnhof Soul”, seine Kindheit unter Hippie-Eltern, colafreies Leben und seine Hinwendung zum Konservativen. Ausschnitt:

TSP: “Sie kommen aus einem liberalen Elternhaus.”

Delay: “Meine Eltern waren Künstler, ich war im Kinderladen und so, aber ich habe keine antiautoritäre Erziehung genossen. Sie waren strenge Hippies. Ich durfte nicht fernsehen, und es gab keine Cola. Auch Ökos können Spießer sein.”

TSP: “Der ‘Spiegel’-Redakteur Jan Fleischhauer hat in seinem Buch ‘Unter Linken’ beschrieben, wie er ‘aus Versehen konservativ wurde’. Erkennen Sie sich wieder?”

Delay: “Ein bisschen schon, ja. Als ich ein kleiner Junge war, stellte ich mich vor meine Mutter hin und sagte: ‘Ich will Börsenmakler werden. Das mit dem vielen Gemüse und dem Kamillentee halte ich nicht aus.’ Zwischen 16 und 17 hatte ich eine exzessive McDonald’s-Phase, aus Protest. Die wurde dann vom exzessiven Fernsehen abgelöst, damit habe ich eigentlich vor einem Jahr erst aufgehört, weil nur noch Schrott kommt – auf MTV läuft ‘Room Raiders’, wo sie mit einem Schwarzlichtgerät gucken, ob Wichsflecken in deinem Bett sind. Früher kam das BKA, heute MTV. Nee, mit dem Alter bekomme ich mit, dass ich immer konservativer werde.”

TSP: “Woran merken Sie das? Daran, dass Sie sich eine Eigentumswohnung gekauft haben?”

Delay: “Man versucht, sich abzusichern, und plant seine Zukunft. Man mäßigt sich ganz allgemein. Das tun doch im Alter alle, außer vielleicht Klaus Kinski. Hip-Hopper werden mich verstehen, bei denen ist der Konservatismus extrem weit verbreitet: Früher musstest du dich rechtfertigen, wenn du in den Charts warst, heute musst du dich rechtfertigen, wenn du es nicht bist.”

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2 Kommentare

  1. Kein Wunder, dass Altlinke eine immer größere Gefahr von „Rechts“ wittern – zu und mit Recht, wenn schon die eigenen Freunde abtrünnig werden. Übrig bleiben am Ende ein paar Ikonen, die nicht mehr den Rahmen ihres selbstverfertigten Altars verlassen können.

    Comment by Karl — 14. August 2009 @ 12:11

  2. Das Interview gibt ein falsches Bild von Jan Delay wieder.

    In anderen Interviews war nichts mehr von Koketterie mit konservativen Werten zu hören. Da bekundete er Verständnis für Autoanzünder und erklärte umständlich sein Engagement für Attac und seine Hoffnung auf eine Revolution.

    Hatte wohl ein seltsames Kraut im Pfeifchen an diesem Tag. Anders ist auch der Begriff “strenge Hippies” nicht zu erklären. Strenge Hippies….da hat was!

    Comment by Roland Wolff — 14. September 2009 @ 11:09

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