Phraseologie

Klimawandel

Welche Phrasen, Floskeln und abgenutzten Metaphern erwarten uns mit der neuen Regierung? Ganz sicher die “soziale Kälte”. Es erscheint nahezu unausweichlich, dass dieses unbarmherzig ausgelutschte und tatsächlich ja Abgegriffenste aller politischen Sprachbilder für den Medien- und Kommentarzirkus neu aufgezäumt wird. Tobias Rüther bereitet sich in der FAZ deshalb schon einmal mental auf den Einbruch des sozialen Winters vor, dessen Vorboten Deutschland bereits länger frösteln lassen. Rüther datiert den Beginn der neuen Eiszeit auf den November 1989, als nach vier Jahrzehnten deutscher Teilung die Mauer fiel und damit aus der sozialistischen Wärmekammer, die ihre Menschen auf einer angenehmen Betriebstemperatur gehalten hatte, die Luft entwich. Anderseits: Die Rettung liegt nah, um nicht zu sagen in eben den Personen, deren Ankunft nun zähneklappernd erwartet wird. “Wie kann es überhaupt kälter werden in Deutschland”, fragt Rüther zurecht, “wenn gleichzeitig die Opposition, die sich auch noch nicht richtig formiert hat, davon redet, dass es fortan eigentlich nur noch wärmer werden wird, weil die neue Regierung nichts gegen den Klimawandel unternehmen wird und uns, ganz im Gegenteil, strahlende Zeiten bereiten will.” Vielleicht ist damit ja schon die Rolle beschrieben, die Guido Westerwelle auch bei grün Gesonnenen in Zukunft akzeptabel oder jedenfalls ökologisch unbedenklich macht: als das FDP-Kühlaggregat gegen die Folgen von Klimakillern und CO2-Ausstoss.

4 Kommentare »

  1. Ich pflichte der Pointe zu, dass “soziale Kälte” eine reichlich ausgeleierte Phrase ist - nur noch zu übertreffen von vermeintlich “öffentlichkeitswirksamen” Aktionen, in denen irgendwas per schwarzem Pappsarg “zu Grabe getragen” wird. Doch besteht die Welt nicht nur aus Phrase und Repräsentation; die Frage, wer die Abermilliarden bezahlt, die zur Konjunkturstützung aufgewendet wurden, ist eben eine bitter reale.

    Kommentar von ves — 6. Oktober 2009 @ 18:53

  2. Sehr geehrter Herr Feischhauer,

    ich habe Ihren Auftritt bei Maischberger verfolgt und muss Ihnen meinen Dank aussprechen. Es war für mich sehr amüsant, wie diese, zuweilen sehr selbstgefällige Runde, auf den Vorwurf der Humorlosigkeit, so wunderbar humorlos reagiert hat. Davon möchte ich den von mir sehr geschätzten Herrn Kroetz aber ausdrücklich ausnehmen. Vielen Altlinken scheint die Anerkenntnis schwer zu fallen, dass Sie ab einem bestimmten Zeitpunkt natürlich auch ein Teil des Establishments geworden sind. Sie sind jetzt, sozusagen, auch Reaktionäre. Zumindest hat mich dieser Abend doch sehr stark an Unterhaltungen mit meinen Großeltern erinnert, in denen Sie einen halb belehrten und halb belächelten. Auch der reißende Sturm der ewigen Revolution von Mao Zedong, ist zu einem lauen Lüftchen, zwischen den Rotoren einer subventionierten Windkraftanlage, abgeflaut.

    Mit freundlichen Grüßen

    Kommentar von M. Ziemer — 7. Oktober 2009 @ 01:26

  3. Die Sozial-Klimatologen sollen sich mal nicht ins Hemd machen. Allzu viel wird vom schwarz-gelben Reformeifer auf Dauer nicht uebrig bleiben, denn eine Regierung regiert nicht auf Dauer gegen den intellektuellen Mainstream eines Landes an.
    Wetten, dass in den naechsten Jahren jeder schwarze oder gelbe Reformblockierer in den politischen Talksendungen zur “mahnenden Stimme” bzw zum “sozialen Gewissen” einer neoliberalen Koalition verklaert werden wird? Und wenn es so leicht ist, tosenden Applaus zu bekommen, wird die Versuchung, diese Rolle einzunehmen, unglaublich gross sein.

    Kommentar von Kristian Niemietz — 7. Oktober 2009 @ 13:51

  4. Wenn es wirklich so wäre, dass Herr Fleischhauer etwas von Humor verstünde, dann würde er witzig sein.

    Was wir allerdings erleben dürfen - und dazu schaue man die aufgezeichnete Sendung von Maischberger in Zeitlupe an - ist ein Fleischhauer, der sich in eigenen Artikeln selbst der Süffisanz verdächtigen muss und so scheel dreinblickt, als verfüge er über den Dünkel echter Konservativer, was jedoch leider nur der trotzig präsentierte Wille und Wunsch zur Konformität sind; die Frage lautet: welche Bezugsgruppe treibt einen Fleischhauer hier hinein?

    Man darf die Nase nicht nur hoch tragen, man muss sie auch vorn haben: darum hole ich mir jetzt einen Châteauneuf-du-Pape aus dem Keller, den Papi zwar bezahlt hat, aber nicht trinken konnte, weil er SO VIELE Flaschen davon im Keller hatte, dass er die Flaschen nicht allein trinken konnte!

    Kommentar von Markus Graf zu Rosenfeld — 8. Oktober 2009 @ 15:09

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