Berlin – Harare
Auf der Urban Age Konferenz der Herrhausen-Gesellschaft in Istanbul hat Richard Burdett von der London School of Economics Zahlen vorgelegt, die eindrucksvoll zeigen, welchen Beitrag Städte zum Wirtschaftswachstum eines Landes leisten. Die Bewohner der großen Metropolen sind nicht nur deutlich produktiver als die Normalbevölkerung, mit dem überdurchschnittlichen Beitrag zur Wirtschaftsleistung erzielen sie auch ein weit höheres Einkommen. Diese Leitfunktion der Stadt lässt sich überall auf der Welt nachweisen, in Johannesburg, Sao Paulo oder Mexiko City ebenso wie in New York, Istanbul oder London, das macht ja auch ihre Attraktion für die Zuwanderer aus. Nur eine Metropole fällt hier heraus: Berlin. Die deutsche Hauptstadt ist nach Burdetts Erhebungen die einzige Großstadt der Welt, deren Bewohner weniger leisten als die Allgemeinbevölkerung und in der Folge auch ärmer sind als diese. Während anderswo die Hauptstadt als Wachstums-Generator fungiert, ist Berlin so etwas wie ein Wachstums-Absauger.
P.S.: Wolfgang Nowak, Chef der Herrhausen-Gesellschaft, hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es neben Berlin noch eine Stadt gebe, die nichts zur Wohlstandsmehrung beisteuere, und zwar Harare, die Hauptstadt von Zimbabwe. Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich ein Trost ist.
Tags: Armut, Berlin, Wirtschaft, Wohlstand


Dies ist eine nette Fußnote zum “Fall” Sarrazin.
Das finde ich schon erschütternd und beschämend für Berlin, wenn es denn so stimmt.
Denn: wie wird dort Großstadt definiert? Eigentlich ab 100 000 EW. Oder doch inzwischen ab 1 Million?. Oder ist eigentlich Metropole gemeint?
Es müsste eigentlich mehr als zwei Großstädte auf der Welt geben, die unter dem Landesdurchschnitt liegen.
mit freundlichem Gruß
M. Boden
Kommentar von Michael Boden — 8. November 2009 @ 15:57
Komisch, wo ist denn mein Kommentar von heute Nachmittag geblieben?
Ist wohl in einem schwarzen Loch verschwunden.
Kommentar von Michael Boden — 8. November 2009 @ 23:03
Offenbar hält Herr Fleischhauer diese als Resultat des Austausches zweier “Leistungsträger” camouflierte Parteinahme für den Superleistungsträger Herrn Sarrazin für wahnsinnig gelungen oder witzig:
“Working Poor” nennen Sozialwissenschaftler Menschen, die arbeiten und doch an der Armutsschwelle sind. Wie viele es sind, weiß keiner so genau. Mittlerweile leben 6,4 Millionen Erwachsene und Kinder in Deutschland von Hartz IV. Eng wird es auch für 3,2 Millionen Frauen und Männer, die arbeitslos sind und für etwa 1,5 Millionen, die sich in Kurzarbeit befinden. Rund 6,9 Millionen Menschen in Deutschland sind überschuldet, schätzt die Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatung der Verbände. Wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise werde voraussichtlich die Zahl der überschuldeten Haushalte aufgrund Entlassungen, Kurzarbeit und Niedriglöhnen noch mehr steigen.(Quelle: n-TV)
Und so klärt sich auch die folgende Nachricht:
20 Jahre nach dem Mauerfall und dem Niedergang des Kommunismus sind weltweit zahlreiche Menschen mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem unzufrieden. Laut einer veröffentlichten Studie im Auftrag des britischen Senders BBC waren nur 11 Prozent der Befragten in 27 Ländern der Ansicht, dass der Kapitalismus in seiner derzeitigen Form gut funktioniert. Lediglich in den USA (25 Prozent) und Pakistan (21 Prozent) war mehr als jeder Fünfte mit der aktuellen Wirtschaftsordnung zufrieden. Unter dem Eindruck der schlimmsten Finanz- und Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren glaubten 51 Prozent der Befragten, dass die Märkte stärker reguliert werden müssen. Im Schnitt 23 Prozent meinten, dass eine vollkommen neue Wirtschaftsordnung geschaffen werden müsse.(Quelle: n-TV)
Kommentar von Markus Graf Rosenfeld — 9. November 2009 @ 10:14
Im Moment ist kein einziges DAX-Unternehmen in Berlin beheimatet, aber folgende können Ihre Wurzeln dorthin verfolgen:
* Allianz (1890 in Berlin gegründet, heute München)
* Deutsche Bank (1870 in Berlin gegründet, heute FFM)
* Deutsche Lufthansa (1926 in Berlin gegründet, heute Köln)
* Deutsche Post (Reichspostministerium 1919 in Berlin gegründet, heute Bonn)
* Deutsche Telekom (Reichspostministerium 1919 in Berlin gegründet, heute Bonn)
* Infineon (1847 als Siemens & Halske in Berlin gegründet, heute München)
* Siemens (1847 als Siemens & Halske in Berlin gegründet, heute München)
Zusätzlich könnte man auch die Deutsche Börse zu den abgewanderten Berliner Unternehmen zählen, da sich bis 1945 die deutsche Leitbörse nicht in Frankfurt befand, sondern in Berlin).
Dieser kleine Schnappschuss zeigt, wie sehr Berlin wirtschaftlich unter den Folgen der Teilung gelitten hat.
Kommentar von jpo234 — 9. November 2009 @ 13:38
Lieber Michael Boden, alles angekommen, nur steckengelieben: Da Kommentare nicht automatisch auf der Webseite erscheinen (schon um den ganzen Spam herauszufiltern, der mittlerweile auch auf Blogs anschwemmt), dauert es manchmal ein bißchen, bis sie freigeschaltet sind. In der Sache selber, kann ich nur sagen, dass es sich bei den genannten Städten im Vergleich alles um die jeweils bevölkerungsreichten Metropolen handelte, also 3 Millionen Einwohner aufwärts (London, new York, Sao Paulo, Johannesburg, istanbul, New York, Shanghai, Bombay, etc.). Herzlich, JF
Kommentar von JF — 9. November 2009 @ 14:32
Da hat’s Ihnen aber einer gegeben. Der Herr Rosenfeld schaut nämlich n-tv. Gut, viel mehr als das übliche Geseiere von immer noch enttäuschten Linken ist es nicht, mit dem Artikel hat es auch nix zu tun, aber was soll’s. Immerhin wissen wir nun, dass Herr Rosenfeld n-tv schaut. (Quelle: Unter Linken)
Kommentar von max — 10. November 2009 @ 11:53
Da hapert´s aber bissel mit der Logik bei dem strammen Max! n-tv meldete, dass 51 Prozent der weltweit Befragten enttäuscht sind über unkontrollierte Märkte und diese gern stärker regulieren würden. Es ging also gar nicht um mich!
Ich selbst bin keineswegs enttäuscht darüber, dass ich kürzlich ein Stück Wald verkaufen konnte, um den Erlös als Spende dem von mir verehrten Sonnenkönig,Herrn Lafontaine, zukommen lassen zu können!
Der Zusammenhang erschließt dem Denkenden wie folgt: Sarazzin schimpft über unproduktive Migranten - Fleischhauer legt mit einem Gespräch unter “Leistungsträgern” über das unproduktive Berlin camoufliert nach.
Dabei wissen wir doch seit Merkels Rede im Bundestag: die Krise kommt erst 2010 knüppeldicke, die Krise, an der die Leistungsträger Investmentbänker (und deren Insolvenzverwalter) in Amerika (nicht Ackermanns Forderung nach 30% Rendite als Norm für deine Bank, die aber leider von der Realwirtschaft nicht gedeckt zu sein schien) Schuld haben. Der Zusammenhang also: weltweite Krise führt zu Produktivitätsverlust.
Die Krise gab´s auch schon 1989 - reicht dafür die eigene Erinnerung als Quelle aus?
So, jetzt aber schnell ab in den Weinkeller und ein Fläschchen Adeneuer Walporzheimer Gärkammer Gosses Gewächs 2005 öffnen!
Kommentar von Markus Graf Rosenfeld — 11. November 2009 @ 11:20
Lieber Herr Rosenfeld, nö, um Sie ging’s wirklich nicht. Im Artikel von Herrn Fleischhauer übrigens auch nicht. Allerdings ging’s dort auch nicht um das, auf was Sie sich zu antworten bemüssigt sahen. Aber immerhin, auf dem Weg der Besserung scheinen Sie ja zu sein, zumindest wollen Sie mittlerweile erst nach dem Schreiben trinken. (Sollten Sie mit dem Spenden genauso halten.)
Kommentar von max — 11. November 2009 @ 15:48
Lieber Max, ich trinke morgens ein rohes Ei mit Korn, mittags einen Klosterfrau Melissengeist und zur blauen (!) Stunde darf dann die Milch des Alters, der Wein, die Dunkelheit versüßen. Auf diese Art und Weise wurde mein Großvater 93 Jahre alt. - Denken Sie immer daran: Es ist nicht leicht ein Stachelschwein zu streicheln!
Kommentar von Markus Graf zu Rosenfeld — 11. November 2009 @ 18:15
Allerdings, lieber Herr Rosenfeld, meinte auch schon mancher Esel, er sei ein Pferd. Aber was soll’s, die Leber wächst bekanntlich mit ihren Aufgaben, wie schon Herr Hirschhausen zu bemerken pflegte.
Kommentar von max — 12. November 2009 @ 01:40