Berlin-Warschau
“Spiegel”-Gründer Rudolf Augstein hat Helmut Kohl einmal als Mann bezeichnet, der sich gern “drei mal vor der Trikolore verneigt”, und das war nicht unbedingt positiv gemeint. Was wäre Augstein wohl zu Westerwelle eingefallen, dem Minister, dem Warschau offenbar so nahe ist wie Berlin und München? Berthold Kohler von der “FAZ” ist zwar kein Augstein, aber auch sehr gut: “Was für ein Glück, dass Polen die Berufung Guido Westerwelles ins Bundeskabinett aus Gründen, die nur Polen verstehen müsste, nicht als Belastung der deutsch-polnischen Beziehungen betrachtet”, schreibt er heute im “FAZ”-Leitkommentar zur Causa Steinbach: “Denn dann hätte der FDP-Vorsitzende, der eigenen Argumentation im Falle Steinbach folgend, seine ‘persönlichen Ambitionen’ hintanstellen und zum Wohle der Versöhnung mit dem östlichen Nachbarn auf die Erfüllung seines Lebenstraums verzichten müssen.” Wenn die Polen die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen nicht in der Stiftung akzeptieren wollen, die ohne sie nicht zur Stande gekommen wäre, sollte man vielleicht einfach das ganze Projekt beenden. So würde man sich wenigstens die Blamage ersparen, ein “Zentrum gegen Vertreibungen” ausgerechnet mit einer Vertreibung beginnen zu lassen.
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Eine interessante Argumentation unseres Außenministers, der dann konsequenterweise selbst zurücktreten müsste.
Denn uns sind schließlich auch die guten Beziehungen zu islamischen Staaten wichtig und Homosexuelle wie Westerwelle werden in solchen Ländern verachtet (vorsichtig formuliert!). Also soll Westerwelle gefälligst seine “persönlichen Ambitionen” zurückstellen und sein Ministeramt aufgeben.
Kommentar von Nachdenk — 18. November 2009 @ 22:53
Volle Zustimmung!
In einem anderen Kommentar erwähnt Kohler ein Interview, das Westerwelle 2003 im Focus gegeben hat. Dort heißt es unter anderem:
Guido Westerwelle: Ich habe mich bereits in der vergangenen Woche mit der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, getroffen – und ich begrüße, dass unser Ehrenvorsitzender Otto Graf Lambsdorff zu den Unterstützern zählt.
Kommentar von Konservativ — 20. November 2009 @ 07:29