Hartz IV, Teil 2

Ihr Auftritt, Frau Künast!

Alle sind schrecklich empört über FDP-Vizekanzler Guido Westerwelle, weil der daran zu erinnern wagte, dass auf Dauer kein Sozialstaat funktionieren kann, wenn man ohne Arbeit mehr verdient als mit regelmäßiger Beschäftigung. Das gilt nun als schlimme “Beleidigung des schwächsten Teils der deutschen Bevölkerung”. Schon werden atemlos Entschuldigungen verlangt, wahrscheinlich dauert es keine 24 Stunden mehr, bis die ersten Rücktrittsforderungen eingehen (Ihr Auftritt, Frau Künast!).

Es gibt allerdings Grund zur Annahme, dass die veröffentlichte Meinung nicht der Mehrheitsstimmung entspricht. Die meisten Menschen, die klaglos ihre 40 Stunden pro Woche verrichten, obwohl sie damit nicht zu den Vielverdienern gehören, haben wenig Verständnis für Leute, die für sich und ihre Familie beschlossen haben, dass man auch ohne weitere Anstrengung über die Runden kommen kann. Ein Blick auf den Lohnzettel zeigt ihnen, was sie der Sozialstaat kostet: Bei vielen sind die Sozialabgaben längst höher als der Steueranteil, was eben daran liegt, dass die Zahl derer, die diese noch entrichten, laufend kleiner wird.

Die Redaktion von “Spiegel Online” hat zu meinem Kommentar zum Thema eine Reihe einschlägiger Äußerungen des FDP-Vorsitzenden gestellt. Darunter finden sich Sätze wie: “Empfänger sind in aller Munde, doch die, die alles bezahlen, finden kaum Beachtung.” Was für eine Politikerin wie Renate Künast “Sozialhetze” ist, empfinden viele Menschen, die einem normalen Beruf nachgehen, also nicht in der einen oder anderen Weise von Steuergeldern leben, als durchaus zutreffende Beschreibung der Situation.

Tags: , , , ,

7 Kommentare

  1. Jan Fleischhauer, Sie tragen Ihren Nachnamen wahrlich zu Recht. Sie, der Sie in Ihrem Leben noch nie um Ihre Existenz kämpfen mussten, weil Sie immer und überall gepampert wurden, sollten wirklich einmal in die Tiefen des täglichen Lebens hinabsteigen und einen Schlachthof besuchen. Die Männer arbeiten dort für acht oder weniger Euro die Stunde. Bei Temperaturen, die Sie nur aus dem Ski-Urlaub kennen und Gerüchen, bei denen Sie sich wahrscheinlich übergeben werden mit Ihren feinen Nerven.

    Statt auf diesen Menschen auch noch herumzutrampeln, um sich selbst zu erhöhen, wäre es gerade an Ihnen aus “gutem Haus”, dafür zu sorgen, dass diese Menschen wenigstens ein würdiges Leben führen können.

    Da ich gerade Ihnen so etwas aber nicht zutraue, bitte ich Sie um Eines:

    Gehen Sie in sich und vereilen Sie dort möglichst lange, damit die Welt wenigstens einen Asozialen weniger ertragen muss.

    Vielen Dank!

    Comment by Jolly Rogers — 13. Februar 2010 @ 01:40

  2. Der Kommentar ist ja noch unsachlicher als die Debatte selbst.

    Zurecht hat Hr. Fleischhauer mal zaghaft angefragt, wo in der Aussage, dass auf Dauer kein Sozialstaat funktionieren kann, wenn man ohne Arbeit mehr verdient als mit regelmäßiger Beschäftigung, eine Beleidigung von millionen Mensch liegen soll.

    Ich dachte auch immer das wäre selbstverständlich und hätte eine gesellschaftliche Akzeptanz.
    Wo wird denn bitte schön damit auf Menschen herumgetrampelt?

    Die Aussage ist grds. richtig. Welche Konsequenz man daraus zieht ist dahingehend fraglich. Hartz IV Sätze werden vom Staat gemacht, Löhne von den Arbeitgebern. Man könnte die Aussage von Hr. Westerwelle also durchaus auch als Kritik an den niedrigen Löhnen sehen und nicht gleich unterstellen, er will die Hartz IV – Sätze verringern. Eine Diskussion ist es auf alle Fälle wert. Schlichte Verurteilung hingegen nicht!

    Comment by nn — 14. Februar 2010 @ 14:04

  3. Jolly Rogers,

    Kommentare wie Ihrer zeigen symptomatisch, warum das Buch “Unter Linken” dringend ueberfaellig war. Sie haben nicht das Geringste zur Diskussion beizutragen, glauben aber, dies mit viel Gezeter und zelebrierter Entruestung mehr als wettmachen zu koennen.
    Ich kenne Sie nicht persoenlich und unterstelle Ihnen daher nichts. Im Gegenteil, ich nehme zu Ihren Gunsten an, dass Sie das nicht bewusst machen. Sie haben sich einfach einer Diskussionskultur angepasst, in der genau diese Masche fast immer funktioniert und honoriert wird.

    Comment by Kristian Niemietz — 19. Februar 2010 @ 12:50

  4. Wenn Politiker, ob sie nun Westerwelle, Schröder, Clement oder Koch heißen, immer wieder davon reden, dass die HartzIV Empfänger ja gar nicht arbeiten wollen, klatschen alle Stammtischbrüder dieser Republik, ob sie nun Fleischhauer oder sonstwie heißen, in ihre schwieligen Arbeiterhände und schreien: “genau”. Was dabei völlig unter den Tisch und aus den Augen fällt ist, dass dieses undifferenzierte Gerede durch endlose Wiederholung auch nicht wahrer wird. Mit diesen Sprüchen werden die Armen in dieser Gesellschaft bekämpft und nicht die Armut. Aber genau das ist doch der eigentliche Job von Politikern – oder? Es geht dabei also überhaupt nicht um die HartzIV Empfänger. Sie werden nur als Feindbilder aufgebaut, um die Sympathien der Arbeitsstellenbesitzer als Wähler für sich, den einzelnen Politiker, zu gewinnen. Missbraucht sind am Ende beide Wählergruppen – die Jobinhaber und die Arbeitslosen – aber um das zu verstehen muss man seine Hirnwindungen etwas besser verdrahtet haben, als das nun mal an Stammtischen gelingt.

    Comment by Eckhard Kehrein — 19. Februar 2010 @ 23:38

  5. Lieber Herr Kehrein,
    es stimmt, undifferenziertes Gerede wird durch endlose Wiederholung nicht wahrer. So undifferenziert ist es etwa, wenn Sie die Aussagen von Westerwelle und anderen Politikern gezielt missverstehen. Diese haben nicht allen HartzIV-Empfängern pauschal Arbeitsunwilligkeit vorgeworfen, sondern es geht ihnen darum, die gesetzlichen Sozialsysteme so auszugestalten, dass Sie nicht ausgenutzt werden können. Aber schon diese Differenzierung zwischen verschiedenen Perspektiven ist offenbar für die Verdrahtung jedenfalls mancher Gehirnwindungen eine zu viel.

    Comment by Ulrich Wackerbarth — 22. Februar 2010 @ 13:51

  6. Mindestens einmal im Jahr sollte eine “maximale Distanzierung” in Bezug auf ein x-beliebiges Thema drin sein.

    Das gehört einfach zum guten Ton der Grünen.

    Comment by McGregor — 24. Februar 2010 @ 18:28

  7. Ja verdammt, sie haben absolut genau Recht!

    Doch in der großen linkslastigen Medienpolitik hat man einen “Hitler gebaut”, wenn man sowas Selbstverständliches ausspricht.

    Comment by Bre — 5. April 2010 @ 23:56

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel.

Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.