Doppelmoral

Alles zu seiner Zeit

Nach zwölf Wochen Missbrauchsdebatte hat es nun doch einen deutschen Bischof erwischt, allerdings nicht wegen Unzucht mit Minderjährigen, sondern wegen ein paar Ohrfeigen und einem allzu laxen Umgang mit Kirchengeldern.

Zu einem entsprechenden “SPIEGEL Online”-Kommentar zur “Inflation der Opfererzählungen” findet sich auf dem anschließenden “SPIEGEL-Forum” der Beitrag eines Lesers, der nicht unterschlagen werden soll. Der namenlose Autor fragt sich darin, warum manche Missetaten offenbar aus ihrer Zeit heraus verstanden werden müssen (womit sie entschuldigt sind), während für andere keine solche Verjährungsfrist gilt:

“Wie kann es sein, dass Joschka Fischer, der einst Steine auf Polizisten warf, hoch angesehen ist und Bischof Mixa in der öffentlichen Meinung hinter Dieter Bohlen steht? Bei Fischer hat man damals eingewandt, es sei alles lange her. Die Linke hat jede Erinnerung an seine Straßenkämpferzeiten als rechtes Komplott angesehen. Einverstanden, jeder hat das Recht sich zu ändern. Warum ist dann aber eine Watschn und ein Stich fürs Waisenhaus, alles über 15 Jahre her, schlimmer als das Steinewerfen? Der religionspolitische Sprecher der bayrischen Grünen hat heute gefordert, Mixa das Gehalt, das der bayrische Staat zahlt, zu streichen. Wenn die Taten auch strafrechtlich verjährt seien, so seien sie “politisch noch nicht verjährt”. Sollte man dann nicht auch Joschka Fischer die Ministerpension streichen?”

Interessanter Punkt.

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3 Kommentare

  1. Die Neigung des Genossen Fischer zur körperlichen Selbstbehauptung wurde im Dienste der Befreiung des Menschen von der Ausbeutung durch den Menschen ausgeübt und außerdem von der regressiven Staatsmacht im faschistischen westdeutschen Staat provoziert.

    Alleine schon das macht einen wesentlichen Unterschied zu den kriminellen Gewaltakten des reaktionären Bischofs aus.

    Außerdem hätte sich niemand aufgeregt, wenn Mixa wahrhafte Kunstsinnigkeit bewiesen hätte und zeitgemäße, fortschrittliche Kunst wie zB von Otto Mühl oder Annie Sprinkle angesammelt hätte.

    Aber so? Nö. Der Übersiebnungseid der fortschrittlichen Kräfte war gültig und ersetzt eine Untersuchung, wie sie kleinbürgerlichen Korinthenkackern vorschwebt, die mit ihrer Forderung nach rechtsstaatlichen Prinzipien oder einer Unschuldsvermutung die Opfer noch einmal misshandeln.

    Lobenswert ist einzig der Gratismut von Mixas Bischofskollegen: http://bluthilde.wordpress.com/2010/04/23/mut-muss-gratis-bleiben-gegen-den-regressiven-heldentumsbegriff/

    Comment by harrytisch2009 — 23. April 2010 @ 16:50

  2. die deutsche Gesellschaft und insbesondere die Justiz sind bei den alten Sünden linker Kämpfer eben sehr milde:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2010/04/18/tourist-oder-terrorist/

    Comment by Aron Sperber — 25. April 2010 @ 11:26

  3. Der religionspolitische Sprecher der bayrischen Grünen hat heute gefordert, Mixa das Gehalt, das der bayrische Staat zahlt, zu streichen.

    Diese Forderung von Frau oder Fräulien Ulrike Gote (Grüne) beruhte auf der Aussage, daß „der bayerische Ministerpräsident eine Art Vetorecht bei der Ernennung eines Bischofs habe“. Das ist eindeutig (siehe Link) nicht der Fall. Gote hat also gelogen, ist daher nicht mehr tragbar und sollte vom Amt als religionspolitischen Sprecherin der bayerischen Grünen zurücktreten, um einer Erneuerung der bayerischen Grünen nicht länger im Weg zu stehen.

    Comment by Antifo — 29. Mai 2010 @ 06:52

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