Gleichstellung

Neues zur Geschlechterdebatte

Wer über Diskriminierung in Deutschland redet, landet irgendwann nahezu unweigerlich beim Thema Geld. Kaum eine Diskussion über Geschlechterfragen, in der nicht das Einkommensgefälle zwischen Männer und Frauen zur Sprache kommt: Dass Frauen bei vergleichbarer Tätigkeit laut Statistik etwa 12 Prozent weniger verdienen als Männer, gilt gemeinhin als Beweis für die Ungerechtigkeit der patriarchalisch dominierten Gesellschaft und damit als Grund für alle möglichen Gleichstellungsprogramme.

Das Deutsche Institut der Wirtschaft hat vergangene Woche eine Studie vorgelegt, die  geeignet ist, unseren Blick auf diesen Teil der Geschlechterdebatte zu ändern (und die deshalb von vielen Medien auch nicht weiter zur Kenntnis genommen wurde). Die Wissenschaftler kommen zu dem überraschenden Befund, dass Frauen mit weniger Gehalt zufrieden sind als ihre männlichen Kollegen, ja, dass sie diese Ungleichbezahlung sogar als gerecht empfinden. Bislang ging man selbstverständlich davon aus, dass es die Unternehmen sind, die ihre weiblichen Arbeitnehmer bei Gehaltsverhandlungen drücken, was im Umkehrschluss staatliches Eingreifen nötig macht. Nun scheint es so, als ob Frauen selber einen gehörigen Anteil daran haben, dass sie bei gleicher Tätigkeit weniger verdienen als Männer. Die Forscher selber sprechen von einem Rätsel.

Eine Möglichkeit ist, die Erklärung in einem geringeren Selbstwertgefühl von Frauen zu suchen: Weil sie sich von der Gesellschaft abgewertet sehen, glauben sie, dass ihnen auch im Beruf weniger zusteht.  Das wäre die systemkonforme Analyse, die Frauen vorzugsweise als Opfer beschreibt. Man kann sich aber auch fragen, ob sich in dem Gehaltsverzicht nicht eine realistische Sicht auf die eigene Leistungsbereitschaft ausdrückt, oder sagen wir lieber: den Willen zur Selbstauslieferung.

Frauen verfolgen neben der Arbeit häufig noch andere Interessen, ein Leben mit Kindern und Familie zum Beispiel, auch deshalb sind ihre Berufsbiographien zwangsläufig unregelmäßiger als die von Konkurrenten, die nur das eigene Fortkommen im Kopf haben. Es ist eine kluge und zudem lebensverlängernde Entscheidung, sich seinem Arbeitgeber nicht mit Haut und Haaren zu verschreiben; die selbstschädigenden Folgen männlicher Aufstiegssucht sind an nahezu jeder Medizinstatistik zu stressbedingten Erkrankungen ablesbar. Nur kann man dann anderseits eben nicht erwarten, dass man mit derselben Geschwindigkeit Karriere macht wie jemand, der dem Unternehmen rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Es scheint so, als ob Frauen, die im Erwerbsleben stehen, dies als Tatsache des Lebens klaglos akzeptieren. Ein Problem haben damit all diejenigen, die einen Beruf daraus gemacht haben, Frauen zu fördern, die im Berufsleben stehen.

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7 Kommentare

  1. Ich bilde als Rechtsanwalt regelmäßig Rechtsreferendare aus. Ungefähr fünfzehn bis zwanzig müssen in den letzten Jahren bei mir gewesen sein, etwa je die Hälfte Männer und Frauen. Die Frauen stellen ja mittlerweile die Mehrzahl der abschließenden Juristen. Die Frauen sind für den Juristenberuf sehr geeignet, kein männlicher Jurist, sei er auch noch so konservativ, würde das in Abrede stellen.

    Es ist als Jurist aber so, dass man in der Regel als Rechtsanwalt am besten verdient. Danach kommt vom Verdienstniveau eine Tätigkeit in der Wirtschaft. Am schlechtesten bezahlt ist eine Tätigkeit beim Staat, als Richter, als Staatsanwalt oder in der Verwaltung. Genau umgekehrt dürfte es mit der Arbeitsbelastung sein. Dazu bieten die Stellen im öffentlichen Dienst auch eine enorme Arbeitsplatzsicherheit.

    Wie äußert sich das bei den jungen Juristinnen? Obwohl ich immer wieder sehr gute Referendarinnen bekomme, habe ich bisher noch eine Referendarin auszubilden, die freiwillig den lukrativen, aber stressigen Anwaltsberuf ergreifen würde. Alle Referendarinnen, die ich jemals hatte, ziehen eine Stelle als Beamtin oder Richterin vor. Wenn es dazu nicht reicht, weil die Noten nicht gut genug sind, streben sie einen Platz in der Wirtschaft an. Wenn doch einmal eine als Anwältin anfängt zu arbeiten, dann immer mit dem erklärten Willen, die Mühle ein paar Jahre mitzumachen, um anschließend für eine Einstellung in einem Unternehmen interessant zu werden.

    Diese persönliche Erfahrung bestätigt genau das, was JF sagt. Frauen verzichten freiwillig auf die Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten, um ein geruhsameres und besseres Leben führen zu können und das in einer Branche, wo keiner mehr auf die Idee käme die Frauen zu diskriminieren.

    Diese in der freien Wirtschaft einfach zu beobachtenden Zusammenhänge werden in der Politik deswegen nicht bemerkt, weil eine Politikerkaste am Ruder ist, die die freie Wirtschaft nur vom Hörensagen kennt und daher Diskriminierung sieht, wo es in erster Linie um freiwillige (und vernünftige) Entscheidungen von Frauen geht.

    Comment by Georg Misdroy — 13. Juli 2010 @ 21:02

  2. Es wird alles noch viel schlimmer, weil jetzt auch noch die Juristen mitmachen… (siehe meinen Blogbeitrag oben).

    Comment by Ulrich Wackerbarth — 16. Juli 2010 @ 14:51

  3. in der Politik deswegen nicht bemerkt, weil eine Politikerkaste am Ruder ist, die die freie Wirtschaft nur vom Hörensagen kennt und daher Diskriminierung sieht, wo es in erster Linie um freiwillige (und vernünftige) Entscheidungen von Frauen geht.

    Darüberhinaus haben sich die Frauen, vor allem für die linke Seite des politischen Spektrums, als perfekte Mündel erwiesen. Das linke Spektrum braucht Opfergruppen für die eigene Existenzberechtigung und moralische Überhöhung um die Argumente des politischen Gegners von vornherein diskreditieren zu können und sich einer argumentativen Auseinandersetzung zu entziehen.

    Gleichzeitig schafft der Opfermythos eine Vielzahl Jobs in der “Helferindustrie” (oder: sozialpädagogischer Komplex), angefangen bei den Gleichstellungsbeauftragten, Frauenberatungsstellen, Frauengesundheitszentren, Gender-Studies”Forschungen” oder Gender-Seminare.

    Die Männer werden zu Feinden erklärt, die mit nebulösen gläsernen Decken die Frauen diskrimminieren. Die einfache Frage,warum Unternehmer so dumm sind und noch Männer einstellen, wenn sie für die gleiche Leistung Frauen weniger bezahlen müssen, wird in der mittlerweile gesamten feministischen Mainstreampresse nicht gestellt. Auch wird die Tatsache, dass Frauen in vernachlässigbarer Zahl, im Vergleich zu den Männern, Unternehmen gründen nicht erwähnt, was auch ein Indiz für die Neigung der Frauen zu wirtschaftlicher Betätigung ist.

    Die Seriosität der “Studien”, die die Gehaltsdiskrimminierung beweisen sollen ist mit haarsträubend noch wohlwollend umschrieben:

    Bei den gleichen Voraussetzungen werden sämtliche Studiengänge als “Studium” betrachtet und sich im Ergebnis darüber gewundert, dass eine Sozialpädagogikabsolventin nicht in den Vorstand von Mercedes-Benz kommt und dazu im Vergleich der Ingeniuer mehr verdient.

    Darüberhinaus werden folgende Faktoren in der Regel nicht berücksichtigt: Überstunden, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit und Berufserfahrung in der Branche, Gefahren- und Wochenendzuschläge, Teilzeit

    So erklärt sich dann schlüssig die angebliche “Diskrimminierung der Frauen”, die zur Hälfte aus Marktentscheidungen basiert und zur anderen Hälfte aus den persönlichen Entscheidungen der Frauen.

    Comment by Frauenbeauftragter — 16. Juli 2010 @ 22:49

  4. 100% erfaßt, Frauenbeauftragter. Wer diese Sorte “Studien” (Hans-Böckler-Institut!) in Auftrag gibt, weiß natürlich schon verher, was unterm Strich herauskommen soll – die geringe, nicht erklärbare Lohn-Restdifferenz muss einfach “Diskriminierung” sein! Die Journalisten, die monatlich immer wieder den gleichen Quark repetieren, werden ja auch nicht für das Lesen der sperrigen 60 Seiten bezahlt – da würde ihnen vielleicht sogar ein Licht aufgehen – sondern fürs auf- bzw. abschreiben der vermeintlichen Essenz.

    Over all: Peinlich.

    Comment by claude — 22. Juli 2010 @ 01:52

  5. Interessante Meinungen – aber aus meiner “weiblichen Studentinnensicht”: ich studiere auf Lehramt. Wenn ich dem Gedankengang folgen würde tue ich das um später besser Kinder in mein Leben integrieren zu können. Leider muss ich wiedersprechen: deswegen tue ich es nicht! Ich liebe meine Fächer und arbeite gerne mit Kindern. Das würde ich auch ohne mögliche Verbeamtung tun wollen. Und sein sie sich sicher, dass ich nicht weniger Geld haben wollen würde als Kollegen.
    Ich finde der Aspekt, dass Frauen immernoch als zuständig für die Kindererziehung gesehen werden und die schlechten Kinderbetreuungangebote in Deutschland sind ein wichtiger Punkt, den man nicht einfach außer Acht lassen kann. Ich bin kein Freund von Innen und weiteren Anstrengungen – aber mit dem bestehenden Verständnissen von Kindererziehung und Lebensläufen ist es doch kein Wunder, dass sich die Lage so ergibt. Tut mir leid, da greift ihre Analyse für meinen Geschmack zu kurz.

    Comment by Kerstin Knaup — 25. September 2010 @ 21:08

  6. Und eine Anmerkung die ich mir nicht verkneifen kann: wenn mein 25-jähriger Freund mit archaischen Ansichten ankommt, will ich nicht wissen welche Grundeinstellung die Herren vor mir vertreten… ob die angesprochenen Damen sie als Machos verurteilen – oder sie Gleichberechtigung direkt mit agressiven Feministinnen gleichsetzen – da haben meiner Meinung nach beide nichts verstanden…!

    Comment by Kerstin Knaup — 25. September 2010 @ 21:13

  7. Hallo Frau Knaup,
    Ich würde gerne meine “männliche Studentensicht” der Dinge darlegen.
    Der von ihnen beschriebene Sachverhalt, dass Kindererziehung immer noch als Frauenarbeit angesehen wird hat meiner Meinung nach unter anderem auch damit zu tun, dass es hier rechtlich keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gibt. Solange Männer Elternteile zweiter Klasse und bei Sorgerechtsstreitigkeiten praktisch chancenlos sind ist es schwer zu erwarten, dass sie beruflich zurückstecken. Schließlich würden sie im Trennungsfall der Erwerbsobliegenheit unterliegen und müssten die Kinder, unter Umständen auch die Kindesmutter allein Versorgen. Solange also die Rolle des Familienernährers quasi per Gesetzt immer noch als reine Männerarbeit angesehen wird ist klar, dass nicht viele Männer Teilzeitarbeiter werden.

    Wenn sie ein Kind bekommen wissen Frauen, dass es bis zum Erwachsenenalter mit ihnen zusammenleben wird (das ist wohl auch der Grund warum man überhaupt Kinder bekommt). Als Mann muss ich davon ausgehen, dass mein Kind im schlimmsten Fall irgendwann einen anderen Menschen Papa nennt, ich es aber bis zum 18. Geburtstag allein finanzieren muss. Väter als Erzieher ihrer Kinder rechtlich gleichstellen (nicht nur alle 14 Tage mal einen 2 tägigen Besuch, sondern Umgang in gleichem Maße wie die Kindesmutter) und Frauen als Ernährer (Unterhaltszahler) in die Pflicht nehmen könnte das von ihnen geschilderte Problem also mildern. Zumal dann auch Männer ein großes interesse an Kinderbetreuung hätten. Allerdings verteidigen Frauen ihre Privilegien genauso archaisch wie Männer.

    Dazu kommt meiner Meinung nach noch ein zweiter wichtiger Grund warum Männern viel an einer gut bezahlten Vollzeitstelle gelegen ist. Sie ist mit sozialem Status verbunden und der bedeutet Männern auch deshalb so viel weil er für Frauen bei der Partnersuche ein wichtiges Kriterium ist. Auch statistisch kann gezeigt werden das Frauen im sozialen Status tendenziell nach “oben” heiraten. Deshalb ist der soziale Status für Männer unheimlich wichtig und sie nehmen dafür auch stressige Jobs in Kauf. Während sie ja selbst sagen, dass für sie die Liebe zu ihrem Beruf im Vordergrund steht. Wenn Frauen ab morgen kinderliebe Geringverdiener anhimmeln, bin ich mir sicher dass sich die Männer in ihrem Verhalten auch sehr schnell ändern würden.

    Ich möchte damit sagen, dass durch das enge Zusammenleben das Verhalten des einen Geschlechts immer auch sehr stark durch dass andere beeinflusst wird. Deshalb müssen sich auch Frauen ein bisschen mehr an die eigene Nase fassen.

    Was mich aber besonders stört ist, dass wenn Männer in manchen Statistiken scheinbar erfogreicher sind als Frauen, dies immer als Skandal betrachtet wird der nur durch Diskrimminierung zustande kommen kann und möglichst durch Quote beseitigt werden muss. Umgekehrt wird aber kaum wahrgenommen, dass auch die ganz großen Verlierer meist in der Mehrzahl männlich sind.( Obdachlose, Gefängnisinsassen, Selbstmörder, Drogentote, Schulabbrecher ….)zumindest empfindet dies niemand als Skandal es wird wohl nach Meinug der meisten Menschen eh alles privat verschuldet sein. Das ist meiner Meinung nach eine ziemlich archaische Doppelmoral, nach dem Motto Frauen willenlos – passiv hilfsbedürftig und immer bemitleidenswert unschuldig, Männer an allem immer selber schuld und wenn erfolgreich dann nur weil sie üble Unterdrücker sind.

    Comment by Ronin3x — 11. Januar 2011 @ 00:30

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