Sozialstaat

Wider die Stigmatisierung

Normalerweise haben die Sachwalter des Sozialen ein nahezu grenzenloses Vertrauen in das segensreiche Wirken des Staates. Für sie gibt es eigentlich kein Problem, das sich nicht mit der richtigen Betreuung und einem ordentlichen Sozialprogramm aus der Welt schaffen oder jedenfalls verkleinern ließe. So gesehen ist es einigermaßen verblüffend, dass nun ausgerechnet ein Argument der Sozialpolitiker gegen die von der Bundesarbeitsministerin vorbereiteten Hartz-IV-Reform lautet, sie sei zu „bürokratisch“, man solle vielmehr eher auf die Eigenverantwortung der Menschen setzen.

Ursula von der Leyen will für Kinder in Hartz-IV-Familien eine Reihe von staatlichen Leistungen nicht mehr als Geld, sondern als Gutscheine ausgeben. Sie folgt dabei dem durchaus einsichtigen Gedanken, dass ein Gutschein für eine Klavier- oder Schwimmstunde der einfachste Weg ist um sicherzustellen, dass diese Förderung auch tatsächlich dem Nachwuchs zugute kommen und nicht in der Haushaltskasse der Eltern verschwindet. Das Bundesverfassungsgericht, das die Überarbeitung der Hartz-IV-Sätze vor ein paar Monaten bei der Regierung in Auftrag gab, hat diesen Weg übrigens ausdrücklich gewiesen. Auch die Richter in Karlsruhe sind sehr wohl zu praktischer Lebensklugheit in der Lage.

Im Grunde sind sich alle einig, die etwas von der Sache verstehen, beziehungsweise einmal in dem Milieu unterwegs waren, für das sie ständig sprechen. Nur im Lager der Sozialpolitiker sieht man die Dinge offenbar ganz anders, und das parteiübergreifend. Die bayrische CSU-Sozialministerin Christine Harderthauer findet Gutscheine für Hartz-IV-Empfänger “diskriminierend” und sieht in ihnen “ein kollektives Misstrauensvotum gegen Langzeitarbeitslose”, wie sie jetzt zu Protokoll gab. “Ein Gutscheinsystem birgt die Gefahr, dass es bürokratisch wird und stigmatisierend wirkt”, sagt Manuela Schwesig, in Mecklenburg für die SPD für das Soziale zuständig.

Für die deutsche Bischofskonferenz hat ihr Sprecher, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, schon vergangene Woche erklärt, dass er die Sätze grundsätzlich für viel zu niedrig halte und zudem “sehr skeptisch” sei, was die Pläne der Arbeitsministerin angingen, weil “damit die Verantwortung der Eltern nicht  wirklich ernst genommen wird”. Wie Zollitsch die Kinder aus Unterschichtshaushalten davor schützen will, dass die Eltern das für die Förderung der Jugend bestimmte Geld bildungsfernen Zwecken zuführen, bleibt sein Geheimnis, aber die Bischofskonferenz ist schon lange von dem Wunsch beseelt, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen, und den vermutet sie mehrheitlich links.

Was die Sozialpolitiker in Wirklichkeit als stigmatisierend empfinden, ist der Hinweis darauf, dass Sozialtransfers kein normales Einkommen sind, sondern immer noch Leistungen, für die andere gerade stehen müssen. Konsequent sind deshalb schon seit langem Begriffe wie “Almosen” oder “Alimentation” aus dem Sozialdeutsch getilgt. In solchen Worten ist noch die Erinnerung wach, dass es sich bei einer Reihe staatlicher Transfers im Kern eben darum handelt: um wohltätige Gaben an Bedürftige, die zu keinem eigenständigen Leben in der Lage sind. Die Frage ist allerdings, ob es wirklich so schlecht ist, hin und wieder darauf hinzuweisen, dass ein Leben auf Kosten anderer nicht die Normalität sein sollte.

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20 Kommentare

  1. ich finde auch, dass man darauf hinzuweisen sollte, dass ein Leben auf Kosten anderer nicht die Normalität ist. Früher war eine solche Ansicht normal. Keiner wollte dem Steuerzahler zu Last fallen. Es wurden Jobs angenommen, die viele Arbeitslose heutzutage nicht annehmen. Eine Lehre zu machen, war eine Selbstverständlichkeit und nicht wie heute etwas, was mit der Stütze verglichen wird. Hätten unsere Bürger heutzutage noch die Einstellung früherer erfolgreicher Zeiten, dann würden zwar nicht alle Arbeit finden, jedoch würden sich Steuern und Abgaben sozial verträglicher gestalten, nämlich für diejenigen, welche die Lügenmärchen der Politiker per Steuerdekret finanzieren müssen. Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber die Produktiven haben auch Rechte.

    Comment by Rainer Lang — 12. August 2010 @ 20:57

  2. Die mächtige Lobby, die vorgibt, für die Würde der “Ärmsten der Armen” zu kämpfen, ist immer wieder beeindruckend…

    Comment by uniquolol — 13. August 2010 @ 04:38

  3. Es wäre schön, wenn beim Thema Sozialtranfer nicht immer die gleiche Leier georgelt werden würde: dem Publikum Sand in die Augen streuen.

    Ein einfacher Blick in die Empfängerliste des EU-Agrarfonds zeigt, dass diejenigen, die über ausreichend Besitz, Geld und meistens Land verfügen, also Vermögende, sich dort freimütig aus öffentlichen Mitteln bedienen.

    So zeigt z. B. die Suche für den Ort Neuenkirchen (PLZ 48485) für das Jahr 2009 142 gefundene Datensätze, also Zahlungen. Diese Zahl entspricht in etwa der Anzahl dort existierender landwirschaftlicher Betriebe. D. h. kein Landwirt hat nicht Subventionen erhalten; keine Subvention lag im Schnitt monatlich unter dem Hartz 4 Satz von ca. 345 €uro, sondern, – ausgerechnet am Buchstaben B (also der Durchschnitt für alle Empfänger, die mit dem Buchstaben B beginnen), im Schnitt bei monatlich ca. 700 €uro.

    Da wundert es auch nicht, dass der Millionär und Gutsbesitzer Graf Rantzau aus Rastorf in Schleswig Holstein im Jahr 2009 exakt 110.963,75 €uro Agraförderung eingestrichen hat, d. h. ein monatliches Adels-Hartz 4 in Höhe von 9246,98 €uro kassieren durfte. – So lässt es sich leben!

    (Die Gesamthöhe entspricht übrigens 26 Monaten monatlichen Regelsatzzahlungen von Hartz 4 von ca. 345 €uro.)

    Und warum sollte bei der Höhe dieser Förderung das gräfliche Vermögen berücksichtigt werden wie umgekehrt das private Vermögen bei Hartz IV Zahlungen Berücksichtigung findet?

    Interessant bspw. auch der Landkreis Altötting!

    Also, zum Thema konservative Propaganda gibt es nur einen möglichen Rat an F.: Let it be!

    Info:http://agrar-fischerei-zahlungen.de/Suche

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 13. August 2010 @ 17:31

  4. Und, nachgerechnet? – Es sind natürlich 26 Jahre Hartz IV, gezahlt in EINEM Jahr!

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 13. August 2010 @ 17:35

  5. Soweit zum Thema “Leben auf andere Kosten!”

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 13. August 2010 @ 17:36

  6. J.F. hat 100%ig recht!Zollisch,die Gewerkschafts-und SPD-Trutschen wissen überhaupt nicht wie es in der Unterschicht zugeht.Einmal vor Ort und die Herrschaften wären vom System der Gutscheine ganz schnell überzeugt!

    Comment by hans — 13. August 2010 @ 21:06

  7. Ja, Herr Markus Graf Rosenfeld,

    noch ein Grund – wenn auch ein marginaler – Subventionen und Hartz4 endlich einzuschränken.

    Comment by Eliteparasit — 14. August 2010 @ 11:22

  8. Hallo Herr Rosenfeld,

    das von Ihnen aufgeführte Beispiel ist sicherlich auch empörend, aber meinen Sie nicht, dass Sie da Äpfel mit Birnen vergleichen. Der Agrarfonds ist doch eine ganz andere Baustelle. Außerdem finde ich, dass der Sache nicht gedient ist, wenn man alleine die verursachten Kosten vergleicht, Banker gegen Hartz-IV-Empfänger aufrechnet oder so. Klar, sind die Kosten, die so ein “Landjunker” oder ein Hedge-Fonds-Manager der Gesellschaft aufbürden numerisch größer, doch sind die sozialen Kosten, die entstehen, wenn jemand jahrelang ausschließlich Transferleistungen als “Grundeinkommen” bezieht nicht zu unterschätzen. Aus eigener Anschauung weiß man, dass solche Leute oft zu nichts Produktivem mehr zu gebrauchen sind und die einfachsten Regeln des Zusammenlebens nie gelernt haben. Diese Defizite schätze ich persönlich noch viel höher ein als die reine Unkostenbilanz, und ich fühle mich dabei noch nicht mal als Konservativer.

    Schönen Grüße aus Köln

    Comment by Marco Wehr — 16. August 2010 @ 15:34

  9. “[...]Klar, sind die Kosten, die so ein “Landjunker” oder ein Hedge-Fonds-Manager der Gesellschaft aufbürden numerisch größer, doch sind die sozialen Kosten, die entstehen, wenn jemand jahrelang ausschließlich Transferleistungen als “Grundeinkommen” bezieht nicht zu unterschätzen. Aus eigener Anschauung weiß man, dass solche Leute oft zu nichts Produktivem mehr zu gebrauchen sind und die einfachsten Regeln des Zusammenlebens nie gelernt haben. Diese Defizite schätze ich persönlich noch viel höher ein als die reine Unkostenbilanz, und ich fühle mich dabei noch nicht mal als Konservativer.[...]”

    Auweia, das tut ja richtig weh was hier manche vom Stapel lassen. Da scheint die “eigene Anschauung” wohl durch die ein oder andere Propaganda (man denke nur an Herrn Westerwelle) beeinflußt worden zu sein.

    Traurig …

    Comment by KneifMichMal — 18. August 2010 @ 09:26

  10. Lieber Herr Wehr,

    leider haben Sie die Argumentation und deren Verlauf nicht verstanden: Der F. hatte den zu lang anhaltendem Gähnen geeigneten Versuch unternommen, die Kosten der Hartz IV Empfänger gegen diese zu verwenden. Mit der abgeschmackten Stammtischparole, dass diese “auf Kosten anderer” lebten. Das ist leider nichts weiter als beinharte Proppaganda, die zu allem Überfluss mit Analysen einer bisher nicht bekannten Sprachvarietät, nämlich des “Sozialdeutsch” illustriert wird.

    Der Begriff stammt meiner Kenntnis nach von den Lohnschreibern der INSM bzw. des Centre for The New Europe ((CNE) wie beispielsweise Wilfried Prewo (board of CNE), der sein Buch von Hardy Bouillon (staff of CNE) in der FAZ rezensieren ließ; seine Verwendung ist nichts weiter als ein Hinweis darauf, aus welchen Quellen sich Herrn F.´s Kenntisse speisen bzw. wie sich das Propagandakarussel der ewig Gestrigen gegenseitig befruchtet…

    Es ist schließlich allseits bekannt, dass mit der Abschaffung der Arbeitslosenhilfe und der Einführung einer Grundsicherung unterhalb des ehemaligen Sozialhilfeniveaus, indem staatliche Einmal-leistungen der Sozialämter durch unzureichende Pauschalen ersetzt wurden und der Verringerung des Schonvermögens bei Langzeitarbeitslosen eine verheerende Armutsspirale in Gang gesetzt wurde.
    (Tipp: fragen Sie bei den lokalen Amtsgerichten nach der Anzahl laufender Hartz IV-Verfahren).

    Damit hören die Zumutungen für Bezieher des Arbeitslosengelds II übrigens nicht auf, denn mit der ökonomischen Entmachtung geht eine gravierende Entrechtung einher. De facto nähert man sich durch die exponentielle Ausweitung der Zumutbarkeits-kriterien für Arbeit hart der Grenze zur Zwangsarbeit an. Die Alg-II-Bezieher bewegen sich nicht mehr als Rechtssubjekte, als Staatsbürger in der Gesellschaft, sondern werden zu reinen Pflichterfüllern degradiert. Sie sind auf den Status von Metöken und Heloten herabgesunken und werden – von Politikern wie Wolfgang Clement als “Parasiten” beschimpft – und an dieser öffentlichen Hetzjagd beteiligt sich der F.

    Darum ging es, zu zeigen, dass selbst verordnetes, konservatives Auftragsgeschreibe aus der Feder des F. nichts anderes ist als Propaganda und Hetzjagd, die auf F.´s konservativer Haltung beruht, die im Kern einen Sozialstaat, der diesen Namen verdient, zutiefst ablehnt, vorgeblich wegen Globalisierung und all dem anderen Propagandageschmonz, in Wahrheit weil der arme sonst seine frisch erworbene Identität als Konwervativer mit verlieren würde.

    (Der Journalist Wolfgang Clement spricht sich übrigens gegen die Einführung eines menschenwürdigen Mindestlohns aus und sitzt gleichzeitig im Board der Leiharbeitsfirma adecco, – das passt doch. Die geringfügigen Arbeitsverhältnisse werden übrigens bereits in 10 Jahren zu verstärkter Altersarmut führen.)

    Schließlich bleibt F. die Antwort auf die Frage schuldig, warum eine adelige Apanage in Höhe von knapp 10.000 € monatlich, gezahlt an einen millionenschweren Gutsbesitzer, nicht unter das Thema “Leben auf anderer Kosten” fällt, warum diese Zahlungen nicht an Bedingungen geknüpft sind wie etwa das Einrichten von mindestens 10 sozialversicherungspflichtigen 400 € Jobs (Fahrer des gräflichen Jaguar, in der Gärtnerei, in der Küche, als Jagd- und Waldpfleger usw., usf.), oder warum der Verkauf leerstehender Immobilien, die sich im Besitz des Grafen befinden, nicht vor der Subventionierung zu erfolgen hat.

    So, jetzt aber runter in den Weinkeller: der 2004er Leone de Castris Salice Salentino Riserva Donna Lisa DOC – 0,75 Liter muss geöffnet werden, denn ich erwarte heute abend Gäste.

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 18. August 2010 @ 09:52

  11. Lieber Herr Rosenfeld, zu Subventionen kann man stehen wie man will, sie aber mit Hartz IV zu vergleichen -wobei die einzige Referrenz die Höhe der Zahlung ist-, dazu gehört schon ein ganz gediegener Sockenschuss. So bekommt Herr Rantzau diese Subventionen für eine vom Gesetzgeber gewünschte Leistung und nicht für seine blosse Existenz. Dies zusätzlich zu der schon bestehenden Ueberregulierung im Agrarbereich mit zusätzlichen Bedingungen zu belasten, wäre erstens kontraproduktiv, da teurer, und zweitens würde es sofort den Herrn Rosenfeld auf den Plan rufen, der sich darüber aufregt, dass man dem Herrn Rantzau den Chauffeur, Koch oder Gärtner sponsort, wo der Herr Rantzau doch Millionär sei.
    Zum Schluss wie immer, Herr Rosenfeld: erst schreiben, dann saufen.

    Comment by max — 25. August 2010 @ 12:19

  12. Lieber Max, Sie haben das Problem nicht verstanden: warum muss Graf Rantzau, bevor er gefördert wird, nicht sein eigenes Vermögen verbrauchen, das zweifelsohne da ist?

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 19. September 2010 @ 09:14

  13. Lieber Herr Rosenfeld,

    “Harz IV Empfänger leben auf Kosten anderer” ist eine Aussage, die einen Zustand beschreibt: Jemand konsumiert Leistungen, die ihm vom Staat gewährt werden. Um die Leistungen gewähren zu können, zahlen andere Steuern an den Staat. Beinharte Propaganda? Nein, nur eine nüchterene Bestandsaufnahme, an die sich dann eine Diskussion über soziale Verantwortung anschliessen könnte. Könnte, denn wie wollen Sie ernsthaft und aufrichtig darüber diskutieren, wenn Sie schon eine Tatsachenfeststellung niederbrüllen?

    p.s.: mutig sind Sie ja…..

    Comment by Graf Koks — 22. September 2010 @ 15:04

  14. Lieber Herr Rosenfeld, glauben Sie mir, ich habe Ihr Problem schon verstanden. Das hat allerdings wenig mit Herrn Rantzau zu tun. Aber nochmals, extra für Sie: Können Sie den Unterschied zwischen jemandem, der für eine vom Staat gewünschte Leistung Subventionen bekommt, und jemandem, der fürs Nichtstun Geld bekommt erkennen? Geht das?

    Comment by max — 25. September 2010 @ 17:31

  15. Aberaber, lieber max… seit wann bekommt man die Stütze denn fürs “Nichtstun”. Bekanntlich sind an die Leistungen nach SGB eine Unmenge an Tätigkeiten gebunden, wie Formulare ausfüllen, Bewerbungen vorlegen, Kontoauszüge einreichen, Fristen beachten, Sachbearbeitern in den Hintern treten, Sozialrechtsanwälte besuchen, usw. usf.
    Der Sozialschmarotzer ist eine Erfindung der Springerpresse und der dort “arbeitenden” Schmierfinken, die sich selbst als Journalisten bezeichnen.

    Comment by wastl — 27. September 2010 @ 00:25

  16. Meine Herren,
    eine nette Geschichte von David R.Kamerschen,PhD;Prof.d.Ökonomie,Univ.of Georgia:

    -Titel: Steuererleichterung in der Praxis

    Es waren einmal 10 Männer,die jeden Tag miteinander zum Essen gingen
    und die Rechnung für alle zusammen betrug jeden Tag genau 100,-€.

    Sie zahlten Ihre Rechnung so, wie Sie auch Ihre Steuern zahlten:
    -4 Gäste (die Ärmsten) zahlten nichts.
    -Der 5-te zahlte 1 €
    -Der 6-te 3€
    -Der 7-te 7€
    -Der 8-te 12€
    -Der 9-te 18€
    -der 10-te 59€

    Das ging eine ganze zeit lang gut. Jeden Tag kamen Sie zum Essen und alle waren zufrieden. Bis der Wirt Unruhe brachte indem er vorschlug, den Preis für das Essen um 20€ zu reduzieren, weil Sie so nette Gäste seien.

    Jetzt kostete das Essen nur noch 80€, aber der Bezahlmodus gemäß der jeweiligen Besteuerung sollte beibehalten werden.

    Dabei änderte sich für die ersten vier nichts, sie aßen weiterhin kostenlos.

    Wie aber mit den restlichen sechs verfahren und die 20€ Ersparnis aufteilen?

    Sie stellten schnell fest, dass 20:6, 3,33€ ergibt.

    Aber wenn sie das von den einzelnen Teilen abziehen würden, bekäme der fünfte und sechste Gast noch Geld dafür, dass er überhaupt zum Essen kommt.

    Also schlug der Wirt den Gästen vor, dass jeder ungefähr prozentual so viel weniger zahlen sollte, wie er insgesamt beisteuere.

    Heraus kam folgendes:
    Die ersten vier zahlten sowieso nichts.
    Der Fünfte zahlte ab sofort nichts mehr (100% Ersparnis).
    Der Sechste zahlte 2€ statt 3€ (33% Ersp.).
    Der Siebte zahlte 5 statt 7€ (29% E.).
    Der Achte zahlte 9,5 statt 12€ (21% E.).
    Der Neunte zahlte 14,5 statt 18€ (19% E.).
    Und der Zehnte zahlte 49 statt 59€ (17% E.).

    Jeder der Sechs kam günstiger weg als vorher und die ersten Vier aßen immer noch kostenlos. Aber als Sie nachrechneten, war alles doch nicht so ideal, wie gedacht.

    “Ich habe nur 1€ bekommen” sagte der Sechste und zeigte auf den Zehnten. “aber er kriegt 10€”.
    “Stimmt” rief der Fünfte. “Ich habe nur 1€ gespart und er das Zehnfache.”
    “Genau” rief der Siebte. “Warum kriegt der 10€ und ich nur 2 zurück? Alles kriegen mal wieder die Reichen!”. “Moment mal,” riefen da die ersten vier aus einem Munde. “Wir haben überhaupt nichts bekommen. Das System beutet die Ärmsten aus!!”.

    Und so gingen die Neun gemeinsam auf den Zehnten los und verprügelten ihn.

    Am nächsten Abend tauchte Dieser nicht zum Essen auf. Also aßen die Neun ohne Ihn. Als es allerdings ans Zahlen ging stellten Sie etwas Außerordentliches fest: Alle zusammen hatten nicht genug Geld, um auch nur die Hälfte der Rechnung begleichen zu können.
    Und wenn Sie nicht verhungert sind, wundern Sie sich noch heute.

    Und so funktioniert auch unser Sozialstaat.
    Wer die höchsten Steuern zahlt, hat auch die höchsten Vorteile einer Steuererleichterung.
    Entsprechende Gedankengänge lassen sich auf die Krankenversicherung, Harz IV,…übertragen.

    Comment by Martin Günther — 27. September 2010 @ 19:33

  17. Wohin ist mein Kommentar von heute ca 19.30h
    verschwunden?

    Comment by Martin Günther — 27. September 2010 @ 22:57

  18. Lieber Herr Max,

    Subventionen (von lat. subvenire = zu Hilfe kommen) sind materielle Vorteile ohne unmittelbare Gegenleistung, die von einem Staat an Unternehmen, Vereinigungen oder andere Staaten geleistet werden.

    Verstanden? – “ohne unmittelbare Gegenleistungen”. Es ist also nicht präzise definiert, wie genau das Adels-Hartz IV verwendet werden muss.

    Ganz allgemein heißt es dazu nur:

    “Landwirte und Waldbewirtschafter gewährleisten

    * eine nachhaltige und ressourcenschonende Bewirtschaftung von ca. 80 % der Staatsfläche,
    * die sichere Versorgung der Bevölkerung mit gesunden und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln,
    * eine flächendeckende Erhaltung, Pflege und Gestaltung der Kultur-, Natur- und Erholungslandschaften,
    * die Erzeugung nachwachsender Rohstoffe und die Bereitstellung erneuerbarer Energien, insbesondere aus Biomasse,
    * den Erhalt der Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion der Wälder,
    * den Erhalt der biologischen Vielfalt und
    * die Sicherung von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung in der Land- und Forstwirtschaft, aber auch in den ihr vor- und nachgelagerten Bereichen.

    Diese vielfältigen Leistungen können in ihrem vollen Umfang nur mit Unterstützung aus öffentlichen Mitteln erbracht werden.”

    Ob das Geld also in eine neuen Zaun für den Schutz des Wildes gesteckt wird, oder in eine Biogasanlage oder ein neues Dieselfahrzeug zur Waldbewirtschaftung ist egal. Mein Freund, der Graf, wird es schon in das Anforderungsprofil einordnen.

    Das Problem besteht also darin, dass der Graf über genügend Vermögen verfügt, um den Zaun oder das neue Fahrzeug selbst zu bezahlen. Warum wird also hier subventioniert, während der Transferleistungsbezieher, der mit 54 Jahren seine Arbeit unverschuldet verloren hat, zuerst sein Vermögen aufzehren muss.

    Warum wird dem, der hat, gegeben, und dem der nicht mehr hat (Arbeit)genommen?

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 30. September 2010 @ 12:47

  19. Gleichheit im Unrecht,

    sollte doch eigentlich auch für Gutmenschen eine bizarre Forderung sein. Aber so beweglich sind sie dann doch nicht, die Visionäre: Bekommt der eine eine Zahlung, die für unsinnig oder ungerecht gehalten wird, wird nicht gegen diese Zahlung argumentiert. Warum auch, wenn es viel bequemer ist, sich auch in die Reihe zu stellen, um nach Geld zu fragen. Wohlstand für alle!

    Comment by Björn Schröder — 30. September 2010 @ 15:31

  20. Wenn echte Aufklärung möglich ist, wenn man also qualifiziert mitreden kann, dann werden die Quellen geschlossen, aus denen man sich informieren kann:

    “Der Europäische Gerichtshof hat am 09.11.2010 entschieden, dass die Veröffentlichung von EU-Subventionsempfängern im Agrarbereich in der bisherigen Form nicht dem Gemeinschaftsrecht entspricht.
    Aus diesem Grund wird die Veröffentlichung bis zu einer Neuregelung der Veröffentlichungsvorschriften ausgesetzt.”

    Das muss also weh getan haben, wenn man auf der FDP-Versammlung von Leistungsträgern schwafelte, während man hinter dem Rücken die Hand aufhielt.

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 10. November 2010 @ 10:46

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