Moderne

Wir Hinterwäldler

Was für ein Gewürge, wenn CDU-Funktionäre erklären sollen, was eigentlich konservativ ist. Natürlich wollen sie das Gute bewahren, das sich bewährt hat, aber dann auch wieder nicht so sehr, dass es aussieht, sie hätten den Anschluss an die Zeit verpasst. Sie sind skeptisch, was große Weltbeglückungsprogramme angeht, weil man damit meist schlechte Erfahrungen macht, aber allem Neuen auch irgendwie aufgeschlossen, man möchte ja nicht als reaktionär gelten. Schon konservativ ist ein Begriff, den die meisten nur mit Zögern benutzen, lieber wäre ihnen, man würde sie bürgerlich nennen, das klingt gesellschaftlich verträglicher.

Gerade hat die Bundeskanzlerin und CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” ein Interview gegeben, wo sie noch einmal ausführlich das Konservative erklärt. “Konservativ heißt, zu bewahren, was uns stark macht, und zu verändern, was sich heute nicht mehr bewährt hat”, sagt sie darin: “Konservativ heißt also nicht, dass alles so bleibt, wie es ist, sondern das man mit bedacht verändert.” Haben wir uns nach den Erfahrungen der letzten Zeit beinah schon so gedacht. Das hätte Margot Käßmann nicht schöner sagen können.

Wenigstens wissen wir jetzt, wie Angela Merkel über die Menschen denkt, die “neben der christlichen-sozialen und der liberalen Wurzel” die dritte Wurzel der Union ausmachen. “Wir leben in einer Welt, die sich dramatisch und schnell verändert. Das bereitet vielen Menschen Sorgen, sie fragen sich: Was ist eigentlich noch sicher in unserem Leben? Was kann alles noch passieren.” Das ist die Antwort der Parteivorsitzenden auf die Frage, warum sich viele Konservative in ihrer Partei nicht mehr richtig vertreten sehen.

Konservative sind also Leute, lernen wir daraus, die sich an das Vertraute klammern, weil sie mit den Herausforderungen der Gegenwart nicht zurecht kommen. Ängstliche, gedrückte, ein wenig gehemmte Menschen, die es eben nicht besser wissen und deshalb an so etwas wie Überholtem wie der Ehe oder anderem Hokuspokus festhalten. Ein Glück, dass diese armen, unwissenden Modernitätsverweigerer nun eine Führung haben, die sie an die Hand nehmen und in das gleißende Licht des neuen Tages führen wird.

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47 Kommentare

  1. Oh Gott, konnte der Atheist da nur noch sagen

    Comment by Eckhard Sperber — 22. September 2010 @ 21:54

  2. Guten Morgen Herr Fleischhauer,

    sagen Sie mal, kann ich Sie hier in HH auf einen Kaffee treffen, oder Ihnen wenigstens ein kleines Geschenk, welches Ihr Herz sicherlich erfreuen wird, als Huldigung meinerseits zusenden?

    Jahrgang 67, bin ich wie Sie in eine sozialdemokratische Familie hineingeboren worden, durch humanistisches Gymnasium mit Latein, Altgriechisch und Philosophie dann aber doch kurz vor dem Abi zum Entsetzen von Mama, Tanten, Onkel “abtrünnig” geworden. Da man mir Intelligenzdarwinismus vorwarf, habe ich dann folgerichtig den bösen Teil der Biologie – mit Schwerpunkt Genetik, Immunologie studiert.

    Wenn selbst promovierte Naturwissenschaftler wie Merkel die Aussage von Sarrazin, dass Intelligenz nunmal erblich sei, ob der gesellschaftlichen Verträglichkeit relativieren bzw. völlig negieren, dann kann dem normalintelligenten Mitteleuropäer Angst und Bange werden.
    Selbst honorige Leute* (*normalerweise würde hier im Neujournalistendeutsch jetzt MENSCHEN stehen) wie z.B. Claus von Dohnanyi, der Sarrazin verteidigte, meinte, dass seiner Meinung nach 50% vererbt seien. Aha!
    Leuten, die von der Materie absolut keine Ahnung haben und Wissen durch argumentationsfibelartiges Epigentikgeschwätz ersetzen, sei gesagt, dass bei allem Training und gebotenen Möglichkeiten ein Dackelkind niemals bei einem Windhundrennen als Sieger von der Bahn gehen wird.

    Als Konservativer kann man sich in einer mutlosen Merkel-CDU, die verwaltet, vertuscht und auf Verfehlung der anderen wartet nicht mehr wohlfühlen.

    LG aus Hamburg
    M. Burger

    Comment by M. Burger — 23. September 2010 @ 10:31

  3. Laut Fr. Hildebrandt von der ZEIT gibt es wohl auch Konservative, die nicht rechtsradikal sind.

    „…ich glaube auch, dass man denen unrecht tut. Nicht jeder von denen, die jetzt Herrn Sarrazin zustimmen und auch nicht jeder von denen, die ein bisschen traurig sind in der CDU, dass es nicht mehr alles so ist wie früher, ist ein Rechtsradikaler. Also man tut da auch den Konservativen unrecht, wenn man jeden Konservativen immer für einen verkappten Rechtsradikalen hält. Vielleicht bin ich da zu optimistisch, aber ich glaube, dass das nicht so ist…“

    wörtliches Zitat – Tina Hildebrandt – Presseclub vom 19.09.10

    Comment by uniquolol — 23. September 2010 @ 11:36

  4. Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits wünscht man sich eine konservative Partei, weil bei der CDU wirklich Hopfen und Malz verloren erscheint, andererseits erinnert man sich an die Chaoten, die Neugründungen in den letzten 25 Jahren probiert haben.

    Vielleicht wäre die Lösung die Forderung der Einführung des Mehrheitswahlrechts. M.E. ist eines der größten Probleme, dass die Grünen und die FDP, die ja zusammen nur etwa 25 % oder weniger der Wähler repräsentieren, praktisch soviel Medienaufmerksamkeit bekommen wie die großen Parteien. In Talkshows scheinen gerade die Grünen besonders beliebt, weil sie “Kontrapunkte” setzen: Sie schlachten alles, was ihnen nicht gefällt.

    Etwa der immer wieder hoffierte Trittin, der dann mit großer Geste erklärt, wo er sei, sei man “weltoffen” (demnächst führe ich einmal eine Umfrage unter grünen Funktionären durch, um zu sehen, ob sie Fremdsprachen beherrschen)und “tolerant”, alles Andere sei “Stammtisch”. Die Grünen und die FDP sind letztlich Parteien, die beide nur ausgewählte Kreise bedienen, Schwule, Rechtsanwälte usw., aber sie schaffen es, sich als die Leuchten (gleißendes Licht ist sehr gut, JF) des Fortschritts darzustellen. Auch die FDP führt ja Elemente in die Bundesregierung ein, die einen nur noch erstaunen lassen: Frau Leutheusser-Schnarrenberger haut etwa völlig willkürlich auf die katholische Kirche drauf, obwohl sie als Justizministerin jederzeit Zugang zu Kriminalstatistiken hat, die belegten, dass Missbrauch in der katholischen Kirche nicht öfter oder weniger vorkommt als anderswo und Westerwelle beschreibt Sarrazins Lob der jüdischen Intelligenz als “antisemitisch”.

    Die Kleinen sind letztlich auch wichtig. Ohne sie gibt es im Verhältniswahlrecht keine Mehrheiten.

    Diese Medienpräsenz der Kleinen führt dazu, dass die SPD den Grünen hinterherrennen und die CDU der FDP. Es rücken dadurch Minderheitsvorstellungen in die Mitte der Gesellschaft und, das beschreibt JF ganz richtig, jeder, der diesen Minderheitsvorstellungen nicht folgt, ist irgendwie verklemmt. Dass es vor 20 Jahren etwa eine vollkommen zivilisierte bürgerliche Einstellung war, sich gegen eine Diskriminierung von Homosexuellen einzusetzen, sich aber eine Schwulen-Ehe nicht vorstellen zu können, gilt nicht mehr. Heute ist fortschrittsfeindlich (das ist noch ein höflicheres Wort), wer eine Ehe eine Ehe nennt.

    Gäbe es das Mehrheitswahlrecht könnte man die Kleinen vernachlässigen und die Volksparteien müssten sich wieder darauf konzentrieren Mehrheiten zu gewinnen. Das hieße dann, dass man auch wieder den Spießern (wie mich), die Kommentare auf dieser Webseite hinterlassen, ein paar Gefallen tun muss. Es wäre alles wie früher, Politiker hätten Strickwesten und Aquarien und die Freiwillige Feuerwehr rückt wieder in die Mitte der Gesellschaft. Ich hätte nichts dagegen:(

    Comment by Georg Misdroy — 23. September 2010 @ 14:51

  5. Ich sehe zwar auch, dass splitterparteien wie npd oder kleine gruppen wie die linke über ihre verhältnisse hinaus mediale aufmerksamkeit bekommen, die ihnen meiner meinung nach nicht zusteht. (wenn man die nichtwähler einbezieht, kommen sie bei wahlen zu äußerst bescheidenen ergebnissen)

    Allerdings bin ich nicht der meinung, dass der gesetzgeber das wahlrecht neu justieren sollte, um den volksparteien wieder mehr gehör zu verschaffen.

    Vielmehr sollten diese volksparteien überlegen, wie es zu den dramatischen wählerabwanderungen kommt und in klausur gehen. Mir macht die personalpolitik der volksparteien mehr sorgen als ihr schrumpfen, womöglich ist das eine sogar einer der hauptgründe für das andere.

    Comment by Roland Wolff — 24. September 2010 @ 10:58

  6. ich bin auf ihren bloc durch durch die bewerbung ihres buches bei spiegel online gestoßen.
    beim durchlesen einige ihrer postionen auch der ihrer leser, kann ich leider nur mit dem kopf schütteln.
    es mag sein das die linken in der bundesrepublik ein durch das dritte reich gestörtes verhältnis zum land in dem sie selbst leben, haben. trotzdem kann ich in der heutigen zeit keine grund dafür finden auch nur einen tick dem konserativismus zu verfallen.
    es gibt in diesen land ein extrem ungerechtes verhalten gegenüber den schwächeren in unserer gesellschaft. der entgrenzte kapitalismus, welcher die finazkrise ausgelöst hat, soll jetzt von der allgemeinheit bezahlt werden. ich glaube das zb jede these sarazins, die eine breite mediale öffentlickeit geniest, dazu dient von diesen thema abzulenken.
    plötzlich stehen die ehemaligenm jetzt meist arbeitslosen gastarbeiter bzw. ihre familien im mittelpunkt, die einst hereingeholt wurden, die man jetzt nicht mehr braucht und die sich in ihrer einfachheit, den für sie trostspendenden und selbstachtung erhaltenden islam zuwenden. es geht um ihre kinder, den stets erklärt wurde das deutschland eigentlich kein einwanderungsland sei. es geht um die in den letzten 25 jahren um sich greifende armut, die errichtung eines niedriglohnsektors, der wenn die sogenannten einfachen leute es nicht mehr auf die reihe bekommen, sich gefälligst für das harz 4 gehalt noch anzustrengen haben. es geht um die schürung von neid und missgunst, einer art von klassenkampf im armenhaus. und immer sind die armen an ihrer lage selbst schuld.
    gleichzeitig mußte nich ein einziger bankmanager federn lassen. die energiekonzerne bekommen weitere 15 jahre zeit exorbitante summen einzustreichen. der lobyismus feiert einen erfolg nach dem anderen. schuld sind daran natürlich das prekariat, ausländische jugendliche, die harz 4 empfänger die keine lust zum arbeiten haben.
    die sogenannte leistungselite (früher leistungsträger mit teilweisen gehältern des 150 fachen einer putzfrau) ist sich natürlich keiner schuld bewußt. ich frage mich deshalb ernsthaft, wie bescheuert muß man sein in so einer zeit dem konservativismus zu frönen.

    Comment by marko warkentin — 24. September 2010 @ 22:04

  7. Ich grüße Sie. Anständige Konservative werden immer eine Zukunft haben. Sitte und Anstand sind doch nicht “von gestern”! Ich habe mit meiner Nachbarin, Frau Brandenstig, gestern ein langes Gespräch über den Konservatismus geführt, und sie ist auch der Meinung, daß Redlichkeit und klare Grenzen das sind, was gerade den Jugendlichen im Internetz fehlt. Nicht mehr höflich grüßen, schlampige Kleidung, Gewaltspiele, Geringschätzung löblicher Rentner, wenn diese sie zurechtweisen, Schmierereien… die Anzeichen sind erdrückend!

    Bitte bleiben Sie redlich und bringen Sie den Konservatismus zu neuer Blüte! Es dankt

    E. Nabe.

    Comment by Eduard Nabe — 25. September 2010 @ 09:27

  8. “Ein Glück, dass diese armen, unwissenden Modernitätsverweigerer nun eine Führung haben, die sie an die Hand nehmen und in das gleißende Licht des neuen Tages führen wird.” – Super, auf diesen Satz habe viele Deutsche seit 65 Jahren gewartet.

    Comment by whoknow — 26. September 2010 @ 14:59

  9. Sehr geehrter Herr Fleischhauer,
    gerade habe ich Ihre Sendung gesehen (2009 bei Maischberger). Sehr lustig und interessant.
    Ich bin Jahrgang 1974, aber ich habe es recht ähnlich erlebt mit meinen Eltern wie Sie. Ich denke mir heute: Sie meinten es gut (natürlich!).
    Die Crux besteht darin, dass die gebildete deutsche Jugend ab 1968 meinte, ihre Eltern auf den Müllhaufen der Geschichte werfen zu müssen. Diese unglaubliche Selbstüberhebung und Verurteilung der Eltern ist es, die uns heute von den Kraftquellen der Tradition und des Selbstwertgefühls abscheidet.
    Alles Gute weiterhin, und vielleicht machen Sie mal etwas zum Rassismus der Multikulti-Ideologen wie Wowereit, denn sie hassen die Deutschen (also auch sich selbst) und wollen sie möglichst schnell ersetzen.
    Grüße, U.Maier

    Comment by Ulrich Maier — 26. September 2010 @ 20:23

  10. Ich möchte Sie an dieser Stelle einfach mal loben für Ihre Reportage (Linke…) und die Blogeinträge, welche man hier lesen kann. Ich bin erst 20 Jahre jung und habe durch Sie ein starkes Interesse an unserer Politik entwickelt. Recht herzlichen Dank dafür!

    Comment by Florian Merz — 26. September 2010 @ 23:48

  11. Ich habe gerade Spiegel-TV “Unter Linken” gesehen und möchte ihne ein grosses Kompliment machen. Sie sind wirklich grosse Klasse!

    Comment by Rainer Lang — 27. September 2010 @ 00:11

  12. Ich habe, ebenso wie der Vorschreiber, gerade den Bericht auf Spiegel TV gesehen. Hier weiß man aber schon, daß dieses auf einem “Unterschichtensender” gebracht wird, oder?
    Heißt das dann nicht auch, daß die richtig Konservativen sich dieses gar nicht angesehen haben? ;-)
    Mir kam Herr Fleischhauer ein wenig so vor, als würde er geradezu die Provokation suchen.
    Warum eigentlich?
    Ist er doch als “Medienmann” doch ohnehin wohl eher “links” einzuordnen.
    (Sagt jedenfalls mein “rechter” Erzeuger :-)
    Auch mir als eher “Linkem” ist es ein Rätsel, wie viele Mahnmale man noch für die verschiedenen Gruppen, die im Naziregime leiden mussten, schaffen will.
    Wichtig wäre da eher, wenn man die Vergangenheit reel aufgearbeitet hätte.
    In allen Parteien. Rechts wie auch links.
    Nun weiß ich ja, daß der Autor “Linke” ganz gut zu erkennen glaubt.
    Er amüsiert sich über sie.
    Gerne anmerken möchte ich aber auch, daß wir derzeit eine Wirtschaftskrise durchmachen, die auf dem “Mist” von rechten “der-Markt-wird-alles-richten”-Glaubensjüngern gewachsen ist.
    Da ist der Staat dann genehm genug.
    Da schaufelt man sich auch als Freund der freien Marktwirtschaft mit öffentlichen Geldern noch mal die private Tasche zu.
    Sollte einem Autoren doch auch zu denken geben.
    Vielleicht macht er ja auch demnächst ein Buch über die gescheiterten Luftschlösser der Rechten, und wie der Staat das alles ausbaden muß.
    :-)
    Na?

    Comment by tina loose — 27. September 2010 @ 00:42

  13. Hallo Herr Fleischhauer,

    Vielen Dank fuer Ihr sehr gelungenes und unterhaltsames Buch – Ich habe jede Leseminute sehr genossen! Es ist schoen, dass es hier in Ihrem Blog und heute bei Spiegel TV nun die “Fortsetzungen” gibt. Da ich in Amerika lebe, konnte ich allerdings letzteres nicht sehen und RTL scheint den Beitrag auch nicht auf die Hompage zu stellen. Wird es einen anderen Platz im Internet geben, auf dem man “Unter Linken” finden kann? Vielleicht auf Youtube, Spiegel.de oder dieser Webseite hier?

    Vielen Dank und beste Gruesse
    C. Wollersheim

    Comment by Wollersheim — 27. September 2010 @ 00:45

  14. Ich frage mich gerade warum ein solcher Beitrag wie Ihrer zu einer so späten Zeit gesändet wird. RTL täte gut daran die PrimeTime besser zu nutzen.
    Herzlichen Glückwunsch zu diesem Beitrag.
    Die Art und Weise wie Sie im TV aufgetreten sind war für mich (22) toll mit anzusehen und mir bleibt nur dem nachzueifern.

    Weiter so.
    Und einen schönen Gruß an die Frau Mama

    Comment by Falko — 27. September 2010 @ 00:52

  15. Warum gibt es keine politische Strömung, die sich Pragmatismus zum Leitbild nimmt? Alles, was theoretisch in der Wirklichkeit funktioniert wird angenommen. Und alles, was nicht funktioniert wird verworfen. Es sind Ideen, die Werte und Visionen schaffen, die uns sugerieren das Unvorhersehbare zu determinieren, und nicht Naturgesetz und Strategien.

    Comment by Deaznicks — 27. September 2010 @ 01:16

  16. kurz mal off topic: hatte mich schon die ganze woche über auf den film gefreut, war gut, aber hätte noch viel bissiger sein können/müssen. es ist wichtig das konservative ansichten (von “rechten ansichten” will ich lieber nicht sprechen weil das gewisse assoziationen weckt)in den medien vertreten werden, dazu braucht es mutige leute wie sie herr fleischhauer, die sich aus dem schutz der herde herauswagen. vielen dank dafür!

    Comment by captain america — 27. September 2010 @ 01:36

  17. Hallo Herr Fleischhauer,
    ich habe gerade ihr Prachtstück “unter Linken” gesehen und der Spiegel Tv Redaktion ein paar Zeilen dazu geschrieben. Hier der Text nun auch für Sie:

    Liebe SPIEGEL TV-Redaktion,

    Mit großem Interesse durfte ich letzten Sonntag den Spitzweg des Investigativen Journalismus kennenlernen – Jan Fleischhauer. Am meisten amüsierte mich wohl die Tatsache, dass sich kleinbürgerliche Nagetiere mit Affinität zur Springerpresse seit Neuestem Michael Moore zum Vorbild nehmen. Ich nehme an, ich brauche hier nicht anzumerken, dass Herr Moore in seinem Wirkungsbereich wohl wirklich noch etwas aufzudecken hat. Da gibt es Menschen, die von ihrem Arbeitgeber in Versicherungen gezwängt werden, Menschen, die dabei zusehen müssen wie sie dank der in den USA geplatzten Immobilienblase ihr Hab und Gut verlieren. Gut also, dass der konservative Sturmbandführer Fleischhauer so wesentliche Themen aufgreift wie „soll man Pommesbuden abschaffen?“ – ach ja, merken Sie etwas? Genau, darum ging es so genau nicht in der von mir beschriebenen Episode, aber damit habe ich Herrn Fleischhauer in der Argumentation einiges voraus. Letzterer scheint es nicht so mit Zusammenhängen zu haben. Herr Fleischhauer interessiert sich nämlich im Gegensatz zu Mr. Moore keineswegs für die Menschen. Propaganda goes first, wie? Theaterdirektoren werden „aus Steuergeldern finanziert“. Ah, also sind die Schweine ja quasi Hartz IV? Wozu sollen die Interviews in ihrem Journalistischem Glanzstück dienen? Wen interessiert es, dass der Herr vom Theater 500 Euro Gage bekommt? Achso, ja, das macht ihn zum Kapitalisten. Des Weiteren muss ich mich doch sehr fragen, was Genderfragen mit linker Einstellung zu tun haben? Außerdem wirkt ein Journalist, der sich seriös gibt, doch sehr unseriös wenn er linke Einstellungen entlarven will und seine gnadenlosen Interviews mit 19 jährigen, radikal links eingestellten Idealisten führt (nur weil diese halben Kinder auf einem Treffen der jungen Linken sind, sprechen sie noch lange nicht für die ganze Partei, wobei es auch nicht gerade die Seriösität der Doku unterstreicht die Namen der Interviewpartner nicht anzugeben). Wenn beim Spiegel „links“ seit Neuestem mit Kommunismus gleichgesetzt wird, schlage ich vor, demnächst eine ähnlich auserlesene Doku über den Konservatismus in Deutschland zu drehen in der ausschließlich unter 20 jährige NPD Mitglieder zu Wort kommen, interviewt von Alice Schwarzer. Das wäre ähnlich fair. Bei seiner haarscharfen Kombinationsgabe muss Herr Fleischhauer ja ein regelrechtes Mathegenie gewesen sein. Ich war beeindruckt.Die Demonstranten auf der VERDI Demo waren sicherlich auch von Herrm Psirske persönlich instruiert, Polizeibeamte anzugreifen. Wie unfassbar, dass der Gewerkschaftschef sich nicht bei den Beamten entschuldigt hat. Ich finde auch, nach dieser Logik sollte sich Kanzlerin Merkel persönlich bei Demonstranten entschuldigen, die beim G8 Gipfel zu Schaden kommen. So wie es Herr Fleischhauer darstellt, ist ja der schwarze Block ebenso wie die Antifa fester Bestandteil der linken Bundestagsparteien. Und Gewerkschaftschef Psirske ist ein linker Unterwanderer des Systems, der die radikallinken Systemfeinde, die sich in einer Gewerkschaft organisieren auf das demokratische System abgerichtet hat. Komisch, ich dachte immer Gewerkschaften würden zum demokratischen System beitragen. Ich bin weder sonderlich links noch sonderlich konservativ eingestellt, aber dass Spiegel jetzt zum Propagandasender der Rechten geworden ist, finde ich doch sehr schade. Vor allem ein begabter Journalist wie Herr Fleischhauer, der wohl der deutsche Michael Moore wäre, würde er nicht doch lieber Bill Gates toll finden. Komisch, dass er es nach seiner eigenen Logik nicht zum Unternehmer geschafft hat. Auch wenn er in Sachen Marketing gar nicht ungeschickt ist. Die Penetranz von Michael Moore (und das ist auch das Einzige), die Schmierigkeit der Bildzeitung und Sarrazinsche Strategien sein -ACH JAA lesen Sie übrigens mein- NEUES BUUCH zu vermarkten. Vielleicht wird der junge Mann mit den Biberzähnen es ja eines Tages schaffen im Verstaatlichten Haussender der Sarrazin-Partei. Vielleicht hat es ja doch in Mathe gehapert. Diese linken Journalisten sind ja im Kern auch alle neidisch, lehrt uns Herr Fleischhauer, und haben deswegen die Moral für sich gepachtet. Herr Fleischhauer ist keineswegs neidisch, deswegen muss er sich nicht mit so kommunistischen Fragestellungen wie Moral auseinandersetzen. Mit der Moral und generell den Zusammenhängen scheint es ganz Spiegel TV nicht so zu haben, so wird doch auch die DDR als Chance für die Linken bezeichnet, sich zu beweisen. Ach ja, links das war ja das mit den Kommunisten – nicht wahr? Außerdem muss ich mich doch sehr fragen, wie demokratisch ein Autor eingestellt ist, der die CDU als linke Partei bezeichnet. Was ist dann wohl rechts? Deutschland schafft sich ab – gut dass Herr Fleischhauer dagegen hält und die unterwandernden Subjekte abschafft – die Schwulen, die Frauen und die Linken. Wie zu drastisch? DAS WIRD MAN JA NOCH SAGEN DÜRFEN, oder? Spiegel TV – Journalismus schafft sich ab. Ach ja, tut mir leid wenn Sie jetzt verwirrt sind, die vermeintlich anti-linken Statements in meinem Brief sind IRONIE, das ist eine Form von Humor. Aber keine Angst, ich kann ja nicht links sein, laut Prof. Dr. Fleischhauer haben Linke ja keine Ahnung von Humor. Gut also, dass ich einen Witz für Herrn Fleischhauer habe: so schlecht war der Hitler ja gar nicht, nur die Kommunisten hätt er lassen sollen. Was ist denn auch Propaganda ohne richtige Feinde? Ich hätte es etwas interessanter gefunden, hätte Herr Fleischhauer auf seine Oberflächliche Art die FDP-Spendenaffäre beleuchtet. Hätte Herr Moore auch besser gefunden. Aber erstmal muss Herr Fleischhauer heldenhaft den ewigen Bolschewismus erledigen.

    Comment by Christian — 27. September 2010 @ 01:48

  18. Ich will mich dem Lobe anschliessen, weil ich gerade das Buch lese. Wo ich mich bisher immer gefragt habe, warum sind die so, wie sie sind, in der DDR also, Arbeitsscheue hinter Gittern bringen, und im Westen das bedingungslose Grundeinkommen propagieren, das Buch liefert die Erklärungen.

    Comment by Karl Eduard — 27. September 2010 @ 08:28

  19. Konservativismus zu beschreiben ist wirklich eine schwere Aufgabe. Das was heute mehrheitlich als konservativ bezeichnet wird, ist meiner Auffassung nach nicht konservativ. Manche Zeitgenossen glauben es sei konservativ, wenn man die Sicherheit mehr schätzt als die Freiheit. Aber bereits Aristoteles nannte diejenigen, die die Sicherheit über die Freiheit setzten, zurecht Sklaven. Andere denken, konservativ sei ein anderes Wort für nationalistisch und/oder christlich-fundamental. Auch falsch. Schopenhauer, dem ein Nationalgefühl fremd war und ein Atheist war, der seinen Atheismus auch nicht als Pantheismus zur Hintertür wieder hereinkommen ließ, war konservativ, wenn nicht sogar reaktionär. In der Zeit der französischen Restauration (nach Napoleon) gab es zwei konservative Parteien. Die Legitimisten oder Ultras wollten die Zustände vor 1789 wiederbeleben. Die Anhänger der konstitutionellen Monarchie wollten die bestehende Ordnung behutsam weiter entwickeln und Freiheitsrechte ausbauen. Nach meiner Vorstellung kann man nur die zweite Gruppe als konservativ bezeichnen.

    Konservativ kann heute nur bedeuten, die parlamentarische Demokratie und die Marktwirtschaft zu verteidigen; sie aber gleichzeitig den Gegebenheiten anzupassen und notwendigen Reformen nicht ablehnend gegenüber zu stehen. Denn dies zeigt die Geschichte, aufgeschobene Reformen führten oft zu Revolutionen; und nichts hasst der Konservative mehr als die Revolution

    Comment by pinetop — 27. September 2010 @ 14:17

  20. Konservatismus bedeutet heute nicht mehr Kampf gegen die emanzipatorischen Konsequenzen der Aufklärung, sondern vielmehr Erhaltung und Sicherung des erreichten Maßes an Emanzipation, der Errungenschaften der großen westlichen Revolutionen: der individuellen und universellen Menschenrechte, der Gewissensfreiheit, des Rechtsstaats. Deshalb enthält Fortschritt auch ein konservatives Element, dasjenige an äußerer und innerer Freiheit, was im Verlauf der Geschichte erkämpft worden ist, soll bewahrt, auf ihm soll aufgebaut werden.

    Konservativismus ist das Bewußtsein, daß sich die Resultate der neuzeitlichen Emanzipation nicht von selbst verstehen, daß sie vielmehr immer wieder von neuen gesichert werden müssen im Widerstand gegen neue Formen von Entmündigung und Dehumanisierung.

    Und die neue Form von Entmündigung, von Verachtung der Gewissensfreiheit, von antidemokratischer Machtanmaßung hat in Europa Fuß gefasst: der Islam. Und es ist entweder eine Selbsttäuschung oder eine bewußte Immunisierungsstrategie, den Islam vom Islamismus abgrenzen zu wollen.

    Hier gilt es auch auf die Denkmuster der Linken hinzuweisen. Sie können Menschen aus fremden Kulturen nicht als Individuen wahrnehmen, die einen Anspruch auf individuelle Menschenrechte haben, sondern nur als Teil eines Kollektivs. Wer also Menschen nur in Hinblick auf ihre Ethnie betrachtet, wie unsere Linken, muss es sich gefallen lassen als Rassist bezeichnet zu werden.

    Konservativ ist individuell-freiheitlich, kritisch-rational und Macht demokratisch legitimierend.

    Links ist kollektivistisch und von dem irrationalen Glauben besessen, dass man die Welt in die bösen und die guten Kollektive einteilen kann.

    Comment by pinetop — 27. September 2010 @ 17:11

  21. Ich habe gerade Spiegel TV ” Unter Linken ” gesehen und möchte nur eines sagen.
    Danke, Danke, Danke, dafür das Sie endlich den Linken Ihre eigene Intoleranz aufzeigen. Ich werde mir morgen gleich das Buch besorgen und ich denke es wird mir viel Freude bereiten.

    Comment by Thomas Krogmann — 27. September 2010 @ 20:00

  22. Herr Fleischhauer,

    Spiegel-TV “Unter Linken” war ein Genuss.
    Sollche Dokumentationen sollten öfters im TV laufen um den Menschen in Deutschland zu zeigen was für Heuchler die meisten Linken sind. Ganz besonders die politische Klasse.

    Ich werde auf jedenfall Ihr Buch kaufen.

    Comment by Martin Jerabek — 27. September 2010 @ 21:41

  23. Habe das Spiegel-Tv “Unter Linken” auch gesehen. Würde mich absolut nicht als “links” bezeichnen, aber dass was ich gestern im Fernsehn gesehen habe, ist meineserachtens einseitige Berichterstattung und Propaghanda gegen “linke”. Nicht zu fassen, dass hier linke Ideologie in den Dreck gezogen wird. Ihr Auftreten war mehr als unverschämt.
    “Reichtum für alle”- dass ist Definitionssache, denken sie nicht? Reichtum ist für mich, dass ich Krankenversichert bin, was zu essen habe, Kleidung, Arbeit, Gemeinschaft, Toleranz. Armut ist für mich, wenn ich nicht studieren kann weil das Geld fehlt, wenn soziale Dienstleistungen total unterbezahlt werden, wenn hier Zeitarbeitsfirmen wieder Sklavenhandel fabrizieren können. Aber hey, sie haben es mal wieder geschafft die breite Masse davon zu überzeugen, dass alles was “links” oder sich dessen bezeichnet, gleichgestellt wieder mit der NPD, wie man hier schon wieder schön nachlesen kann. Sie haben es geschafft, dass alle “linken” über einen Kamm gescherrt werden.
    Was an Großkonzernen, beispielsweise Mc Donalds, schlecht ist, welche Macht der Konzern über die Gesellschaft ausübt, wie er sie ausbeutet, vergiftet und dem Staat auf der Nase herumtanzt( und das International), dass konnte nicht erläutert werden. Stattdessen zieht man lieber die kleine örtliche Pommesbude in den Dreck.
    In Zukunft bitte mehr Pro und Contra.
    Das ist ja der Wahnsinn, wo leben wir denn.
    Alles Gute.

    Comment by S. — 28. September 2010 @ 00:35

  24. Sie sagen, bürgerlich klinge verträglicher. Aber was genau bedeutet eigentlich heute “bürgerlich”? CDU/FDP bezeichnen sich ja selbst gern als das “bürgerliche” Lager, aber woher kommt dieser seltsame Begriff?

    Wie werde ich selbst bürgerlich bzw. wodurch entferne ich mich wieder davon? Ein “Bürger” bin ich und bleibe ich, egal, was ich anstelle. Ich habe Bürgerrechte, die kann man mir nicht entziehen.

    Offensichtlich leitet sich das Wort vom “Bürgertum” ab, einem Begriff, der im Lauf der Geschichte einem sehr starken Wandel unterlegen hat: zunächst waren es in der Antike die mit politischer Entscheidungsgewalt ausgestatteten Personen, dann im Mittelalter die mit bestimmten, vererbbaren Privilegien ausgestatteten Kaufleute und Gewerbetreibenden, bis infolge der (linken?) Revolutionen in den USA und Frankreich und der Entwicklung von Nationalstaaten die Vorstellung vom Bürgertum als einem eigenen, mittleren “Stand” verschwand, mit der Folge, dass jeder definitorisch heute ein Bürger ist. Auch wenn die deutsche Verfassung den Begriff Bürger nicht erwähnt, hat er sich schon in unsere “offizielle” Rechtssprache verirrt, wie zB das “Gesetz über Rechtsberatung und Vertretung für Bürger mit geringem Einkommen” zeigt.

    Warum gibt es also heute noch den Begriff “bürgerliches Lager”? Ist damit auch heute noch die Idee einer gewissen Privilegierung oder Besserstellung (=sozusagen, die Anständigen, die arbeiten und nicht rumlungern) verbunden? Und kann eine solche Vorstellung von den bürgerlichen Parteien gewollt sein, wenn sie damit ja “Schlechtergestellte” ausgrenzen? Oder soll damit gerade der Unterschied zwischen gut und schlecht / anständig und unanständig / Leistungsträger und Leistungsempfänger zum Ausdruck gebracht werden?

    Vielleicht, lieber Herr Fleischhauer, können Sie diese Frage irgendwann auch mal näher behandeln, würde mich interessieren. Wenn das Wort “konservativ” heute tatsächlich von den vermeintlich Konservativen vermieden wird, vielleicht ist der Begriff “bürgerlich” passender – jedenfalls scheuen die “bürgerlichen Parteien” sich (noch) nicht, sich so zu nennen.

    Comment by Norbert Dahm — 28. September 2010 @ 10:12

  25. “Konservative sind also Leute, lernen wir daraus, die sich an das Vertraute klammern, weil sie mit den Herausforderungen der Gegenwart nicht zurecht kommen. Ängstliche, gedrückte, ein wenig gehemmte Menschen, die es eben nicht besser wissen und deshalb an so etwas wie Überholtem wie der Ehe oder anderem Hokuspokus festhalten. Ein Glück, dass diese armen, unwissenden Modernitätsverweigerer nun eine Führung haben, die sie an die Hand nehmen und in das gleißende Licht des neuen Tages führen wird.”

    Ich kann verstehen, dass jemand, der “aus Versehen”, i. e. ohne Bewusstsein, zuzm Konservativen wurde, diese Überlegungen der Kanzlerin nicht schmecken mögen. Doch scheint unsere Chefphysikerin ihren Einstein besser zu kennen, als mancher Lohnschreiber:

    “Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.” (A. Einstein)

    Es lebe Angela Merkel und der Wodka Zubrowka, den ich mir am Wochenende von einer Geschäftsreise aus Stettin mitgebracht habe. Sehr empfehlenswert: das Park Hotel (4 Sterne), ein renoviertes, ehemaliges Gutshaus entfernter Verwandter.

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 28. September 2010 @ 10:28

  26. Einige küsst das Schicksal mit später Erkenntnis, andere scheinen dazu verdammt, in einem aussichtslosen, ermüdenden Kampf liebgewonnene Wohlfühlwelten gegen die Vernunft zu verteidigen. Schade, dass Sie, sehr verehrter Herr Rosenfeld, Ihren scharfen Intellekt an eine Selbsttäuschung verschwenden.

    Comment by Björn Schröder — 28. September 2010 @ 11:13

  27. Sowohl zu diesem als auch zum Spiegel-TV-Beitrag vom 26.0.2010 zitiere ich den Ur-Kanzler aller Konservativen: “Dat hat misch amüsiert!” Ming Jung – maach esu wigger!

    Comment by Menippos — 28. September 2010 @ 12:44

  28. Auch ich habe “Unter Linken” gesehen und mich so gut amüsiert, dass ich nun auch das Buch geordert habe.
    Jedenfalls fand ich die These aus der F.A.Z.-Rezension, Sie hätten keinen Humor, zumindest im Film nicht bestätigt. Ich frage mich allerdings, weshalb Sie sich als “konservativ” bezeichnen – mir kommen Sie eher “liberal” vor?
    A propos Definitionen: Sie kritisieren völlig zu Recht das Gewürge, wenn es um die Bestimmung des Begriffes “konservativ” geht, und man sollte vielleicht mal dem entgegensteuern, dass Leute wie z.B. Frau Steinbach diesen Begriff versuchen zu besetzen, und zumindest den Unterschied zwischen “konservativ” und “reaktionär” bestimmen.
    Ich würde mich selbst übrigens weder als links noch als konservativ bezeichnen, da sich mein Standpunkt je nach Thema verändern kann, und möchte zu bedenken geben: wenn man allzusehr in eine Lagermentalität (Achtung, Linke: hat nichts mit Auschwitz zu tun!) verfällt, beraubt man sich selbst eines pragmatischen Handlungsspielraums.
    A propos pragmatisch: dem Wunsch nach einem Mehrheitswahlrecht möchte ich entgegen halten, dass die darin erprobten Engländer sich davon soeben ein Stück weit verabschieden. Ausserdem könnte – sofern dahinter der Wunsch nach einer stabilen “konservativen” Regierung steht – der Schuss nach hinten losgehen: was wäre, wenn sich die CDU nach dem Vorbild der SPD aufspaltet? Am Ende hätten wir dann vielleicht sogar eine grüne Alleinherrschaft – das wäre wohl nicht in Ihrem Sinne?

    Comment by Ronald Berndt — 28. September 2010 @ 13:54

  29. Sie sind ein Verräter Herr Fleischauer.

    Und falls Sie es noch nicht wissen, Ihr Film und Ihr Buch findet auf dem rassistisch-islamophoben Blog PI-News großen Zuspruch…

    Comment by Linker — 28. September 2010 @ 23:56

  30. Achso und da hilft es auch nicht, dass Sie zugegebenermaßen ein sympathischer Zeitgenosse sind.

    Comment by Linker — 29. September 2010 @ 00:07

  31. “Unter Linken” auf Spiegel TV hat mir viel Spass gemacht. (Hätte auch ruhig noch etwas länger sein dürfen) Gibt es demnächst noch einen Teil 2? Jan Fleischhauer als Danger Seeker im Schanzenviertel oder undercover beim Ortsgruppentreffen der Linken in NRW.

    Comment by Roland Wolff — 29. September 2010 @ 00:30

  32. Sehr geehrter Herr Jan Fleischhauer,

    Ich habe mich – nach dem ich Ihren Film „Unter Linken“ gesehen habe – mit Ihren Ideen und Argumentationslinien beschäftigt.
    So sehr ich Teile Ihrer Anklage gegenüber dem linken Lebensstil teile, auch ich stamme aus einer westdeutsch-stramm-linken Familie und bin dementsprechend sozialisiert, so sehr fallen doch auch Sie in Ihren Argumentationen in den typischen undifferenzierten Stil der neuen und hippen Konservativen zurück. Sie müssten mir dann doch bitte mal erklären, wie Sie eigentlich eine Parallele zwischen der Intoleranz einiger linken Menschen in Kreuzberg gegenüber anderen politischen Meinungen mit gegenwärtigen Genderdebatte ziehen können. Aus welchen Teil Ihres Kleinhirns kriecht denn die Abneigung gegenüber Opfern des NS-Regimes hervor? Ist es für Sie etwa richtig schön konservativ-national, wenn sich die Deutschen endlich aus allen Opferdiskursen verabschieden? Wie halten Sie es in diesem Zusammenhang mit Frau Steinbach – ach als bekennender Konservativer bleiben Sie hier halt stumm.
    Letztlich kommen Sie zwar immer mal wieder Lustig daher, landen dann aber doch in der typischen Argumentationsmustern der neuen Konservativen, nach dem Motto, die kulturelle Moderne ablehnen und für die persönlichen Ängste in einer entfremdeten Welt immer schön irgendwelche Minderheiten verantwortlich machen.

    Comment by Lalala — 30. September 2010 @ 11:25

  33. Mit Verlaub, Herr Fleischhauer:
    Sie sind ein Star!
    Habe mir gerade Ihren Film “Unter Linken” über Youtube zu Gemüte geführt.
    Selten habe ich so herzlich gelacht.
    Allerdings stellt sich bei mir auch ein mulmiges Gefühl ein;
    Zu stark ist bereits der Demokratieverlust durch linke Ignoranz und Arroganz geworden.
    Da ist es dringend notwendig, dass jemand den Linken die Maske der Demokratie und der Bessermenschlichkeit vom Gesicht reisst.
    Das ist Ihnen ganz hervorragend gelungen!
    Bitte machen Sie weiter so – viel Erfolg!

    Comment by Michael Heins — 30. September 2010 @ 12:57

  34. Auf einer Demonstration von Anti-Faschisten, Anarchisten und bürgerlichen Protestlern gegen eine Neonazi-Demo in Hildesheim begegnete ich christlichen Gegendemonstranten, die in der Fußgängerzone musizierten. Sie trugen T-Shirts mit dem Aufdruck “Gegen Rechts” – Meiner Meinung nach zeigt das ein völlig ungesundes, verschobenens Begrifflichkeitsdenken, das anti-demokratische Züge aufweist. Das Feindbild “Rechtsextrem” wird mit dem Begriff “Rechts” verklärt und radikalisiert.

    Dieselben Leute die sich angeblich in Gegnerschaft zu Feindbild-Denken befinden, kultivieren und proklamieren ihr eigenes Feindbild-Denken.

    ‘Rechts’ und ‘Links’ sind Ur-Begriffe der Parlamentarischen Demokratie, die unverzichtbarer Bestandteil demokratischer Auseinandersetzung sein MÜSSEN. Die ‘Mitte’ kann und darf niemand beanspruchen, denn dies bedeutet die letzte Wahrheit in jedem Politischen Streit von vornherein zu besitzen. Vielmehr jedoch soll sich in dem Parlamentarischen Demokratie-Prozess aus These und Anti-These, aus Argumenten der ‘Rechten’ Seite des Parlaments im Austausch mit den Argumenten des ‘Linken’ Teils des Parlaments eine vernünftige, alle Argumente abwägende, versöhnende Konsequenz in Form der Synthese, und damit eine Legislative Entscheidung herbeigeführt werden.

    ‘Gegen Rechts’ heißt nichts anderes, als gegen diesen grundlegend demokratischen Erörterungsprozess jeder politischen Problematik zu sein. Die ‘Mitte’ wird von diesen Leuten bei ihrer eigenen Meinung – ‘Links’ – verortet und eine Auseinandersetzung damit als überflüssig betrachtet.

    Gefährliches Denken, das von einem falschen Demokratie-Verständnis zeugt.

    Bin ich ‘konservativ’, bin ich ‘rechts’? So oder so, ich muss mich rechtfertigen, Rechtspopulisten sind das vermeintlich ‘Böse’, Linkspopulisten gibt es anscheinend nicht. Soweit ist die Unausgewogenheit und demokratische Ungerechtigkeit in unseren öffentlichen Diskursen schon gekommen, und ich hoffe wir finden den Weg wieder zurück zu einer DEMOKRATISCHEN EHRLICHKEIT, in der von allen Seiten die Notwendigkeit eines fairen Meinungsaustauschs akzeptiert und gewünscht wird!

    Comment by Manuel DaSilva — 30. September 2010 @ 13:07

  35. Es ist so herrlich schön mit anzusehen wie all die “alten” Konservatien (übrigens genau wie die “alte” Linke) verzweifelt nach Identität suchen und dabei ihre gesamte Scheinheiligkeit präsentieren. Wenn man tatsächlich das “Bewahren” und den oft zitierten “gesunden Menscenverstand” als konservative Leitplanken versteht, dann ist die CDU schon ziemlich lange nicht mehr konservativ. Sie bewahrt weder die Schöpfung, noch das Klima, weder die Menschenwürde, noch die Bildungsgerechtigkeit. Sie tut höchstens so, als ob. Geht es nämlich dann an die Umsetzung, kommt eigentlich stets nur ein Gegenargument: die Wettbewerbsfähigkeit, die Kosten, der Standort. Und so funktioniert die konservative ebenso wie die linke Weltanschauung nur noch über Abgrenzung zum jeweils anderen. Das ist Schade, hat aber durchaus noch Unterhaltungswert. Die Mitte, geprägt durch einen vorsichtig-progressiven Konservatismus haben dagegen längst andere besetzt. und so streben sie weiter ihrem Niedergang entgegen, zumindest in diesem Punkt sind Konservative und Linke vereint, Hand in Hand.

    Comment by rg — 30. September 2010 @ 13:34

  36. Ich habe auch gerade Ihre Doku auf SPIEGEL-TV gesehen, nachdem Fernsehkritik.TV positiv über Ihre Reportage berichtet hatte.
    Ich bin auch Jahrgang 1964 und dieser entlarvende Beitrag über die Verlogenheit der Linken hat mir aus der Seele gesprochen. Mehr davon. Gut war auch, dass die linke Ideologie auch im deutschen Journalismus mit einem kritischen Unterton von Ihnen erwähnt worden ist.
    Denn wenn man z. B. die linken Journalisten bei “Netzwerk-Recherche” kritisch recherchiert, rasten die aus…Beim “Mainzer Mediendisput” beim ZDF werde ich seit meiner kritischen Recherchen seit 2 Jahren nun immer vom ZDF-Sicherheitsdienst (kein Witz) begleitet.

    Comment by Rainer Hoffmann — 1. Oktober 2010 @ 16:16

  37. Sehr geehrter Herr Fleischhauer,
    lieber Herr Fleischhauer,
    wie auch immer: “SCHREIBEN SIE!” Schreiben Sie weiter, werden Sie besser (Die FAZ- Kritik trifft´s leider auch :-/ ) lernen Sie von den Linken die Satire – der Biss dazu fehlt uns Konservativen, (leider) aber SCHREIBEN Sie. Ich kaufe jedes Buch, zahle den doppelten Preis, aber verschaffen Sie sich Gehör, Aufmerksamkeit,…
    Mit Ihnen, Sarrazin, ef, Junge Freiheit, Stadtkewicz, wir werden mehr.
    Damit die Grünen Khmer in Baden-W. nicht auf 20% kommen – (es sieht so aus!) – Formulieren Sie es mit:
    WAS IST KONSERVATIV – und was kann Konservativ besser?

    Comment by Thomas Fuegner — 2. Oktober 2010 @ 11:12

  38. Der Film war ein netter Appetithappen – besonders schön haben mir Herr Peymann, Herr Ströbele und Herr Bsirske gefallen … zum Hauptgang gab es dann einen Tag später das “Original”.

    Herr Fleischhauer – herzlichen Glückwunsch zu Ihrem gelungen Buch! Ein mit beissendem Spott und Ironie gewürzter Spaziergang durch 40 Jahre deutscher Betroffenheits- und Gutmenschenkultur. Wunderbar wie Sie treffend und mit Sprachwitz die Methoden und den Herdentrieb der “linken Gesellschaftsutopisten” erklären.

    Vielen Dank und mehr davon!

    Comment by Stephan Feldhoff — 2. Oktober 2010 @ 17:53

  39. Jede Wortmeldung der lieben linken Vorposter bestätigt Ihren Befund mehr, als Sie es selbst gekonnt hätten. Was für üble Heulsusen. Gratulation an Sie, Herr fleischhauer!

    Comment by max — 3. Oktober 2010 @ 01:19

  40. Was sollen wir eigentlich an den peanuts für Peymann erkennen können? In seinem Beitrag spricht F. zunächst von Subventionen, dann von Honorar. Blanker Begriffsnotstand!

    Mein Rechtsanwalt hat bereits 250 Euro in der Westentasche, wenn er nur den Füllfederhalter hochhebt, wo ist also das Problem am Honorar des Herrn Peymann?

    Ich hab in der vergangenen Woceh 30.000 € mit den Aktien von TRIA IT verdient, für nichts! Man brauchte nur einen Tag Zeit, den man vor dem Börsenterminal zubringen musste, darin bestand die Leistung. Ich werde dafür einen Acker mit Walnussbäumen befplanzen lassen, die Zukünftigen werden es mir danken!

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 3. Oktober 2010 @ 18:24

  41. … oder an die Gegener von Stuttgart 21 überweisen!

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 3. Oktober 2010 @ 21:18

  42. …und nüchtern zu bett gehen?

    Comment by Roland Wolff — 4. Oktober 2010 @ 23:23

  43. Herr Fleischhauer, Sie tun mir leid für das gezwungenermassen jahrzehntelange dasein als Linker. Ich wurde schon im Januar 1980 davon geheilt, als beim Gründungsparteitag der Grünen sowohl das allgemeine Recht auf Leben, “ökologisch” und “gewaltfrei” als auch das Recht auf Abtreibung ins Programm reingeschrieben wurde. Das war zu viel Dialektik für mein kleines und einfach strukturiertes – halt konservatives – Gehirn.

    Comment by willanders — 6. Oktober 2010 @ 15:09

  44. Lieber Herr Rosenfeld, Sie haben in nun 30000 Euro in einer Woche auf Aktien verdient. Wunderbar. Auch meine Firma hat Ihre Reserven sehr rentabel angelegt. Im Unterschied zu Ihnen, beklage ich mich allerdings nicht über den Profit. Wenn ich den (und das so üble System) nicht gewollt hätte, hätte ich es so nicht angelegt. Aber das kennzeichnet wahrscheinlich Linke so gut, und genau da hat Sie Fleischhauer so getroffen. Wasser predigen und selber Wein saufen ( wer könnte mir bei Wein saufen ganz besonders in den Sinn kommen), darin sind Sie und Ihre Genossen wirklich gut.
    Und Vergessen Sie nie: erst saufen, dann schreiben (und den Restalkohol nie vergessen).

    Comment by max — 7. Oktober 2010 @ 03:44

  45. Lieber Maxl,

    ich bin mir nicht sicher, wer von uns beiden der Betrunkenere ist. Woher nehmen Sie Ihre kruden Informationen, oder wie kommen Sie darauf?

    Wo bitte beklage ich mich über meine Ländereien, Immobilien, meine Vermögen, meinen Reichtum oder Profit?

    Ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen, ich würde “Wasser predigen und selber Wein saufen”. Das Gegenteil ist doch in diesem Blog der Fall: ich verrate hier geheimste Geheimtipps der Önologie, strahlendste Juwelen der Weinkunde, alkoholische Geschmacksexplosionen der kostbarsten Provenienz
    und rufe förmlich dazu auf, sich diesen Hochgenüssen ebenfalls nicht zu verweigern, erst recht nicht im Namen des Islam!

    Beim Wasser aber, beim acqua, wie der Italiener sagen würde, da muss es einfach Pellegrino sein.

    Zum Schluss empfehle ich Ihnen Ihren Satz

    “Aber das kennzeichnet wahrscheinlich Linke so gut, und genau da hat Sie Fleischhauer so getroffen.”

    hinsichtlich der von der deutschen Grammatik vorgeschlagenen Reihenfolge von Subjekt und Objekt zu überprüfen. Das wäre ein echter Beitrag zur Geistesschärfung!

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 7. Oktober 2010 @ 16:11

  46. Es ist etwas still geworden im Blog des Don Juan F.

    Haben ihm die Abschaltung des Zugangs zu den Informationen über Subventionszahlungen an die “Landwirtschaft” und die Informationen von Wikileaks, auf deren Basis sich die Bürger endlich einmal eine echte eigene Meinung bilden konnten, d. h. also ohne die weichspülende und lohnabhängige Einhilfe neunmalkluger Journalisten, etwa die Sprache verschlagen?

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 10. Dezember 2010 @ 10:52

  47. Es wird immer stiller um F. – Will er uns denn gar nicht das Märchen von den schwarzen Schafen in der Futtermittelbranche singen?

    Ist es nicht betriebswirtschaftliche Rationalität, die billigsten Zusatzstoffe in Futter einzumischen, um die höchsten Gewinne zu erzielen?

    Überall schwarze Schafe: bei den Banken, den Versicherungen, den Futtermittelherstellern, den Weinpanschern und, und, und.

    Das Profit-System IST das schwarze Schaf!

    Comment by Markus Graf Rosenfeld — 12. Januar 2011 @ 10:33

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