Sexualmoral

Filed under: Allgemein,Grüne,Lebensstil,Moral — Schlagwörter: , , , , , — JF @ 23:24

“Man muss aufrichtig sein, seriös”

Zugegeben, langsam ist man ein bißchen missbrauchsmüde. Keine Woche ohne neue Namen und Verdächtigungen; jetzt hat der Skandal schon die Familie Weizsäcker erreicht, die vergangene Woche noch anlässlich des 90. Geburtstages von RvW zu einer Art deutschem Kennedy-Clan ausgerufen wurde. Deshalb auch nur ein kurzer Nachtrag zu der auffälligen Scheu, zum eigentlichen Thema vorzustoßen: dem Zusammenhang zwischen Sexualmoral und pädagogischem Eros.

In der Diskussion um die Odenwaldschule, dem reformpädagogischen Vorzeigeprojekt der siebziger und achtziger Jahre, wird die Frage, welchen Einfluss die sexuelle Befreiung und mit ihr die sich gerade formierende Schwulenbewegung auf die nun in Rede stehenden Lehrer gehabt haben könnte, einfach ausgeklammert. Von der katholischen Kirche wird jetzt im Gegenteil sogar eine weitere Aufweichung ihrer Sexuallehre verlangt, in der verwegenen Annahme, das Gebot zur Keuschheit verführe zum Missbrauch, nicht etwa seine Infragestellung.

Um einen Eindruck vom politisch-kulturellen Umfeld der Zeit zu bekommen, in der sich viele der nun bekannt gewordenen Fälle zutrugen, hier ein bislang weitgehend unbekannter Auftritt des ehemaligen Studentenführers Daniel Cohn-Bendit im französischen Fernsehen am 23. April 1982. Man kann sagen, was der heutige Europaabgeordnete der Grünen da unter nervösem Gelächter der Anwesenden mitzuteilen hat, war alles nicht so gemeint –  vielleicht. In jedem Fall zeigt sein Auftritt eine profunde Grenzverschiebung in einem zentralen gesellschaftlichen Tabubereich; wer sich so in Szene setzt, ist sich seiner Sache sehr sicher. Dass sich wirkliche Päderasten in dieser Zeit der, wenn möglicherweise auch nur rhetorischen Enttabuisierung der Kinderliebe durchaus ermutigt gefühlt haben dürften, den Worten Taten folgen zu lassen, ist sicher kein ganz abwegiger Gedanke.


Eheleben

Filed under: Lebensstil — Schlagwörter: , , , — JF @ 00:25

Zahnseide = 2 Jahre +

Verwirrende Studien aus Amerika: Verheiratete Männer leben fünf Jahre länger als unverheiratete, was den gesundheitlichen Wert der Ehe belegt und  in der Transplantationsmedizin dazu führt, dass ledige Männer  von den Ärzten bei der Vergabe von Spenderorganen regelmäßig benachteiligt werden. Anderseits verlängert es das männliche Leben, wenn die Lebenspartnerin jünger ist, wie jetzt Forscher des Max-Planck-Instituts für demographische Forschung nachweisen konnten, was sich mit der erstgenannten Studie nur unter der Bedingung verträgt, dass es vor allem darauf ankommt, verheiratet zu bleiben, nicht unbedingt aber mit der selben Frau. Noch eigenartiger: Bei Frauen hat die Ehe keinerlei Effekt auf die Lebenserwartung; sind sie mit einem jüngeren Mann liiert, sterben sie im Schnitt sogar früher als ihre Geschlechtsgenossinnen, die mit einem etwa gleich alten oder älteren Mann zusammen sind.  Man wäre auf eine Erklärung gespannt. Vielleicht verursacht der Altersunterschied bei Männer und Frauen ein unterschiedliches Maß an Stress, der sich aber, und das ist wiederum die gute Nachricht, kompensieren lässt: Wer regelmäßig Zahnseide benutzt, gewinnt zwei Jahre Lebenszeit, ganz unabhängig vom Geschlecht, regelmäßiges Scrabble oder Sudoku mit anderen bringt ebenfalls fünf Jahre, auch der sonntägliche Kirchgang zahlt sich aus (+ 1,7 Jahre). Es ist also nichts verloren, Hauptsache man bleibt nicht ungebunden und allein.