Ideologiedebatte

Filed under: Linke,Moral,Mythen — Schlagwörter: — JF @ 00:24

Utopie und Terror

Selbst in der eigenen Partei sind sie jetzt etwas unglücklich über die Vorsitzende der Linken und ihr Bekenntnis zum Kommunismus. Allerdings weniger aus inhaltlichen Gründen, wie die halbherzigen Distanzierungen zeigen, in der Sache haben dort nur die wenigsten an den Äußerungen von Gesine Lötzsch etwas auszusetzen. Man nimmt ihr vor allem übel, dass sie den Leuten so direkt auf die Nase gebunden hat, wohin die Reise mit der Linkspartei geht, sollte sie wieder an die Macht kommen. Von einer “unglücklichen Formulierung” spricht Gregor Gysi entschuldigend, wer über Kommunismus rede, müsse damit rechnen, dass andere dabei auch an Stalin und die Mauer denken würden. Ja, an was denn sonst? Etwa an die Segnungen der chinesischen Kulturrevolution, die vorbildlichen marxistischen Erziehungsexperimente in Kambodscha oder die Vorzüge der kleinen Dschungeldespotie auf Kuba?

Ihren Kinderglauben an die moralische Überlegenheit des Kommunismus hat sich die Linke in Deutschland bis heute nicht nehmen lassen, das gilt weit über die Linkspartei hinaus. Niemand klaren Verstandes käme auf die Idee, am Nationalsozialismus noch irgendetwas Gutes zu sehen, beim Kommunismus, der anderen mörderischen Großideologie des 20. Jahrhunderts, ist das selbstverständlich anders. Der Trick besteht darin, Idee und Ausführung zu trennen. Linke meinten mit Kommunismus etwas “sehr Edles”, sagt Gysi in schöner Unschuld, nämlich eine “höchst gerechte und humane” Gesellschaft. Das Ideal ist nur ohne die entsprechende Praxis nicht zu haben.

Der Klassenwahn endet, konsequent zu Ende gedacht, nicht viel besser als der Rassenwahn. Es ist kein Zufall, dass überall dort, wo sich Revolutionäre daran machten, die marxistische Idee in die Wirklichkeit zu überführen, als erstes die Umerziehungslager eröffneten. Wer eine klassenlose Gesellschaft anstrebt, kommt nicht umhin, die Feinde dieser Gesellschaft aus dem Verkehr zu ziehen. Die kommunistische Utopie, in der Gier und Egoismus ausgemerzt sind, setzt auf die Verbesserung des Menschengeschlechts, anders funktioniert es nicht. Weil man ewig darauf warten müsste, dass sich der Mensch von selber bessert, muss man von Staats wegen nachhelfen, daher immer auch der Terror.

Zu den Meinungen, mit denen man sich in Deutschland aus gutem Grund unmöglich macht, gehört die Verharmlosung der Nazi-Diktatur. Wer heute von den Opfern sprechen würde, die “im Namen des Nationalsozialismus” ihr Leben ließen, hätte sich diskursmoralisch zu Recht disqualifiziert. Wenn umgekehrt die Abgeordnete Sahra Wagenknecht angesichts der 90 Millionen Toten, die auf das Konto des praktischen Marxismus gehen, von den Verbrechen spricht, “die im Namen des Kommunismus begangen wurden”, findet komischerweise niemand etwas dabei.

Irgendwie gelten die Leichen, die der Kommunismus hinterlassen hat, immer noch als bedauerlicher, aber entschuldbarer Betriebsunfall der Geschichte. “Vertreibung der Kulaken durch Stalin” nannte Jürgen Habermas schon im berühmten Historikerstreit nonchalant, was mit schätzungsweise zehn Millionen Toten eine der größten Auslöschungsaktionen der Geschichte ist. Das “Schwarzbuch des Kommunismus”, eine erste Aufzählung der in der Umsetzung der marxistischen Theorie verübten Verbrechen, wurde im deutschen Feuilleton vor allem unter der Frage diskutiert, ob man “roter Holocaust” sagen dürfe. Ansonsten galt das “Schwarzbuch” als “Tendenzhistorie” (Hans Mommsen), die auf “Pauschalverurteilungen statt Erklärungen” setze. Manchmal können Pauschalverurteilungen durchaus angezeigt sein.

Luxuslinke

Filed under: Linke,Sozialstaat,Wirtschaft — Schlagwörter: , , , — JF @ 10:51

Spekulieren mit Soros

Warum sind so viele reiche Menschen links? Die kürzeste Antwort lautet: Weil sie es sich leisten können.

Wer sich für linke Politik begeistert, muss ein entspanntes Verhältnis zum Geld haben, denn es wird in jedem Fall teuer, das lehrt die Erfahrung. Nach meiner Beobachtung sind es vor allem zwei Gruppen, die keinen Grund haben, sich vor linken Fortschrittsprojekten zu fürchten: Diejenigen, die immer schon vom Geld anderer Leute lebten und damit gut gefahren sind, und die Glücklichen, die ihr Vermögen schon gemacht haben (und in Sicherheit wissen).

Ein besonders schönes Beispiel für diese Art des Luxuslinken ist der Milliardär George Soros, der mit Währungsspekulationen zu beeindruckendem Reichtum gelangte und nun mit schöner Regelmäßigkeit Deutschland heimsucht, wo man ihn nicht nur für einen Kenner der Finanzmärkte, sondern auch für einen großen Denker hält. Keine Frage, Soros versteht etwas von Spekulationsgeschäften, wofür schon die Tatsache spricht, dass er seine berühmten Quantum Funds der amerikanischen Finanzaufsicht entzog und in Offshore-Paradiesen wie den Jungferninseln und den Niederländischen Antillen ansiedelte.

Weil ihm offenbar das Spekulieren irgendwann zu langweilig wurde, entschloss er sich, Bücher zu schreiben, die zwar keinen neuen Gedanken enthalten, diesen aber so kritisch unters Volk bringen, dass er seitdem ein gern gesehener Gast auf allen Foren ist, wo man sich seine Vorbehalte gegen den Kapitalismus von einem Nutznießer desselben bestätigen lässt. Dass Soros in den USA, wo er lebt, lange nicht den Ruf genießt, den er bei uns hat, kümmert hier keinen. Man kennt das Phänomen aus der Musik- oder Filmbranche: Auch David Hasselhoff hat es in den Staaten nie zu einer Popularität gebracht wie in Deutschland, deshalb tourt er, solange es seine Leber erlaubt, ja auch so fleißig durch die hiesige Fangemeinde.

Soros war gerade wieder in Berlin zu Besuch, diesmal um die Deutschen den Sparkurs auszureden. Er wurde auf Abendessen herumgereicht, wo er sich dann über die wirtschaftliche Unvernunft der Bundesregierung im Allgemeinen und der Kanzlerin im Besonderen verbreitete. In der “Zeit” durfte er ein langes Interview geben und an der Humboldt-Uni eine Rede halten. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann lassen sich die Auftritte auf zwei Botschaften bringen: Die Unternehmen sollen endlich die Löhne erhöhen, damit die Leute mehr Geld zum Ausgeben haben, und der Staat soll mit Schulden weiter die Banken stützen und die Wirtschaft ankurbeln – also ziemlich exakt die Art von Politik, die eine Reihe europäischer Staaten gerade tief in die Krise geführt hat.

Schwer zu sagen, was Soros sich dabei denkt, vielleicht hat er gerade wieder eine Wette gegen den Euro laufen. Am Ende weiß man nicht, worüber man mehr staunen soll: dass jetzt auch Hedgefonds-Manager wie Ver.di-Vertreter reden oder den heiligen Ernst, mit dem das Publikum an seinen Lippen hängt (Humboldt-Uni erste Reihe, bedächtig nickend: Joschka Fischer). Für den Gleichklang mit dem Sozialstaatsflügel gibt es wenigstens eine Erklärung: Auch der Spekulant kann ohne fremdes Geld nicht leben.

Zeitgeschichte

Filed under: Allgemein,Kultur,Lebenswelten,Linke — Schlagwörter: , , , , , — JF @ 14:22

Missbrauch von links

Es ist in Vergessenheit geraten, aber gerade die Achtundsechziger und ihre Nachfolger waren von einer seltsamen Obsession ergriffen, was die kindliche Sexualität angeht. Das Thema stand sogar ganz oben auf dem Projektplan der jungen Revolutionäre, kein linkes Theoriebuch der Zeit,  das nicht die Sexualität, und hier vor allem die der Kinder, in den Blick nahm.

Alles, was von den Neuerern als falsch und schädlich empfunden wurde, hatte nach ihrer Meinung seinen Ursprung in der Triebkontrolle: die Aggression des Menschen, seine Gier und sein Besitzstreben, seine Autoritätshörigkeit. Nur wer sich der sexuellen Repression entzog, konnte ein wahrhaft freier Mensch sein. Was lag also näher, als bei der Befreiung möglichst früh anzusetzen? Wenn die Schamgrenzen erst einmal etabliert sind, ist alles, was dann folgt, Herumdoktern am Symptom. Viel besser ist es, Scham gar nicht erst entstehen zu lassen, deshalb beginnt mit 1967 auch ein Programm zur schrittweisen Absenkung der Tabuschranken, an dessen Ende sogar der Geschlechtsverkehr mit Kindern als fortschrittlich gilt.

Das Kapitel taucht in den Feierstunden der Bewegung , in denen sonst noch jede provokative Tat als gesellschaftsverändernd gefeiert wird, nie auf; die Veteranen scheinen in diesem Punkt von einem akuten Gedächtnisverlust befallen. Dabei wäre eine Aufarbeitung auch dieser Umwälzung der Verhältnisse durchaus lohnend, jedenfalls, wenn man die Missbrauchsdebatte, die im Januar am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin ihren Anfang nahm, ernsthaft führen will. Schon die Vorfälle an der hessischen Odenwaldschule haben gezeigt, dass es eine Verbindung zwischen Reformanspruch und Enthemmung gibt.

Wer in diesem Punkt zeitgeschichtliche Nachhilfe wünscht, dem sei der neue SPIEGEL zur Lektüre empfohlen: “Kuck mal, meine Vagina” heißt der Bericht über die Erziehungsexperimente im Kinderladen und elterlichen Schlafzimmer, die dabei helfen sollten, “den neuen Menschen zu schaffen”, wie  im “Handbuch für positive Kinderindoktrination” von 1971 noch so verheißungsvoll stand. “Hinter solchen Vorwürfen stecken auch Versuche, eine gesellschaftliche Fortschrittsentwicklung zu denunzieren”, erklärte der Sexualwissenschaftler Gunter Schmidt vor kurzem in der “Frankfurter Rundschau”, als im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen an der Odenwaldschule erstmals Fragen nach der Mitverantwortung der Achtundsechziger aufkamen: “Im Großen und Ganzen haben die sozialen Veränderungen, die man mit der Chiffre 1968 zusammenfasst, eher zu einer Prophylaxe des Missbrauchs geführt.”

Es wird interessant sein zu sehen, ob sich diese Deutung so halten wird.

Wissenschaft

Filed under: Allgemein,Intelligenz,Lebenswelten,Linke — Schlagwörter: , , , , — JF @ 23:38

Neues aus der Intelligenzforschung

Endlich mal wieder Selbstbestätigung für alle, der linken Sache nahestehenden Menschen: Konservative haben einen geringeren IQ. Erst hat es die “Süddeutsche” vermeldet, dann “Spiegel Online”: Der Psychologe Satoshi Kanazawa von der London School of Economics hat eine Befragung unter amerikanischen Jugendlichen ausgewertet und dabei herausgefunden, dass diejenigen, die sich selber als “sehr liberal” einstuften, einen Intelligenzquotienten von 103 aufwiesen, die Gruppe derer, die sich selber als “sehr konservativ” einschätzte, aber nur einen von 97. Kein gewaltiger, aber immerhin ein deutlich messbarer Unterschied. Fazit also: Linke sind intelligenter als Rechte.

Bevor sich nun alle wahnsinnig freuen und über die Erkenntnisse des Briten ganz aus dem Häuschen geraten, hier ein paar weitere Ergebnisse aus der Forschungsarbeit Kanazawas: Männer sind intelligenter als Frauen, große Menschen sind intelligenter als kleine, hübsche intelligenter als hässliche. Angeblich bringt es auch Vorteile, seiner Frau treu zu bleiben. Dann vielleicht doch lieber groß, gutaussehend und rechts, als klein, vermuckelt und links. Zumal Konservative auch noch glücklicher sind, wie nun wiederum Christian Bjornskov von der Aarhus School of Business herausgefunden zu haben glaubt. Abenteuer Wissenschaft.

DDR

Filed under: Diktatur,Linke — Schlagwörter: , , , , — JF @ 23:28

Demokratischer Unrechtsstaat

Eines der grundlegenden Probleme bei der nachträglichen Befassung mit der zweiten deutschen Diktatur ist ihr Diktaturcharakter. Schon den Hinweis auf diesen empfinden viele, die sich der DDR verbunden fühlten und wohl immer noch fühlen, als abwertend, um nicht zu sagen als “diskriminierend”. Vielleicht sollten wir uns zum 20. Jahrestag des Mauerfalls einfach darauf verständigen, nicht mehr so offen von Diktatur zu reden; auf jeden Fall sollte man das Wort “Unrechtsstaat” vermeiden, weil dieses als besonders kränkend empfunden wird, wie sich gerade wieder auf dem Parteitag der Linken im thüringischen Schleiz beobachten ließ.

Es habe wohl Unrecht in der DDR gegeben, aber das gelte auch für andere Staaten wie die Bundesrepublik, erklärte dort der Erfurter Delegierte Hendrik Volkert unter großem Beifall der Versammelten. Er lasse sich nicht einreden, dass die DDR kein Rechtsstaat gewesen sei; sie habe eine Verfassung und ein Parlament gehabt, die vom Volk gewollt gewesen seien: “Die DDR ist ein Teil von mir und wird es bleiben”, fügte Volkert hinzu, womit nicht nur eine biographische Festlegung gemeint war.

Die Abgeordnete Ina Leukefeld liess sich auf selbiger Veranstaltung mit dem Satz vernehmen, sie werde die DDR keinesfalls einen Unrechtsstaat nennen, da dies auf die “Delegitimierung der DDR” hinauslaufe und auf die “Diskriminierung von 17 Millionen Menschen”. Als ein weiterer Delegierter von Chemnitz konstant als “Karl-Marx-Stadt” sprach, weil er dies offenbar so gewohnt war und auch keinen Grund sah, die Angewohnheit nach 20 Jahren Bundesrepuplik abzulegen, sah sich der Fraktionsvorsitzende der Linken im thüringischen Landtag, Bodo Ramelow, zu dem Hinweis genötigt, dass er nicht auf diesem Parteitag stehen würde, wenn es Karl-Marx-Stadt noch immer gäbe. Ramelow stammt aus dem Westen der Republik, wo er eine vorbildliche Gewerkschaftskarriere hinlegte, bevor er sich den Linken anschloss und dann mit diesen bei der letzten Landtagswahl 27,4 Prozent der abgegebenen Stimmen holte. “Verhaltenen Beifall” notierte der Korrespondent der “FAZ”, dem wir die Überlieferung obiger Zitate verdanken, an dieser Stelle.

Doch wie sollen wir die DDR nun nennen? Einen halben Rechtsstaat? Einen Vorläuferstaat? Nennen wir sie einfach eine unfertige Demokratie, das sollte auch bei den Genossen Volkert und Leukefeld keinen Anstoß erregen.

Debatte

Filed under: Allgemein,Linke — Schlagwörter: , , — JF @ 18:15

Rot und Schwarz

Eine der großen Stärken der Linken ist ihre Verblüffungsresistenz, diese Fähigkeit, sich durch kein Ereignis in der eigenen Weltsicht erschüttern zu lassen. Der  Mangel an Urteilsschüchternheit selbst nach verheerenden Niederlagen verleiht den Anhängern der linken Glaubensrichtung auch in schwierigen Zeiten eine Bestimmtheit im Auftritt, die einem Respekt abnötigen muss. Die neue Regierung ist gerade mal zwei Wochen im Amt, doch auf der anderen Seite weiß man schon genau, wie es ausgehen wird. Für den SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier ist es bereits ausgemacht, dass die neue Koalition “die soziale Spaltung in Deutschland vertiefen” werde, ein “Programm der Umverteilung von unten nach oben” sieht der DGB-Vorsitzende Michael Sommer in dem jetzt vorgelegten Koalitionsvertrag. “Das ist eine Koalition der Klientel-Politik, eine Klientel-Koalition, und sie handelt gegen das Allgemeinwohl in Deutschland”, lautet die erste Bilanz des neuen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel.

Die neue Regierung ist für ihre Kritiker auf der Linken kein leichter Fall, aber aus einem ganz anderen Grund. Schon das neue Kabinett entspricht allen Anforderungen des von Rot-Grün auf den Weg gebrachten Antidiskriminierungsgesetzes, das bekanntlich den Weg zu einer besseren, gerechteren Gesellschaft ebnen sollte, eigentlich fehlt nur ein Transsexueller und ein Vertreter des muslimischen Glaubens, um das höchste Diversivitäts-Gütesiegel zu bekommen, das die Europäische Union zu vergeben hat. Auch der Koalitionsvertrag, auf den sich Union und FDP verständigt haben, spricht die Sprache des weichen Wassers, das den harten Stein bricht. Der neuen Regierung liegen die “wandernden Fische” in “frei fließenden Flüssen” ebenso am Herzen wie die gerechte Lastenverteilung in der modernen Familie, weshalb die “Partnermonate” gestärkt und das “Teilelterngeld” auf 28 Monaten verlängert wird. Die Koalition will dafür sorgen, dass in den nächsten zehn Jahren “eine Millionen Elektrofahrzeuge” auf Deutschlands Straßen fahren, niemand soll sich in Zukunft vor Gericht noch gegen Kinderlärm beschweren können, und damit endlich auch die schwulen NS-Opfer eine Entschädigung erhalten, hat die Regierung die Errichtung einer “Magnus-Hirschfeld-Stiftung” zum Zwecke des “kollektiven Ausgleichs” beschlossen. Was wollt ihr eigentlich noch, möchte man den aufgeregten Menschen bei SPD und Grünen zurufen, das hätte euch mal einfallen sollen.

Bis heute hat die parlamentarische Linke keine rechte Vorstellung, was am 27. September eigentlich passiert ist. Aus ihrer Sicht gibt es keinen vernünftigen Grund, warum die Mehrheit der Bürger in der schlimmsten Krise, die das Land seit Ende des Krieges befallen hat, ausgerechnet eine Regierung aus Konservativen und Liberalen mit den Amtsgeschäften betraut hat. Die Linke kann sich ihr Scheitern nur so erklären, dass der Feind viel mächtiger und bösartiger ist, als er nach außen erscheint. Auch deshalb wittert sie jetzt überall eine Verschwörung mächtiger Interessen, eine “Klientel-Koalition” eben. Die Geschichte der Glaubensbewegungen lehrt, dass der Weg von der Sekte zur Kirche auch wieder zurückführen kann, wenn die Glaubensgewissheit zu stark wird. Die Eiferer stehen eher am Rand, auch in der Politik.

Kompletter Artikel und die Antwort darauf von linker Seite: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,660662,00.html

ZDF

Filed under: Linke,Linkspartei,Parteien — Schlagwörter: , , , — JF @ 12:57

Maybrit Illner – SPD-Therapiestunde mit Dohnanyi, Drohsel & Ulrich Maurer

ARD

Filed under: Lebenswelten,Linke — Schlagwörter: , , , , — JF @ 20:10

Menschen bei Maischberger – Hildebrandt, Kroetz, Rogler, Fitz & einer von Außen

Ausländerpolitik

Filed under: Ausländer,Linke — Schlagwörter: , , , , , — JF @ 22:11

Am Rande des Guten

Die Ausführungen des ehemaligen Berliner Finanzsenators und heutigen Bundesbankmitglieds Thilo Sarrazin zu den Versäumnissen der deutschen Ausländerpolitik haben im linken Lager zu heftigen, man kann auch sagen: den erwartbaren Reaktionen geführt. “Am Rand braunen Gedankenguts” ordnete Hans-Christian Ströbele von den Grünen Sarrazins Äußerungen ein, “widerlich” nannte sie der grüne Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick, “skandalös” und “rechtsradikal” das Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong. Für den Feuilleton-Chef der “Frankfurter Rundschau”, Arno Widman, ist der Finanzfachmann “verrückt, und sonst gar nichts”, außerdem ein “Brandstifter” und hysterischer Fremdenfeind, der “Rassismus pur” verbreitet. “Sarrazins Menschenverachtung ist untragbar”, befand gleich am Montag Renate Künast und empfahl dann das, was sie in solchen Fällen immer empfiehlt: die Entfernung des Schuldigen aus dem Kreis der Zurechnungsfähigen. Bundesbank-Präsident Axel Weber müsse umgehend tätig werden (sonst ist es immer die Kanzlerin, die eingreifen muss): “Jede Ortssparkasse müsste umgehend Konsequenzen ziehen. Wenn die Bundesbank nicht sofort handelt, gefährdet sie ihre Substanz.”

Nun zu einigen Zahlen: In der Altersgruppe der 25- bis 35jährigen haben 40 Prozent der Ausländer in Deutschland keinen formalen Berufsabschluss, bei den Türken liegt der Anteil inzwischen bei 73 Prozent, so steht es im jüngsten “nationalen Integrationsplan” der Bundesregierung. Von den ausländischen Arbeitslosen hatten zu Beginn des Jahres 78 Prozent keine richtige Ausbildung, bei den Deutschen waren es in dieser Gruppe 37,5 Prozent. Vier Fünftel der ausländischen Jugendlichen eignen sich bestenfalls für einfache Tätigkeiten, nur elf Prozent haben das Zeug zum Facharbeiter, lediglich acht Prozent können sich für eine gehobene Angestelltenposition bewerben. Mit jeder Generation hat sich die Arbeitsmarktlage von Ausländern in Deutschland verschlechtert. Ende der siebziger Jahre war die Arbeitslosigkeit bei Deutschen und Zugezogenen etwa gleich hoch. Zwischen 1980 und 1983 jedoch verdoppelte sich  deren Arbeitslosenquote plötzlich und überstieg 1997 erstmals die 20-Prozent-Marke. Gemessen an der Gesamtbevölkerung ist sie Migranten heute mehr als doppelt so hoch.

Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Zahlen in Zukunft besser werden. Es spricht im Gegenteil sogar alles dafür, dass sich die soziale Lage von Ausländern, und hier vor allem von Türken in Deutschland, weiter verschlechtert. Das ist dramatisch, nicht ein Interview in einer respektablen Kulturzeitschrift mit linken Wurzeln und französischem Namen.

Fackelkopf

Filed under: Linke — Schlagwörter: , , , , — JF @ 23:22

Gesunder Klassenstandpunkt

Mit der Post erhielt ich dieser Tage ein Schreiben des ebenfalls in Berlin ansässigen Journalisten und Schriftstellers Bruno Preisendörfer, in dem er mich über einen “offenen Brief” in Kenntnis setzte, den er auf seiner kürzlich eröffneten Webseite “Fackelkopf” veröffentlicht hat. Ich muss zugeben, dass mich bereits ein Beitrag von Jens Bisky in der “Süddeutschen” auf den Text aufmerksam gemacht hatte, insofern war ich vorgewarnt. Preisendörfer ist ein bekennender Linker, er macht auch keine Anstalten, das irgendwie modisch einzukleiden – er versteht sich als Mann der Arbeiterschaft, jedenfalls stammt er daher, seine Kritik erwächst aus einem klaren Klassenstandpunkt, was mir schon einmal sympathisch ist. Ich hatte immer etwas übrig für Leute, die die Dinge sehen, wie sie sind, wozu auch die Existenz von Interessen und sozialen Milieuverhaftungen gehört. Natürlich hat Preisendörfer an dem Buch einiges auszusetzen; so vermisst er eine Würdigung der Gewerkschaftsbewegung (die ist bis auf eine Vignette über den schlechtgelaunten Funktionär in der Tat ausgefallen, ich muss bei Gewerkschaft immer an Ver.di denken, da bin ich befangen). Das Interessante ist, dass Preisendörfer eine ganze Reihe, wenn nicht sogar die überwiegende Zahl, meiner Einschätzungen teilt. Als Arbeiterkind kennt er nur zu genau das “Kopftätschelnde” des linken Juste Milieu, das “Sentimentale und Naive” dieser Schicht von Leuten, die sich für die Elenden und Ausgebeuteten immer nur so lange interessieren, als sie ihnen nicht zu nahe rücken. “Wie kann ein Mensch, der eine Putzfrau und noch alle Tassen im Schrank hat, links sein?” fragt er: “Die Putzfrau selbst müsste links sein, wenn es mit rechten Dingen zuginge und die Menschen nicht so verwirrte Wesen wären.” Recht hat der Mann.

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