Künast

Filed under: Wahlkampf — Schlagwörter: , , , — JF @ 18:38

Politischer Reinigungszwang

An dieser Stelle doch noch einmal ein Wort zu Renate Künast, es hilft nichts. Bei kaum einem anderen Funktionär im politischen Berlin ist die Erregungs-  und vor allem Bezichtigungsbereitschaft so ausgeprägt wie bei der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag. Wenn sich irgendwo in Deutschland jemand politisch verdächtig eingelassen hat, kann man sicher sein, dass Künast mit maximaler moralischer Entrüstung maximale Distanzierung verlangt.

Zum ersten Mal fiel mir die Anwältin auf, als sie vor drei Jahren den Historiker Arnulf Baring zur Strecke zu bringen suchte. Baring hatte bei einem Vortrag im hessischen Landtag ausgeführt, warum es nach seiner Meinung töricht sei, die deutsche Geschichte auf die Jahre 1933 bis 1945 zu reduzieren, woraus erst  die “Frankfurter Rundschau” den Vorwurf destillierte, er habe den Nationalsozialismus verharmlost, und dann Künast aus Berlin per Ferndiagnose den Schluss zog, der Professor habe die Schrecken des Holocaust zu leugnen versucht. Jedermann weiß, dass ein Vorwurf dieser Güte eine Karriere in Deutschland sofort beenden kann, und als sei das noch nicht genug, verlangte die Grüne von Bundeskanzlerin Angela Merkel, sich umgehend „von Baring und seinen Thesen zu distanzieren“ und ihn von einer geplanten CDU-Veranstaltung auszuladen. Als sich ein paar Tage später anhand eines aufgefundenen Mitschnitts herausstellte, das alles seine Ordnung gehabt, ja Baring ausdrücklich die Schrecken des Nationalsozialismus herausgestellt hatte, sah sich Künast nicht etwa zu einer Entschuldigung veranlasst, sondern befand im Gegenteil, sie habe allen Grund gehabt, dem Professor zu misstrauen.

Diese Woche ging der Kampf nun gegen den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, der in einem Anfall von Stimmenfang den Zuhörern ein paar hässliche Sachen über die Arbeitsmoral rumänischer Arbeitnehmer gesagt hat, weil sie seinen braven Landeskindern die Handyproduktion bei Nokia weggeschnappten. “Rassismus pur”, befand die wackere Dame, verbunden mit der Aufforderung an die Kanzlerin, Rüttgers seiner Verpflichtung in den Parteigremien zu entheben. Nicht nur, dass Künast offenbar unter einem merkwürdigen Reinigungszwang leidet, der sie ständig nach der Entfernung von Leuten rufen lässt, die sie nicht leiden kann – der Vorwurf geht auch an der Sache vorbei. “Rassismus” setzt ja den Tatbestand einer rassischen Unterscheidbarkeit oder jedenfalls klar abgrenzbarer Ethnien voraus, wenn man schon in solchen Termini denken will. Wenn überhaupt hat sich Rüttgers der Volksverhetzung schuldig gemacht, und selbst das ist mehr als fragwürdig, denn der Hinweis auf die laxe Arbeitsmoral in einem Nachbarland offenbart eine Vorurteilsstruktur, wie sie umgekehrt genauso leicht anzutreffen ist – man muss nur einmal mit einem Franzosen, Briten oder Holländer über die Deutschen reden, um den Beweis anzutreten.

Im Englischen würde man sagen: She ist not the sharpest knife in the tool box, aber so etwas geht im Deutschen natürlich nicht, und deshalb bleibt es hier auch ungesagt.

Echos

Filed under: Unter Linken — Schlagwörter: , , , — JF @ 21:05

Rechts und links

Der hochgeschätzte Kollege Wolfgang Röhl, letzter Freigeist im “Stern”, berichtet über den Kuba-Besuch eines Freundespaares, das eine wunderbare Illustration der an dieser Stelle mehrfach aufbereiteten These von der linken Doppelmoral abgibt. Die “Welt” druckt auf ihrer Forum-Seite ein längeres Gespräch zur Frage, was heute eigentlich noch rechts und links ist, beziehungsweise warum es Konservative in Deutschland so schwer haben.  Im “Freitag”, dem mit viel Elan betriebenen deutschen “Guardian” unter Regie von Jakob Augstein, findet sich ein längere Leseprobe aus dem Opferkapitel, dazu, mit Zeitverzug, eine eher missgestimmte Kritik, die allerdings nicht ohne Widerspruch aus der Leserschaft bleibt.

Baring

Filed under: Unter Linken — Schlagwörter: , , , — JF @ 13:49

Endlich!

“Endlich!”, schreibt Arnulf Baring in der heutigen Ausgabe der “Welt“: “Wie lange hat man auf dieses Buch gewartet, das überfällig war.” Die erste Rezension von “Unter Linken” – schmeichelhaft. So kann es natürlich nicht bleiben.

“Da muss man ja konservativ werden”