Kritik, persönlich

Filed under: Lebenswelten,Unter Linken — Schlagwörter: , , , , — JF @ 22:47

Unter Freunden

Aus New York erreicht mich eine Kritik, die sich insofern von den üblichen Einwänden und Anmerkungen gegen “Unter Linken” unterscheidet, als hier jemand mit besonderer Kenntnis der Umstände schreibt. Andreas Mink, lange Chefredakteur des “Aufbau” und heute Autor für das jüdische Monatsmagazin, ist nicht nur ein geschätzter Kollege, sondern auch ein guter Freund. Wir kennen uns lange, ich habe mit meiner Familie mehrere wundervolle Sommer bei ihm in Connecticut verbracht, vor allem verbindet uns eine schöne und stimulierende Zeit an der Hamburger Universität. Eben diese nimmt Mink nun zum Anlass, mir in Erinnerung zu rufen, wieviel wir beide unserem damaligen Professor Klaus Bartels zu verdanken haben. Ich kann ihm nicht widersprechen, ganz im Gegenteil: Wenn ich mir dennoch den einen oder anderen Seitenhieb auf die Franzosenlehre erlaube, die uns damals die Fragwürdigkeit der Vernunftbegriffe nahe legte, dann nicht wegen, sondern trotz der Bartelschen Oberseminare. Die Anstrengungskultur, für die der Literaturwissenschaftler schon eintrat, als allenthalben noch vom herrschaftsfreien Diskurs die Rede war, hatte übrigens den für uns durchaus angenehmen Nebeneffekt, dass wir nie die beengte Atmosphäre einer Massenuniversität kennengelernt haben. Die Literaturliste, die Bartels am Anfang seines Semiars verteilte, sorgte zuverlässig dafür, dass sich beim nächsten Mal nur noch diejenigen einfanden, die bereit waren, das Lesepensum zu erledigen. Die Zahl schwankte zwischen 12 und 15 Teilnehmern.

Etwas anders verhält sich der Fall bei meinem Kollegen Matthias Matussek, der das Buch zum Anlass genommen hat, erst sein Coming Out als Wiederlinker zu erklären, und dann für alle, die noch nicht begriffen hatten, wie ernst es ihm damit ist, am Wochenende noch einmal nachzulegen (“Das Problem Fleischhauer”). Anlass hierfür bot ihm eine Antwort, die ich für die “Achse des Guten” verfasst hatte und in der ich meine Vorbehalte gegenüber den Grünen wiederholte, die Matussek nun zur neuen politischen Heimat erkoren hat. Irgendwie scheint das Engagement für die linke Sache schwer aufs Gemüt zu schlagen, fröhlicher jedenfalls schaut niemand nach der Konversion aus der Wäsche. Kein Kapitel meines Buches hat mir so wütende Kommentare eingetragen wie das über die Linke und den Humor: Ich kann nach den bisherigen Reaktionen nicht sagen, dass ich allzuviel Grund sehe, es in der nächsten Ausgabe stark zu überarbeiten.