Fackelkopf

Filed under: Linke — Schlagwörter: , , , , — JF @ 23:22

Gesunder Klassenstandpunkt

Mit der Post erhielt ich dieser Tage ein Schreiben des ebenfalls in Berlin ansässigen Journalisten und Schriftstellers Bruno Preisendörfer, in dem er mich über einen “offenen Brief” in Kenntnis setzte, den er auf seiner kürzlich eröffneten Webseite “Fackelkopf” veröffentlicht hat. Ich muss zugeben, dass mich bereits ein Beitrag von Jens Bisky in der “Süddeutschen” auf den Text aufmerksam gemacht hatte, insofern war ich vorgewarnt. Preisendörfer ist ein bekennender Linker, er macht auch keine Anstalten, das irgendwie modisch einzukleiden – er versteht sich als Mann der Arbeiterschaft, jedenfalls stammt er daher, seine Kritik erwächst aus einem klaren Klassenstandpunkt, was mir schon einmal sympathisch ist. Ich hatte immer etwas übrig für Leute, die die Dinge sehen, wie sie sind, wozu auch die Existenz von Interessen und sozialen Milieuverhaftungen gehört. Natürlich hat Preisendörfer an dem Buch einiges auszusetzen; so vermisst er eine Würdigung der Gewerkschaftsbewegung (die ist bis auf eine Vignette über den schlechtgelaunten Funktionär in der Tat ausgefallen, ich muss bei Gewerkschaft immer an Ver.di denken, da bin ich befangen). Das Interessante ist, dass Preisendörfer eine ganze Reihe, wenn nicht sogar die überwiegende Zahl, meiner Einschätzungen teilt. Als Arbeiterkind kennt er nur zu genau das “Kopftätschelnde” des linken Juste Milieu, das “Sentimentale und Naive” dieser Schicht von Leuten, die sich für die Elenden und Ausgebeuteten immer nur so lange interessieren, als sie ihnen nicht zu nahe rücken. “Wie kann ein Mensch, der eine Putzfrau und noch alle Tassen im Schrank hat, links sein?” fragt er: “Die Putzfrau selbst müsste links sein, wenn es mit rechten Dingen zuginge und die Menschen nicht so verwirrte Wesen wären.” Recht hat der Mann.