68er

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Prantl, Leyendecker und andere Mythenlieferanten

Brauchen wir Mythen? Helfen sie in die Krise? Und was sind die Großerzählungen, an denen sich die Deutschen jetzt aufrichten könnten? Barbarossa, die Loreley, Preußen? Die Linken haben jedenfalls gerade mit der Enttarnung des Ohnesorg-Schützen Karl-Heinz Kurras als Stasi-Spion und besonders aufrechtem Kommunisten einen Großmythos verloren, auch wenn die Überzeugungs- und Sentimentallinken in den Redaktionen wie Heribert Prantl oder der unvermeidliche Hans Leyendecker dagegen seit zwei Wochen anzuschreiben versuchen. Für Leyendecker sind das nur “Rechthabereien” um die Ausdeutung von 1968, aber wahrscheinlich glaubt er auch noch bis heute, das Che Guevara in seinem bolivianischen Urwaldcamp Andersdenkende am Nachmittag lediglich aus Menschenliebe  füsilieren ließ. Ich habe Leyendecker immer bewundert, muss ich sagen: Seit Jahren schreibt er nahezu jeder größeren Enthüllungsgeschichte hinterher, was ihm den Ruf eingetragen hat, “ein Trüffelschwein allererster Güte” zu sein, wie es gerade in einer Huldigung zum Sechzigsten in der “Faz” hieß, denn niemand beherrscht so meisterlich wie der Mann von der “Süddeutschen” die Kunst, das an anderer Stelle bereits zutage Geförderte so aufzubereiten, als sei es gänzlich neu. Man kann auch sagen, Leyendecker hat mit der Zweitenthüllung eine ganz neue journalistische Gattung geschaffen, die ihm den “Erich Fromm Preis” eingebracht hat (neben Konstantin Wecker, Eugen Drewermann und, natürlich, Heribert Prantl), die Auszeichnung “Aufrechter Gang” der Landtagsfraktion der Grünen  Nordrhein-Westfalen und in jedem Netzwerk Recherche, das in Deutschland gegründet wurde und noch  gegründet werden  wird, einen Vorstandsposten auf Lebenszeit. Was uns zurück zum Thema Mythen bringt, ihrer Wirkmacht und Dauerhaftigkeit. Hier diskutieren vier Kenner der Materie eine Stunde unter Anleitung der wunderbaren Thea Dorn im  “Literatur im Foyer”.