Noch mehr Kritik

Filed under: Unter Linken — Schlagwörter: , , , — JF @ 22:32

Auf Erkundungsfahrt mit der “FAZ

Der “FAZ”-Redakteur Tobias Rüther ist losgezogen, um Linke nach ihrer Meinung zu “Unter Linken” zu befragen – eine ganz eigenwillige Erkundungsfahrt. Der vorherrschende, doch einigermaßen kuriose Befund seiner kleinen Reise: So richtig links will keiner mehr sein, jedenfalls nicht auf Vorhalt. Heribert Prantl, Innenpolitikchef der “Süddeutschen Zeitung”, bezeichnet sich als “liberaler Sozialkatholik”; die Schriftstellerin Eva Menasse war ausweislich ihrer eigenen Selbstverortung überhaupt nie links, sondern mindestens zu gleichen Teilen auch konservativ (wie sich ihr Wahlaufruf für Rot-Grün damit verträgt, wird wohl immer ihr Geheimnis bleiben). Der einzige, der treu zur Fahne steht, ist Klaus Staeck, in den Siebzigern mit  eigenwilligen SPD-Wahlplakaten  zu einigem Ruhm gelangter Grafikdesigner und nun, trotz oder dank dieser doch eher zeitgebundenen Aktivität, auf die alten Tage noch Präsident  der Akademie der Künste in Berlin. Rüthers verwundertes Fazit: “Die SPD nicht links, Prantl nicht links, Grass nicht links” – ja, da kann man in schon ins Grübeln kommen.

Zweites erfreuliches Ergebnis: Alle sind ganz gelassen, niemand regt sich groß auf, man ist schließlich liberal. Nur SZ-Prantl fällt ein wenig aus der Rolle, wenn er  dem Bekenntnis, er fühle sich in keiner Weise provoziert, sondern eher amüsiert,  dann doch noch hinterherschicken muss, er halte den Autoren Fleischhauer für “weniger politisch, oder postpolitisch, sondern eher postpubertär”. Das  ist eine Schmähung, die nur einem Linken einfallen kann, denn eben nur dort gilt es als vorwerfbar, wenn man irgendwann der Daueradoleszenz Ade sagt, um sich zum Erwachsensein durchzuringen. Ich finde, es gibt gute Gründe dafür, dass es mit 47 Jahren irgendwann an der Zeit ist, die Pubertät hinter sich zu lassen, aber auch das ist wahrscheinlich furchtbar postpubertär gedacht.