Berlin-Warschau
“Spiegel”-Gründer Rudolf Augstein hat Helmut Kohl einmal als Mann bezeichnet, der sich gern “drei mal vor der Trikolore verneigt”, und das war nicht unbedingt positiv gemeint. Was wäre Augstein wohl zu Westerwelle eingefallen, dem Minister, dem Warschau offenbar so nahe ist wie Berlin und München? Berthold Kohler von der “FAZ” ist zwar kein Augstein, aber auch sehr gut: “Was für ein Glück, dass Polen die Berufung Guido Westerwelles ins Bundeskabinett aus Gründen, die nur Polen verstehen müsste, nicht als Belastung der deutsch-polnischen Beziehungen betrachtet”, schreibt er heute im “FAZ”-Leitkommentar zur Causa Steinbach: “Denn dann hätte der FDP-Vorsitzende, der eigenen Argumentation im Falle Steinbach folgend, seine ‘persönlichen Ambitionen’ hintanstellen und zum Wohle der Versöhnung mit dem östlichen Nachbarn auf die Erfüllung seines Lebenstraums verzichten müssen.” Wenn die Polen die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen nicht in der Stiftung akzeptieren wollen, die ohne sie nicht zur Stande gekommen wäre, sollte man vielleicht einfach das ganze Projekt beenden. So würde man sich wenigstens die Blamage ersparen, ein “Zentrum gegen Vertreibungen” ausgerechnet mit einer Vertreibung beginnen zu lassen.

