Grüne

Filed under: Wahl — Schlagwörter: , , , , — JF @ 22:40

Ewige Kindheit

Kann man etwas gegen die Grünen haben? Man muss sogar. Keine politische Partei erfreut sich in den meinungsbildenden Kreisen vergleichbarer Sympathie, bei jeder Wunschkonstellation für die kommende Regierung sind sie mit dabei, entweder im Verbund mit SPD und FDP (der leicht modernisierte Klassiker), als Partner eines rot-roten Bündnisses oder, im Fall konservativerer Gemüter, an der Seite der Union. Erst kürzlich hat der von mir sehr geschätzte Bernd Ulrich, einige Jahre Berliner Büroleiter und nun sogar stellvertretende Chefredakteur der “Zeit”, ein Plädoyer für Schwarz-Grün gehalten: Dies sei keine Vision mehr, sondern eine “Koalition, deren Zeit gekommen ist”.

Ich habe mich unwillkürlich gefragt: Hat Ulrich einmal in das aktuelle grüne Wahlprogramm gesehen; war er in den letzten vier Jahren, und sei es nur für eine Stippvisite, auf einem grünen Parteitag? Und wenn ja, was hat er da um Gottes Willen entdeckt, dass ihn auf eine Rückkehr der Grünen in Ministerämter hoffen lässt? Glaubt er wirklich, dass unser Land in der derzeitigen Lage eine Partei an der Regierung braucht, die jedem Hartz-IV-Empfänger erst einmal 100 Euro mehr in die Hand drücken will, ganz unabhängig von seiner Leistungsbereitschaft, die Deutschland von jeder verlässlichen Energieversorgung abzukoppeln gedenkt und deren Jugendorganiation erst kürzlich unter dem wohlwollenden Blick des Parteivorsitzenden Cem Özdemir die Entfernung der Geschlechtsangabe aus Reisepässen beschließen durfte, weil die Zuweisung in “männlich” und “weiblich” die Menschen in die “heterosexuelle Matrix” presse, aus der sie selbstredend sofort befreit gehören?

Sicherlich würde mir Ulrich auf Vorhalt antworten, dass dies Kinderkrankheiten seien, nicht ernst zu nehmende Einfälle und pubertäre Absurditäten, die sich an der Regierung schnell  auswachsen würden. Aber genau das ist mein Punkt: Warum sollen die Deutschen eine Partei in die Regierungsverantwortung schicken, die erst einmal ihre kindlichen Verhaltenweisen überwinden muss? Dafür sind die Zeiten erkennbar zu ernst, das kann man sich vielleicht leisten, wenn die Steuereinnahmen munter sprudeln, alle Arbeit haben und das vordringlichste Problem der Republik die flächendeckende Einführung der nächsten Biotonne ist. Bleibt die Frage, warum so viele kluge, nachdenkliche Menschen im Alter zwischen Vierzig und Fünfzig  ihre Sympathie für die Ökopisten bekunden. Die kurze Antwort: Die Grünen sind die ideale Partei für alle, die Probleme mit dem älter werden haben. Die ausführlicher gefasste findet sich hier, in einem Beitrag für das politische Feuilleton des Deutschlandradios.